Domherrenhaus Verden Erfolg mit Miniatur-Vollholzmöbeln

Das Domherrenhaus Verden zeigt unter anderem ein Puppenhaus im Stil von Bodo Hennig. Außerdem können die Besucherinnen und Besucher die Dauerausstellung besichtigen.
16.12.2021, 16:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Becker

Im Advent einfach mal für ein bis zwei Stunden dem Alltag entfliehen – dieses Angebot macht das Historische Museum Domherrenhaus Verden in der Vorweihnachtszeit. Neben dem Besuch der Dauerausstellung auf drei Etagen kann sich für die Besucher ein Gang durch Eingangsbereich und Ausstellungsraum des denkmalgeschützten Hauses an der Unteren Straße lohnen. Die Räume wurden vom Museumsteam gemeinschaftlich festlich geschmückt, winterliche Fotografien aus dem hauseigenen, historischen Bildarchiv zieren die Wände. "Die Motive haben wegen des Klimawandels nicht nur für Verden Seltenheitswert: Schlittenfahrten mit Pferdegespann, Eisschollen auf der Aller, Oldtimer im schneeverwehten Stadtbild, Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Seen gibt es seit Jahren nicht mehr zu sehen", so die Ausstellungsmacher.

Kleine Auswahl

Wie sich die Kufenschuhe vom schlichten Holzmodell zum Unterschnallen bis zum eleganten weißen Stiefel auf fest montiertem, blitzendem Stahl entwickelt haben, welche Spiele in den 1940er-Jahren unter dem Weihnachtsbaum lagen und wie dieser um das Jahr 1900 geschmückt wurde, können Interessierte in einer Vitrine in kleiner Auswahl aus dem Museumsbestand bewundern.

Aus dem späten 20. Jahrhundert stammt das prachtvolle Puppenhaus gleich daneben, das dem Domherrenhaus seit Dezember von dem Verdener Ehepaar Eva und Friedhelm Meißner als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wird. Gebaut hat den zweistöckigen Kindertraum der handwerklich geschickte Meißner nach dem Vorbild eines sogenannten Landhauses des Spielzeugherstellers Bodo Hennig. Für die Innenausstattung ist Meißners Frau verantwortlich, die ausschließlich Arbeiten dieses Herstellers sammelt.

Anpassung an den Zeitgeschmack

Geboren in Grünhainichen inmitten des „Spielzeuglandes“ Erzgebirge hatte Bodo Hennig die Holzverarbeitung von der Pike auf gelernt und arbeitete nach Übersiedlung in den Westen in der von seinem Vater Walter 1950 im Allgäu gegründeten „Drei Könige Spielwarenfabrik“. Doch der Erfolg für seine aus rohem Fichtenholz gefertigten und handbemalten Vollholz-Puppenmöbel ließ auf sich warten, weil den Menschen zu Beginn der 1950er-Jahre bereits wieder der Sinn nach einer schickeren Optik steht. Erst als die Erzeugnisse dem Zeitgeschmack angepasst werden, steigen auch die Verkaufszahlen. Das seit 1953 in Wildpoldsried beheimatete Unternehmen wuchs stetig, sodass der 1959 von Bodo Hennig übernommene Betrieb 1962 samt seiner mittlerweile 25 festen Mitarbeiter – dazu beschäftigte er weitere 40 Heimarbeiter – ein neues Firmengebäude beziehen konnte. Zu Beginn der 1970er-Jahre schließlich war Hennig unter den deutschen Spielzeugherstellern eine feste Größe, dessen Betrieb weiterhin expandierte und 1974 bereits einen Stamm von 39 festen sowie 80 Heimarbeitern vorweisen konnte. Während er seine  Spielzeuge anfangs im Maßstab 1:12 konzipierte, vermeldete der Katalog aus dem Jahr 1963, „dass sämtliche Einzelmöbel im Maßstab 1:10 gehalten sind“, was vermutlich vorgenommen wurde, weil Kinder mit den Möbeln in der neuen Größe besser spielen konnten. "Der große Erfolg der Miniaturen basierte nicht zuletzt auf deren Nähe zu ihren großen Vorbildern. Zwar entwarf Bodo Hennig seine Möbel selbst, doch inspirieren ließ er sich durch Katalogabbildungen und Besuche in Möbelhäusern", heißt es.

Bis ins kleinste Detail hat Eva Meißner für ihr Haus so entzückende Miniaturen gesammelt, dass Museumsmitarbeiterin Andrea Strüver mit Freuden die Möblierung mit den Kleingegenständen übernommen hat. Bei einem Ortstermin fachsimpelte sie jetzt mit der Leihgeberin über Einzelheiten.

Eigentliche Aufgabe Strüvers im Domherrenhaus ist allerdings die Betreuung des Empfangstresens, hinter dem sie seit einigen Monaten die Gäste des Museums begrüßt und Büro- und Verwaltungsarbeiten erledigt. Bei ihr kann man auch die Karten für alle Veranstaltungen des Domherrenhauses reservieren, kaufen oder sich zusenden lassen, die vielleicht noch als Geschenke unter den Weihnachtsbaum gelegt werden sollen. Informationen dazu gibt es auf www.domherrenhaus.de oder unter 0 42 31/ 21 69. Das Domherrenhaus ist von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, geöffnet.

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