Ungewöhnliche Versteigerung in Kükenmoor Oldtimer-Traktoren unter dem Hammer

Verden. Das Hamburger Auktionsbüro Valcom hat schon viele Versteigerungen durchgeführt, aber der Auftrag aus Kükenmoor fällt aus dem Rahmen: Auf dem Hof von Anke und Onno Bremer kommen am Sonnabend fast 40 Traktoren sowie diverse andere Fahrzeuge unter den Hammer.
12.08.2010, 04:10
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Oldtimer-Traktoren unter dem Hammer
Von Anke Landwehr

Verden. Das Hamburger Auktionsbüro Valcom hat schon viele Versteigerungen durchgeführt, aber der Auftrag aus Kükenmoor fällt aus dem Rahmen: Auf dem Hof von Anke und Onno Bremer sollen am Sonnabend fast 40 Traktoren sowie diverse andere Fahrzeuge vom London-Taxi über Geländewagen bis hin zu Motorrädern unter den Hammer kommen - alles sanierungsbedürftige Oldtimer aus der Sammlung von Heinz Luttmann. Insgesamt weist der Katalog 97 Posten aus.

'Für die einen ist das Schrott, für andere sind das begehrenswerte Raritäten', sagt Onno Bremer und zuckt mit den Achseln. Geste und Gesichtsausdruck lassen keinen Zweifel: Der Landwirt ist froh, dass die mehr oder weniger rostige Hinterlassenschaft seines vor einem Jahr mit 80 Jahren gestorbenen Schwiegervaters Heinz Luttmann von dem gepflegten Hof an der Kükenmoorer Dorfstraße 3 verschwindet. Die über Jahrzehnte andauernde Sammelleidenschaft des Seniors war für den Rest der Familie 'nicht immer angenehm', so Onno Bremer. 'Manchmal standen über Nacht gleich drei alte Schlepper vor der Tür - und im Weg.'

Selten, dass Luttmann an seinen Eroberungen herumschraubte oder sie gar vollständig restaurierte. 'Bei ihm ging es um das Habenwollen', sagt sein Schwiegersohn. Hatte Luttmann, was er wollte, verlor er schnell das Interesse daran - eins nach dem anderen verschwanden seine Sammlerstücke in Schuppen und Scheunen, um dort zu verstauben. In Ostdeutschland mietete der Kükenmoorer sogar eine alte Turnhalle an, in der er zehn Fahrzeuge unterbrachte.

Auch sie stehen jetzt in Kükenmoor. Es hat sechs Wochen gedauert, bis Bremer mit Hilfe seiner Beschäftigten alle Objekte auf dem Hof vereinigt und mit kräftigem Wasserstrahl von Staub und Spinnweben befreit hatte. Spaß hat das nicht gemacht, aber die Aussicht auf einen oldtimerfreien Betrieb war Ansporn zum Durchhalten. Bremer, der Milchviehhaltung im großen Stil und eine Biogasanlage betreibt: 'Wir benutzen hier nur moderne Maschinen.'

Zwischen großen Silageflächen gleich neben dem Kuhstall checkt Jürgen Beckmann die in zwei langen Reihen aufgebauten Traktoren. Der Landmaschinen-Mechanikermeister aus Barnstorf (Landkreis Diepholz) ist Objektleiter bei Valcom, der Handelsgesellschaft mit öffentlich bestellten und vereidigten Auktionatoren und Sachverständigen. Beckmann überprüft, ob die Angaben im Auktionskatalog stimmen: Fahrzeugidentitätsnummer, Fabrikat, Ausstattung, Baujahr. Und: Sind die Papiere alle richtig zugeordnet? Allein für diese Arbeit braucht Beckmann eine Woche.

Fast die Hälfte der aufgereihten Traktoren sind 'Schlüter'. Sie galten zu ihrer Zeit als das Nonplusultra in der Welt der Trecker. 'Schlüter hat damals die größten und leistungsfähigsten Schlepper überhaupt gebaut', weiß Beckmann.

