Gartenkultur

Irgendwas blüht ja immer

Das Ehepaar Kamermann präsentiert anlässlich der offenen Pforte wieder seinen Garten der Überraschungen. Die Rosenblüte lässt allerdings noch ein wenig auf sich warten.
16.06.2021, 16:16
Lesedauer: 3 Min
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Irgendwas blüht ja immer
Von Jörn Dirk Zweibrock
Irgendwas blüht ja immer

Überraschungen programmiert: Überall bieten sich neue Blickwinkel auf den Garten.

Björn Hake

Marita Kamermann sitzt mit einer Tasse Kaffee in ihrem Garten, eingerahmt von hellgrünen Demijohns, also XXL-Glasballons. Im Winter muss die Gartendeko natürlich ins Haus, der Frost würde die Ballons sonst zum Zerplatzen bringen. Kunstvoll angelegte Wassertreppen, Gartenhäuser im Schwedenstil sowie meterlange Hecken erwarten die Besucher am Sonntag, 27. Juni, an der Seekante 15 in Eissel. Anlässlich der offenen Pforte Achim und Umgebung öffnen Kamermanns ihr Paradies hinter dem Haus in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Nachdem der Garten der Überraschungen im vergangenen Jahr pandemiebedingt für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben musste, können sich Gartenfreunde dort am letzten Juni-Wochenende wieder in aller Ruhe umschauen und mit der einen oder anderen Anregung nach Hause gehen.

In den vergangenen Monaten hat Bernd Kamermann beispielsweise die Sitzecke mit Kiwi-Pflanzen neu gestaltet. "Die Leute haben einfach wieder Lust, in den Garten zu gehen", spricht seine Frau Marita nach dem langen Corona-Winter aus Erfahrung.

Fotoreportage offene Gartenpforte im Landkreis Verden

Im Schwedenstil: Das frühere Spielhaus ist ein optischer Hingucker.

Foto: Björn Hake

Inspirationen für seine Oase unweit des Eisseler Sees holt sich das Paar mit dem grünen Daumen immer wieder bei seinen Garten-Reisen durch die Niederlande. „Unsere Nachbarn haben eine ganz andere Gartenkultur als in Deutschland“, schwärmen beide von den prachtvollen Parks und picobello gepflegten Vorgärten. Sprudelt seine Frau wieder einmal vor Ideen, bestellt sich Spezial-Pflanzen aus dem Internet und lebt somit ihre Vorliebe für Farben und Formen im eigenen Garten aus, macht sich Bernd Kamermann geschwind ans Werk, um sie in die Praxis umzusetzen. Er baut Gartenhäuser im Schwedenstil, entwirft Insektenhotels, legt kunstvolle Wassertreppen an oder verwirklicht sich in seinem Revier – dem Nutzgarten.

Der handwerklich geschickte Eisseler entspannt abends immer gern beim Buchsbaum-Schneiden. Und das sind in seinem Garten schon so einige hundert Meter Hecke und unzählige kunstvoll geschnittene Kugeln. "Dafür habe ich mir extra eine japanische Buchsbaum-Schere angeschafft", verrät er.

Die rund 2000 Quadratmeter große Anlage wurde sogar schon einmal von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) bewertet. „Die Kommission war damals der Namensgeber für unseren Garten der Überraschungen“, verrät Marita Kamermann.

Fotoreportage offene Gartenpforte im Landkreis Verden

Mediterran: Marita Kamermann macht es sich in ihrem Kies-Senk-Garten gemütlich.

Foto: Björn Hake

So pflegeleicht wie der Kies-Senk-Garten mit seinen hitzebeständigen Pflanzen (Sonnenröschen, Ziersalbei, Edeldistel und Katzenminze) sind die großen Rasenflächen hingegen nicht – schließlich müssen sie ja im Sommer bei Trockenheit regelmäßig gemäht und gewässert werden. Unzählige Tonnen Gestein hat Bernd Kamermann bei der Anlage des mehrstufigen Schotter-Gartens eigenhändig mit der Schiebkarre befördert. "Unsere Nachbarn haben erst gedacht, wir würden hier einen Teich anlegen", erinnert sich seine Frau lachend. Doch weit gefehlt, das tiefe Loch hat sich im Laufe der Jahre in einen mit vielen mediterranen Pflanzen bestückten Kies-Senk-Garten verwandelt. Zartes Violett ist dort die dominierende Farbe.

"Irgendwas blüht ja immer", weiß die passionierte Hobbygärtnerin vom Eisseler See. Momentan seien es gerade die Storchschnäbel. "Weil wir einen kräftigen Winter hatten, sind die Rosen noch nicht so weit", bedauert Marita Kamermann.

Im Spätsommer dominiert hingegen die Farbe Grün in all ihren Schattierungen den Kamermannschen Garten. Zu dieser Jahreszeit versprüht das Areal an der Seekante eher einen morbiden Charme. Funkien, Fahne, Gräser und Silberkerzen gibt es dann dort zu bestaunen. Genauso wie der Federmohn beweist auch die Natur im September, dass alles vergänglich ist. Während der wilde Wein noch den Rankbogen emporklettert, und die Zieräpfel im Bauerngarten leuchten, sind die Hortensien-Blüten bereits vergangen. Die Blätter des Lebkuchenbaumes schimmern im Herbst jeweils gelblich und riechen – wie der Name schon sagt – nach dem würzigen Gebäck.

Welcher Besucher glaubt, nach einem Rundgang schon alles gesehen zu haben, hat weit gefehlt. Von der höher gelegenen Terrasse bietet sich dem geneigten Betrachter nämlich ein vollkommen neuer Blickwinkel. Überraschungen sind im Kamermannschen Garten eben programmiert. Offene Gartenpforten gab es früher übrigens zum ersten Mal in England. "Die Einnahmen sind für wohltätige Zwecke gespendet worden", weiß Marita Kamermann.

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