Magic Park

Entschleunigung mit den Brüdern Grimm

Ein Märchenklassiker feiert sein Comeback. Die Bremer Stadtmusikanten verzaubern die Besucher erneut im Verdener Magic Park. Dabei werden Kindheitserlebnisse wieder lebendig.
04.08.2021, 17:22
Lesedauer: 3 Min
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Entschleunigung mit den Brüdern Grimm
Von Jörn Dirk Zweibrock

Für Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann ist der Magic Park immer noch der Märchenwald – so wie für eine ganze Generationen Verdener. "Ich bin mit meinen Geschwistern früher von einem Märchen zum nächsten gerannt, unsere Eltern hatten Mühe, hinterher zu kommen", erinnert sich der Verwaltungschef an unbeschwerte Kindertage im Wald. Brockmann ist mit den Bremer Stadtmusikanten im Märchenwald quasi aufgewachsen. Nach jahrzehntelanger Abstinenz sind Esel, Hund, Katze und Hahn nun endlich in den Park zurückgekehrt. Das neue Märchen wird an diesem Sonnabend, 7. August, zum ersten Mal vor Publikum aufgeführt.

Bei Bene, Söhnchen von Magic Park-Geschäftsführer Bastian Lampe, kommt die Rekonstruktion des Klassikers der Brüder Grimm jedenfalls super an. Nach dem Schattenspiel verschwindet plötzlich die riesige Leinwand und gewährt den Besuchern exklusive Einblicke in das geheimnisvolle Räuberhaus. "Anfang der 1980er-Jahre wurde die Großkulisse nach rund zehnjähriger Spielzeit von einem Unwetter zerstört, das Gebäude wurde dann später als Eisdiele genutzt", blickt Lampe in die Geschichte des Märchenwaldes zurück. Pünktlich zum 50. Geburtstag des Freizeitparks wurde sie also mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert. 

Stimme mit Wiedererkennungswert

Auf dem Verdener Weihnachtsmarkt hat sich Zauberer Ben Jayman, der in diesem Jahr gleich durch zwei neue Shows führt, als Talentscout betätigt. Von Werner Langs sonorer Erzählerstimmen sei er damals sofort fasziniert gewesen, blickt der Magier zurück. Also wurde Lang kurzerhand dazu verpflichtet, die Märchen im Park neu einzusprechen. Auch die Stadtmusikanten hat der Vorlesepate vertont, die Geschichte dazu gar selbst geschrieben. "Werners Stimme hat einfach einen hohen Wiedererkennungswert", freut sich Jayman. Auch ein früheres Urgestein des Parks, Puppenspieler Andre Laubinger, habe eine Räuberfigur eingesprochen. Mit der Rekonstruktion der Stadtmusikanten wurde langjährigen Mitarbeitern ein Denkmal gesetzt. So sei der Koch Park-Koch Wolfgang Lühning und der Hauptmann Betriebsleiter Klaus Heinemann nachempfunden. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Walsroder Kunstvereines (Der Kunstraum) hat Jayman das Schattenspiel kreiert, für die Musik zeichnet Fritz Herbst verantwortlich. Die Figuren stammen von einem bayerischen Spezialisten für animatronische Figuren.

Startschwierigkeiten beseitigt

Bevor die Großkulisse am Wochenende in den Regelbetrieb geht, und die Zuschauer erfahren, ob wirklich "Schurkengurken" im Räuberhaus serviert werden, müssen allerdings noch einige Feinarbeiten erledigt werden. Zu Beginn litten die Stadtmusikanten nämlich noch an den typischen "Kinderkrankheiten" – weil der Projektor nicht funktioniert hatte, wurde eben per Express ein neuer geliefert und auch die ursprünglich eingeplante Leinwand erwies sich nicht als tauglich für Rückprojektionen. "Dann haben wir eben in Eigenregie aus Stoff ein neue gebaut", erzählt Lampe und gesteht, dass der Kontrast bis zur "Uraufführung" noch ein wenig nachgeschärft werden müsse.

"Wir leben heute in einer sehr digitalen Welt, da ist ein Besuch im Märchenwald doch ein sehr reales Erlebnis", findet der Bürgermeister und zelebriert regelrecht die Entschleunigung unter den hohen Wipfeln. Seit einigen Jahren ist Verden erneut Mitglied im Verein Deutsche Märchenstraße, auch der Magic Park gehört mittlerweile wieder zu den Fördermitgliedern. "Märchenwald und Märchenstraße – das passt einfach wie die Faust aufs Auge zusammen", betont der Geschäftsführer. Er bekräftigt die Aussage des Verwaltungschefs: "Besonders in unruhigen Zeiten finden wir die Rückbesinnung auf die zeitlose Kultur der Märchen besonders wichtig. Hier werden Lehren fürs Leben und klassische Werte vermittelt, ganz ohne Werbung und ausbordende Kommerzialisierung." Die Märchen seien nun einmal die DNA und Keimzelle des Parks, aber eben auch die Zukunft für das Verdener Traditionsunternehmen.

Die Zeit steht still

Dario Sepe aus der gleichnamigen Betreiberfamilie ist als Kind quasi im Park aufgewachsen und hat nach der Schule Ben Jayman beim Zaubern über die Schulter geschaut. Auch er findet das neue Märchen "megacool" und schätzt die besondere Atmosphäre im Märchenwald. Irgendwie – und das bestätigt auch Lutz Brockmann – bekommen die Besucher dort das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Ob die Bremer Stadtmusikanten auf ihrem Weg nach Bremen nun wirklich auf dem heutigen Stadtmusikantenweg in der Nachbargemeinde Kirchlinteln unterwegs waren, sei dahingestellt, fest steht für Bastian Lampe allerdings: "Die Tiere sind doch nie wirklich in Bremen angekommen, eigentlich müsste man sie am Bremer Rathaus absägen und hier zu uns in den Park stellen."

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