In Norddeutschland habe es nur einzelne Exemplare gegeben. 'Sie waren ausschließlich für große Flächen geeignet, kamen also vor allem auf Gütern zum Einsatz, zum Teil auch im Braunkohle-Tageabbau.' Der erste Schlüter-Schlepper kam 1937 auf den Markt, 1991 musste das Werk im bayerischen Freising schließen. Beckmann: 'Die haben einfach den Anschluss verpasst. Das ist damals vielen Landtechnik-Unternehmen so gegangen - sie haben die technischen Innovationen verschlafen.'

Schlüter-Trecker haben eine große Fangemeinde. Wie Porsche und Deutz, von denen am Sonnabend ebenfalls einige Traktoren im Angebot sind. 'Das sind bei Auktionen die Bringer', sagt Beckmann. Er ist sicher, dass auch Exoten wie Kramer, David Brown, Ritscher und Norman Zorge ihre Abnehmer finden.

'Die Traktoren werden komplett weggehen', prophezeit der Experte. Sein persönliches Lieblingsstück in der Luttmann-Sammlung ist der Allgaier Typ A22. Das mit einem Mähwerk ausgestattete Treckerchen aus dem Jahre 1953 wird noch mit der Hand angekurbelt. Beckmann will aber nicht mitbieten. Er hat zu Hause einen MB-Trac, Baujahr 1974: 'Das reicht mir.'

Der älteste Traktor auf der Auktion in Kükenmoor ist ein Normag von 1942, dem man jeden Tag seines Alters ansieht - die Reifen sind platt, die einst grüne Lackierung ist fast gänzlich unter einer Rostschicht verschwunden. Ein Schlüter mit Erstzulassung 1976 ist der jüngste, der größte und nach Beckmanns Einschätzung zugleich der teuerste Traktor der Sammlung. Eines der ganz seltenen Stücke ist ein Geräteträger von Eicher: hinten Traktor, vorne Ladefläche. Gebaut wurde das kuriose Gefährt 1957.

Aus den 1950er und 1960er Jahren stammen die Motorräder der Marken Zündapp und Herkules für die Einzelauktion. Weitere motorisierte Zweiräder werden im Paket versteigert wie auch ein rotes, zweisitziges Gefährt, das in der DDR als Behindertenfahrzeug diente.

'Mein Schwiegervater hat in Phasen unterschiedliche Dinge gesammelt', sagt Onno Bremer. Mal waren es Traktoren, dann wieder Mercedesse, Feuerwehrtransporter oder auch Wohnmobile. Luttmann fuhr auch zu Fundsachenversteigerungen, um dort unter anderem Fahrräder im großen Stil aufzukaufen.

Viele Stücke sind schon aussortiert und wandern auf den Schrott. Jürgen Beckmann: 'Die hätten die Auktion kaputt gemacht.' Am vergangenen Wochenende war der Experte bei den Feldtagen in Nordhorn, wo die ausgestellte Landtechnik mehr als 20000 Besucher anzog und wo Valcom für die Versteigerung in Kükenmoor warb. 'Wir haben außerdem in Fachblättern für Fangemeinden und Landwirtschaft annonciert', berichtet Thomas Möhlenpage, der Auktionator.

Wie viele Menschen am Sonnabend in die kleine Ortschaft in der Gemeinde Kirchlinteln strömen werden, vermag Möhlenpage nicht genau einzuschätzen. 'Aber es werden viele sein.' Onno Bremer hofft, auf den Ansturm vorbereitet zu sein. In Absprache mit den Behörden wird die Kükenmoorer Straße zwischen der historischen Salzstraße und dem Abzweig nach Heins zur Einbahnstraße, auf Weiden und Wiesen stehen rund tausend Parkplätze zur Verfügung. Die Feuerwehr übernimmt die Einweisung und auch die Polizei sei informiert, so Bremer.

Das Auktionsangebot kann bereits am morgigen Freitag von 12 bis 18 Uhr und am Sonnabend von 9 bis 12.45 Uhr besichtigt werden, außerdem im Internet unter www.valcom.de. Die Versteigerung beginnt um 13 Uhr. Dazu wird auf dem Hofgelände ein großes Zelt aufgebaut.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+