Steuerverwaltung Das Finanzamt wird fit für die Zukunft gemacht

1,5 Millionen Euro werden für die Modernisierung der Behörde in die Hand genommen. Die bevorstehende Reform der Grundsteuer bindet personelle Ressourcen.
28.03.2022, 16:05
Lesedauer: 3 Min
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Das Finanzamt wird fit für die Zukunft gemacht
Von Jörn Dirk Zweibrock

Der demografische Wandel, die bevorstehende Reform der Grundsteuer und die Digitalisierung sind die drei großen Herausforderungen, denen sich die niedersächsische Steuerverwaltung in Zukunft stellen muss. Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) machte dies am Montag bei seinem turnusgemäßen Besuch im Verdener Finanzamt deutlich.

Rund 180 Mitarbeiter zählt die Behörde an der Bremer Straße, deren Finanzamtsbezirk dem des Landkreises entspricht. Das Steueraufkommen des Verdener Finanzamtes betrug Vorsteher Frank Hofmann zufolge rund 750 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Bis 2027 scheiden dort altersbedingt jedoch 26 Mitarbeiter aus dem Dienst aus. Deswegen ist es für die Behörde von großer Bedeutung, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Bislang gelingt dies noch relativ gut und die Abbrecherquote ist gering. Die Ausbildungsplätze für das zum 1. August beginnende Ausbildungsjahr waren bereits Ende 2021 besetzt. Für den mittleren Dienst ist ein Realschulabschluss erforderlich, für den gehobenen hingegen die Fachhochschulreife.

Die heimische Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD), wie Hilbers Mitglied der Großen Koalition in Hannover, wies in diesem Zusammenhang noch einmal daraufhin, dass die Azubis bereits vor Corona mit Tablets ausgestattet wurden. Sie drücken in den Steuerakademien in Rinteln und Bad Eilsen die Schulbank.

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"Wir sind nur stark in der Fläche, wenn wir dort auch starke Mitarbeiter haben", betonte Hilbers. Er dankte den Bediensteten für ihr Engagement während der Corona-Pandemie, einige hätten im Gesundheitsamt ausgeholfen, andere wiederum Amtshilfe im niedersächsischen Sozialministerium geleistet. Gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Pandemie konnte die Verdener Behörde im Herbst 2019 ihr 100-jähriges Bestehen feiern.

Um das Gebäude an der Bremer Straße fit für die Zukunft zu machen, sollen anderthalb Millionen Euro investiert werden – vornehmlich in den Brandschutz und die Sicherheitsvorkehrungen. Dazu ist die Errichtung einer Schleuse im Eingangsbereich geplant.

Bereits 77,5 Prozent der Kreisverdener geben ihre Steuererklärung mittlerweile elektronisch ab. Belege müssen nicht mehr mitgeschickt, sondern lediglich aufgehoben und auf Aufforderung nachgereicht werden. Der Minister versicherte in Verden, dass nicht geplant sei, die Steuererklärung auf Papier abzuschaffen – ein Thema, das viele Senioren umtreibt. Hilbers hob hervor, dass es schon heute möglich sei, über einen bestehenden Elster-Zugang die Steuererklärung für die Eltern einzureichen. Zudem werde zum 1. April 2022 das Portal "einfach Elster" eingeführt, ein Angebot, das sich speziell an Rentner und Pensionäre richte.

Die meisten Steuererklärungen durchlaufen heute den EDV-gestützten Risikofilter. "Wir wollen nicht wegen 2,50 Euro zwei Tage Ermittlungsaufwand betreiben", erklärte der Christdemokrat, dass die Steuerverwaltung auf das Prinzip Ehrlichkeit setze, allerdings mit dem Hinweis, jederzeit kontrolliert werden zu können.

Obwohl die Grundsteuerreform in Niedersachsen erst 2025 in Kraft tritt, ist jeder Eigentümer verpflichtet, dem zuständigen Finanzamt vom 1. Juli bis 31. Oktober 2022 eine entsprechende Erklärung zu seinem Grundstück abzugeben. Angegeben werden müssen unter anderem die Flächengröße und der Nutzungszweck.

Sind in Niedersachsen rund 3,5 Millionen Grundstücke von der Reform der Gemeindesteuer betroffen, entfallen davon rund 63.000 auf das Finanzamt Verden. Während Bremen dem Modell des Bundes folgt und sich Hamburg am Mietspiegel orientiert, hat Niedersachsen ein eigenes Grundsteuergesetz beschlossen, dem das selbst entwickelte Flächen-Lage-Modell mit dem Bodenrichtwert als Indikator zugrunde liegt. "Unser Modell ist wesentlich unbürokratischer, die Erklärung muss nicht alle sieben Jahre wiederholt werden und spart somit Personal", zählte Hilbers bei seinem Besuch in Verden die Vorteile gegenüber dem Bundesmodell auf. Der Finanzminister versicherte noch einmal, dass mit der Reform keine zusätzlichen Einnahmen generiert werden sollen – Stichwort Aufkommensneutralität. Während die Finanzämter für die Steuermessung zuständig sind, wird der eigentliche Hebesatz von der Kommune festgesetzt.

Vereinfacht lässt sich sagen: Wer in einer guten City-Lage wohnt, zahlt mehr als der, der im Außenbereich lebt.

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