Dorfentwicklung Zug um Zug in Richtung Zukunft

Die Bürger aus dem Kleinbahnbezirk hoffen, dass die Region in die Dorferneuerung aufgenommen wird. Es winken hohe Förderquoten.
28.07.2022, 13:57
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Zug um Zug in Richtung Zukunft
Von Jörn Dirk Zweibrock

Eitze und Kirchlinteln haben sich richtig viel Mühe gegeben. Bei Siegfried Dierken vom Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg, Geschäftsstelle Verden, haben sie nun den vorbereitenden Antrag auf Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen eingereicht. Er steht unter dem bezeichnenden Motto "Zug um Zug in Richtung Zukunft" und zeigt in einer Illustration – wie sollte es auch anders sein – natürlich die Kleinbahn, das verbindende Element zwischen Verden und der Heidegemeinde. 

Eitzes Ortsbürgermeisterin Anja König und Kirchlintelns Bürgermeister Arne Jacobs hoffen jetzt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aus den insgesamt sechs Dörfern, die sich zur Dorfregion Kleinbahnbezirk zusammengeschlossen haben, auf einen positiven Bescheid. Ob es gleich im ersten Anlauf klappt oder die Dörfer nochmal eine Ehrenrunde drehen müssen, entscheidet sich allerdings nicht vor Frühjahr, schließlich steht in Hannover nach der Landtagswahl im Herbst erst noch die Bildung einer neuen Landesregierung an. Nachdem die Behörde von Dierken die Unterlagen geprüft und bewertet hat, entscheidet final das niedersächsische Landwirtschaftsministerium darüber.

Ergebnisse der Zukunftsschmieden

Der Dezernatsleiter aus Verden bremste die Euphorie von König und Jacobs beim Vor-Ort-Termin an der Luttumer Grundschule ein wenig, manchmal klappe es mit der Aufnahme in die Dorfentwicklung auch erst beim zweiten Versuch. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gibt es im Geschäftsstellenbezirk diesmal auch mindestens zwei Konkurrenten – eine Region aus dem benachbarten Heidekreis und den Zusammenschluss Hellwege, Posthausen und Ottersberg Bahnhof. Aktuell befindet sich auf Kreisebene die Dorfregion von Bierde bis Wittlohe mit Otersen und Wittlohe in der Dorferneuerung, die Dorfregion Aller Wölpe mit Westen und Hülsen wurde kürzlich aufgenommen. 

Bei der Antragsstellung wird der Kleinbahnbezirk vom Planungsbüro Koris (Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung) aus Hannover unterstützt. Den Projekt-Steckbrief hatte im Vorfeld Kirchlintelns Tourismusbeauftragte Petra Lindhorst-Köster verfasst. Die Ergebnisse aus den vorangegangenen drei Zukunftsschmieden zur Dorfentwicklung – öffentlichen Bürgerversammlungen in Luttum und Hohenaverbergen und einer virtuellen – sind in den Antrag mit eingeflossen. Dass es ein "überwältigendes Interesse" der Bevölkerung am Thema Dorfentwicklung gibt, hat Siegfried Dierken bei den Bürgerversammlungen selbst miterlebt. 

Zuhause von 5200 Menschen

Schließlich verbindet die Dorfregion von Eitze bis Stemmen eine über 100-jährige Tradition und ein Miteinander. Obwohl Eitze offiziell zur Stadt Verden gehöre, habe sich der Allerort bis heute seinen dörflichen Charakter bewahrt, sagte Anja König. Eitzer Kinder gehen beispielsweise in Luttum zur Grundschule und Eitzer Senioren besuchen dort gerne die Tagespflege. "Bereits 2017 hat sich der Arbeitskreis Kleinbahnbezirk gegründet", erinnerte König. Dass sich eine interkommunale Zusammenarbeit mehr als anbietet, beweisen also die unzähligen geografischen und gesellschaftlichen Schnittmengen zwischen dem halben Dutzend Dörfern, die sich traditionell eher nach Verden orientieren. 

Die Dorfregion Kleinbahnbezirk umfasst insgesamt 5200 Menschen in den Dörfern Eitze, Armsen, Hohenaverbergen, Luttum, Neddenaverbergen und Stemmen. 

Gemeinsame Herausforderungen

Herausforderungen, vor denen die Dorfregion steht, sind unter anderem die Stärkung des Ehrenamtes oder die Nachnutzung von Hofstellen. Weitere Themen sind die Sicherstellung der Nahversorgung sowie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Auch Themen wie ländlicher Tourismus und Klimaanpassungsstrategien stehen auf der Agenda. Ein weiterer Kooperationsanlass ist die Renaturierung der Aller (Blaues Band) und eine mögliche Flurbereinigung. Im vorbereitenden Antrag seien sie unter den Handlungsfeldern Aktiv, Leben sowie Blau und Grün zusammengefasst, erläuterte der Kirchlintler Verwaltungschef. 

Positiver Effekt bei einem positiven Bescheid: Sowohl Kirchlinteln als auch Eitze befinden sich in der Leader-Region Aller-Leine-Teil und hoffen auf eine erneute Zusage für die Förderperiode von 2023 bis 2027. Im Gegensatz zur Stadt Verden hatte sich die Ortschaft Eitze dazu entschlossen, sich nicht der neu gegründeten Region Weser-Aller-Landschaft mit Langwedel, Thedinghausen, Achim und Oyten anzuschließen.

Sollte es mit der Aufnahme in die Dorfentwicklung nicht auf Anhieb klappen, wollen König und Jacobs die Dörfer im Kleinbahnbezirk auf jeden Fall weiter verzahnen – beispielsweise in Form von gegenseitigen Besuchen mit dem Fahrrad. Die Probleme im ländlichen Raum, zum Beispiel die Nachnutzung der Friedhofskapellen – sind nämlich überall gleich und enden nicht an der Gemeindegrenze.

Hohe Förderquoten

Das niedersächsische Dorfentwicklungsprogramm ist gleich auf mehrere Jahre angelegt. Die Förderquoten für private Projekte betragen 30 Prozent, für öffentliche hingegen zwischen 53 und 73 Prozent. 

Aktuell befinden sich laut Ministerium 226 Dorfentwicklungsverfahren mit insgesamt 825 Dörfern in dem Programm, das als eines der zentralen und beliebtesten Förderinstrumente für die ländlichen Räume gilt. Die Grundlage dafür bildet der aufgestellte Dorfentwicklungsplan. In jüngster Zeit werden auch verstärkt Dorfmoderatoren eingesetzt. Für Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) ist Dorfentwicklung mehr als Gestaltung, Dorfentwicklung sei auch immer ein Konjunkturbeitrag für die ländlichen Räume.

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