Dorfregion Zukunftsperspektive für den Kleinbahnbezirk

Die sechs Dörfer Eitze, Armsen, Hohenaverbergen, Luttum, Neddenaverbergen und Stemmen wollen in die Dorfentwicklung aufgenommen werden. Die Bewerbung soll im Sommer stehen.
14.03.2022, 16:23
Lesedauer: 3 Min
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Zukunftsperspektive für den Kleinbahnbezirk
Von Jörn Dirk Zweibrock

Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört. Die sechs Dörfer Eitze, Armsen, Hohenaverbergen, Luttum, Neddenaverbergen und Stemmen wollen als Dorfregion Kleinbahnbezirk in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen werden. Die Politik hat bereits grünes Licht für das Vorhaben gegeben und Kirchlintelns Tourismusbeauftragte Petra Lindhorst-Köster den entsprechenden Projektsteckbrief verfasst. Nun geht es darum, die Bürger aus dem Kleinbahnbezirk mitzunehmen und für das Projekt zu werben. Weil es manchmal erfahrungsgemäß nicht gleich im ersten Anlauf klappt, weiß Kirchlintelns Bürgermeister Arne Jacobs um die Bedeutung einer guten Bewerbung.

Gemeinsam mit Eitzes Ortsbürgermeisterin Anja König lädt der Verwaltungschef für diesen Donnerstag, 17. März, zu einer ersten Informationsveranstaltung in den Lintler Krug, Hauptstraße 11, ein. Los geht es um 19.30 Uhr. Beide wollen die Bürger gemeinsam mit Siegfried Dierken vom Amt für regionale Landesentwicklung und Tanja Frahm vom Planungsbüro Koris für die Gründung einer gemeindeübergreifenden Dorfregion mit rund 5200 Menschen begeistern.

"Die Dorfregion von Eitze bis Stemmen verbindet eine über 100-jährige Tradition und ein Miteinander", betont Jacobs. Eitze und die fünf Kirchlintler Ortschaften seien also prädestiniert, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, die Region noch lebenswerter zu gestalten und an die Anforderungen der Zukunft anzupassen. Das sieht Anja König genauso. Obwohl Eitze zur Stadt Verden gehöre, habe sich der Allerort bis heute seinen dörflichen Charakter bewahrt.

Herausforderungen, vor denen die Dorfregion steht, sind unter anderem der Leerstand ortsbildprägender Gebäude und die Nachnutzung von Hofstellen. Weitere Themen sind die Sicherstellung der Nahversorgung sowie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Auch Themen wie ländlicher Tourismus und Klimaschutz (Stichwort Elektromobilität) stehen auf der Agenda. Ein weiterer Kooperationsanlass ist die Renaturierung der Aller (Blaues Band).

Namensgebend für den Kleinbahnbezirk war übrigens die gleichnamige Bahn von Verden nach Walsrode, die seit Mitte der 1930er-Jahre allerdings nur noch bis Stemmen verkehrte. "Die gemeinsame Verkehrsanbindung bildete die Grundlage für die Entwicklung einer gemeinsamen Identität von Eitze bis nach Stemmen", schildert Lindhorst-Köster.

Dass sich eine interkommunale Zusammenarbeit mehr als anbietet, beweisen die unzähligen geografischen und gesellschaftlichen Schnittmengen zwischen dem halben Dutzend Dörfern, die sich traditionell eher nach Verden orientieren. "Das Standesamt hieß früher beispielsweise Eitze und hatte seinen Sitz in Luttum", hat König recherchiert. Früher sind die Kinder gemeinsam mit der Kleinbahn zur Schule gefahren und wurden in der St.-Andreas-Kirche in Verden zusammen konfirmiert. Heute gehen Mädchen und Jungen aus der Gemeinde Kirchlinteln in Eitze in die Krippe und drücken anschließend in Luttum gemeinsam die Schulbank. Auch die junge Generation lebe diese Verbundenheit, spielt Luttums Ortsvorsteher Claus-Hermann Hoops auf die Pokalgemeinschaft der Schützenvereine an. Vor genau 50 Jahren, also 1972, gab es sogar schon einmal die Idee, eine Gemeinde namens Averbergen zu gründen.

Wie sieht der weitere Fahrplan nach dem Info-Treffen im Lintler Krug aus? Nach einer Strategierunde im April ist für Ende Mai eine öffentliche Bürgerversammlung unter dem Motto "Zukunftsschmiede Dorfregion" geplant. Im Sommer soll dann der Antrag auf Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm abgegeben werden. Die Kosten für das Beteiligungsverfahren und die Bewerbung belaufen sich Schätzungen zufolge auf rund 9000 Euro, die aus Leader-Mitteln bezuschusst werden sollen.

Sollte sich die Dorfregion nicht gleich gegen ihre Mitbewerber durchsetzen, will sie sich auf jeden Fall erneut bewerben. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Dorfregion ist die kreisübergreifende Dorfregion von Bierde bis Wittlohe. Wegen der engen Verbundenheit mit Otersen und Wittlohe ist ohnehin eine Kooperation geplant.

Im vergangenen Jahr wurde gerade die Dorfregion Aller-Wölpe, zu der auch Westen und Hülsen gehören, in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommem. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums befanden sich damals 245 Dorfentwicklungsverfahren mit insgesamt 842 Dörfern in dem Programm. "Lebendige Dörfer sind ohne eine starke Gemeinschaft und eine gemeinsame Zukunftsperspektive nicht denkbar. Wir brauchen engagierte Akteure mit guten Ideen", betonte  Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) vor einem Jahr.

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