Ansiedlungsvorhaben Amazon lässt in Achim auf sich warten

Auch wenn überregionale Medien den Baustart in Achim bereits herbei geschrieben haben: Die Verträge für eine Ansiedlung sind noch nicht unterschrieben. Derweil wehrt sich der Kreis gegen Vorwürfe von Bürgern.
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Amazon lässt in Achim auf sich warten
Von Kai Purschke

Amazon nach Achim? Da war doch mal was. Bislang wird in Achim seit Jahren und offiziell auch weiterhin nur von einem Ansiedlungsvorhaben gesprochen – und vom beabsichtigten Verkauf des Gewerbegrundstücks Uesener Feld durch die halbstädtische Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (EVG) an den Hamburger Projektentwickler Garbe Real Estate. Dieser soll nach wie vor das von ihm dann zu bauende, maßgeschneiderte Logistikzentrum an den Internetriesen Amazon vermieten. Aber noch sind Verträge zwischen den drei genannten Parteien nicht unterzeichnet, noch gilt die Ansiedlung daher nicht als perfekt. „Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen“, lautet daher der knappe Sachstand, mit dem Bernd Kettenburg, Achims Erster Stadtrat und einer von zwei EVG-Geschäftsführern, die Situation nun auf Nachfrage beschreibt.

Dabei war in den vergangenen Wochen und Monaten in überregionalen Medien zu lesen, dass mit dem Bau des Logistikzentrums sogar bereits begonnen worden sei. „Derzeit baut Garbe beispielsweise für den Kunden Amazon in Achim ein dreistöckiges Logistikgebäude mit 150.000 Quadratmetern Hallenfläche“, hieß es online etwa im Juli bei der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ), einer Fachzeitung der Transport- und Logistikbranche.

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Und das Internetportal Thomas Daily (Neuigkeiten und Daten für Immobilienexperten) wusste Ende Oktober bereits: „Garbe wird im nächsten Jahr mit dem Bau des mehrgeschossigen Logistikzentrums für Amazon in Achim beginnen.“ Demnach habe das Investmentmanagementunternehmen Jones Lang LaSalle (JLL) den Großdeal „als eine der Vermietungen benannt, die dem bundesweiten Logistik-Flächenumsatz zum Jahresende hin noch einen kräftigen Schub geben werden“. Garbe und Amazon selbst haben sich bei Nachfragen der Presse bisher stets bedeckt gehalten, aber glaubt man den zitierten Branchenkennern, könnte es also zeitnah soweit sein, dass die Beteiligten Vollzug melden.

Gemeldet hat sich nun nochmal die sogenannte Bürgerinteressenvertretung in Sachen Amazon-Ansiedlung in Achim, deren Sprecher Hans-Dieter Pöhls und Thomas Wendt sind. Mit einem offenen Brief haben sie sich an den Achimer Stadtrat und dessen Vorsitzenden Bernd Junker gewandt und schreiben darin von einer „rechtswidrig erteilten Baugenehmigung“ durch den Landkreis, die der Stadtrat wegen seiner Kontrollpflicht bis auf Weiteres auszusetzen habe. Allerdings: Die Stadt Achim ist in die im Sommer vom Landkreis erteilte Baugenehmigung nicht involviert, da bereits seit Jahren ein Bebauungsplan für das Grundstück Uesener Feld besteht, der seitdem auch nicht angefasst und verändert worden ist.

„Genehmigung nach Recht und Gesetz bearbeitet und erteilt“

Bernd Junker hat dem Duo geantwortet, dass „die rechtliche Bewertung der durch den Landkreis erteilten Baugenehmigung nicht durch den Rat der Stadt Achim erfolgt“. Er persönlich habe in Bezug auf die erteilte Baugenehmigung als Kreistagsabgeordneter Vertrauen in die Mitarbeiter der Kreisverwaltung und geht davon aus, „dass die Genehmigung nach Recht und Gesetz bearbeitet und erteilt wurde“.

Amazon beziehungsweise Garbe könnte demnach sofort loslegen. „An diesem Sachstand hat sich auch nichts geändert. Es ist alles in trockenen Tüchern“, sagt Joachim Kmetsch, Fachdienstleiter Bauordnung des Landkreises Verden. Dass Pöhls und Wendt, die Initiatoren der Bürgerinteressenvertretung, nun eigene Überlegungen angestellt und ihre Schlüsse daraus gezogen haben, hat Kmetsch registriert. Er sagt aber ganz klar: „Diverse Behauptungen stimmen einfach nicht.“ So sei die erteilte Baugenehmigung natürlich rechtskonform, nach den Berechnungsformeln „passt das alles“.

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Pöhls und Wendt monieren beispielsweise, dass das Gebäude dreistöckig ausfallen soll, der Bebauungsplan aber nur eine maximale Zweigeschossigkeit vorsieht. „Es gibt erweiternde und einengende Vorschriften, die nach Baurecht anwendbar sind“, erklärt Kmetsch. So könne, obwohl im Bebauungsplan maximal zwei Geschosse angegeben sind, die Anwendung der Vorschriften dafür sorgen, dass ein Gebäude auch dreigeschossig werden dürfe oder nur eingeschossig ausfallen müsse.

„Da kann man nicht einfach Länge mal Breite nehmen“

Man dürfe daher nicht auf den Bebauungsplan gucken, sich eine Zahl greifen und negieren, dass Varianten nach den gesetzlichen Vorschriften möglich sind. Kmetsch unterstreicht die Aussage, indem er Bezug nimmt auf die Berechnungen von Pöhls und Wendt zur Grundflächenversiegelung. „Da kann man nicht einfach Länge mal Breite nehmen und mit dem Ergebnis arbeiten“, sagt er. Stattdessen müssten die Architekten dem Landkreis Daten vorlegen, die beispielsweise auch jeden Rücksprung des Gebäudes zentimetergenau erfassen.

Ebenso erklären Pöhls und Wendt dem Stadtrat, dass das Gebäude höchstens 18 Meter hoch sein dürfe – so steht es im gültigen Bebauungsplan. „Die derzeitige Gebäudehöhe beträgt unzulässigerweise 18,48 Meter“, betont das Duo. Kmetsch weiß, dass 18 Meter im Plan angegeben sind, aber auch da, erklärt er, „ist es nach geltendem Recht städtebaulich nicht relevant, ob es an der Stelle wegen technischer Aufbauten einen halben Meter höher wird“. Kmetsch stellt klar: „Der Landkreis Verden hat kein Interesse daran, eine Baugenehmigung rechtswidrig zu erteilen.“ Und auch, als die Interessenvertretung bereits im Spätsommer mit derlei Vorhaltungen den Kreis konfrontiert hatte, sei noch mal alles auf Fehler geprüft worden. „Es gibt aber keine“, betont Kmetsch – und das sei den Herren Pöhls und Wendt auch mitgeteilt worden. Denn: „Durch ständiges Wiederholen der Argumente werden sie nicht richtiger.“

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