Übernachtungen im Kreis Verden „Die Zahlen sind erschreckend“

Die Pandemie hat dazu geführt, dass es 2020 im Kreis Verden 45 Prozent weniger Übernachtungen im Gastgewerbe gab. Schließen musste kein Haus, wenngleich einige Betriebe die Zeit für Veränderungen genutzt haben.
16.03.2021, 17:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Die Zahlen sind erschreckend“
Von Kai Purschke

Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 dem Tourismus in der Region stark zugesetzt. Nachdem das Landesamt für Statistik Niedersachsen die Übernachtungszahlen für ganz Niedersachsen für gewerbliche Betriebe (ab zehn Betten) bekannt gegeben hatte, liegen nun die Zahlen für die einzelnen Kreise, Städte und Gemeinden vor. Demnach verbuchte der Landkreis Verden im vergangenen Jahr rund 192.000 Übernachtungen und knapp 100.000 Gästeankünfte - dies bedeutet im Vergleich zum Jahr 2019 einen Rückgang um jeweils rund 45 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen sank in der Stadt Achim um rund 35 Prozent und in der Stadt Verden um mehr als die Hälfte (55 Prozent).

Während das Minus in Achim damit noch genau die Größenordnung des Rückgangs der niedersächsischen Übernachtungszahlen hat, liegt Verden weit drüber. Die Zahl der Gästeankünfte ging im Vergleich zu 2019 um rund 30 Prozent in Achim und um 50 Prozent in Verden zurück. „Die Zahlen sind erschreckend, die Gastronomen, die Hoteliers, die gesamte Tourismusbranche hat seit einem Jahr mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Im Lockdown können kaum Einnahmen generiert werden. Der Beherbergungsbereich war mit der erste, der schließen musste und wird voraussichtlich der letzte sein, der wieder öffnen darf", glaubt Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik GmbH, die etwa in Achim die Tourist-Info betreibt.

Hotel Haberkamp „nicht so unzufrieden“

So war auch im Hotel Haberkamp in Achim laut Inhaber Jens Böhmermann zu spüren, „dass weniger los war als sonst“. Aber die Angst, dass alles zusammenbrechen könne, die habe sich nicht bestätigt. Auch wenn Hochzeiten und andere Familienfeiern nicht in dem Rahmen wie vor der Pandemie stattgefunden haben, sei das Haus schon immer von vielen Geschäftsreisenden gebucht worden. „Von daher sind wir nicht so unzufrieden“, blickt Böhmermann auf das Jahr 2020 zurück und weiß, dass die Lage anderswo durchaus dramatischer sei. Und für die weitere Zukunft rüste sich das Hotel Haberkamp ohnehin gerade, setzt dabei mit einem anderen Ambiente vor allem auch auf Tagungen und Familienfeiern. So steht laut Böhmermann bereits fest, „dass wir die normalen Kohlfahrten nicht mehr anbieten werden, nur noch für geschlossene Gesellschaften wie Firmen“.

Neben der Tatsache, dass zuletzt Messen, Tagungen, Kongresse, Veranstaltungen und Familienfeiern nicht in dem Maße oder auch gar nicht stattfinden konnten, waren und sind während der Lockdowns touristische Übernachtungen verboten, es dürfen nur Geschäftsreisende und Monteure aufgenommen werden. Der Anteil der Gäste aus dem Ausland brach coronabedingt ebenfalls ein. Wie Touristiker Martin Fahrland erklärt, verteilt sich der Einbruch der Übernachtungszahlen unterschiedlich auf die jeweiligen Beherbergungssegmente: Während die Wohnmobilstellplätze und die Campingplätze nach dem ersten Lockdown früher öffnen durften und in den Sommermonaten gut belegt waren, verbuchte die Hotellerie teilweise „erhebliche Rückgänge bei den Übernachtungszahlen“.

Probleme für kleine Betriebe

Gördt Glander, Betreiber des Hotels Höltje in Verden und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands, schildert dennoch, dass das Gastgewerbe „wohl mit einem blauen Auge“ davonkommen werde. Aber er sagt auch: „Je kleiner der Betrieb, desto schwerer hat er es.“ Denn Inhaber von kleinen Häusern, die ihnen gehören, zahlen nunmal keine Miete oder beschäftigen keine Angestellten. Und somit hätten sie auch keine Fixkosten, die sie bei den Corona-Hilfen geltend machen könnten. Sowohl persönlich als auch in seiner Eigenschaft als Dehoga-Kreisvorsitzender hat er ein großes Problem mit Beschränkungen des Gastgewerbes und der Ungleichbehandlung der darin tätigen Unternehmen. „Die Leute von hier dürfen mit dem Flieger nach Mallorca reisen, aber nicht mit dem Schiff nach Borkum“, sagt er und kann nur den Kopf schütteln über die ungleichen Bedingungen.

In der Mittelweser-Region (umfasst die Landkreise Nienburg/Weser, Verden und Diepholz) gab es im vergangenen Jahr 573.322 Übernachtungen - ein Rückgang von knapp 40 Prozent, während die Zahl der Gästeankünfte sogar um 43 Prozent kleiner wurde. „Die gesamte Tourismusbranche braucht eine Perspektive, viele Leistungsträger kämpfen mit existenziellen Problemen“, betont Fahrland. Und dennoch ist weder ihm noch Glander ein Fall bekannt, in dem ein Hotel oder Restaurant aus Gründen schließen musste, die ausschließlich auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückgehen. Auch wenn Glander weiß: „Ich kenne aber Leute, die sind an der Grenze zur Aufgabe und ich weiß nicht, wie lange sie noch durchhalten.“ Und er kennt Unternehmer, die die Pandemie zum Anlass genommen haben, ihre Betriebe zu verändern und anders aufzustellen - wie Glander selbst. „Wir hatten ohnehin vor, die Speisegastronomie zu schließen, und konnten das nun gut in die Tat umsetzen. Die Hotellerie aber bleibt“, betont er. Ansonsten hätte die Gastronomie abgewickelt werden müssen, während das Team unter Volldampf steht und obendrein hätte er wohl viele Nachfragen der Gäste beantworten müssen, glaubt er.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+