Nahverkehr Nächster Halt Kirchlinteln

Gemeinde prüft Standortalternativen zum Bahnhaltepunkt an der Kreepener Straße.
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Als Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald (parteilos) Kind war, haben noch Züge am Bahnhof Bendingbostel gehalten. Die Pendler sind damals mit der Bahn zur Arbeit nach Bremen gefahren. Vor 30 Jahren wurden die Haltepunkte Kirchlinteln und Bendingbostel (Schafwinkel) an der sogenannten Amerika-Linie dann stillgelegt. Hannover hat zwar längst grünes Licht für eine Reaktivierung des Haltepunktes im Kernort Kirchlinteln gegeben – die Realisierung scheitert bislang jedoch an der Grundstücksfrage. Weil die Gemeindeverwaltung in den Gesprächen mit den Eigentümern bislang noch keine Einigkeit erzielt hat, haben die Grünen nun im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Bauen beantragt, entsprechende Standortalternativen für den geplanten Bahnhaltepunkt zu prüfen. Die Mitglieder des Gremiums sind dem Antrag von Frank-Peter Seemann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, einstimmig gefolgt. Die Verwaltung hat nun die Aufgabe, die beiden in Betracht kommenden Alternativ-Standorte „rechtssicher“ zu prüfen. Dabei handelt es sich um eine Fläche schräg gegenüber des bislang favorisierten Standorts – auf der anderen Seite der Bahn – sowie um den Standort am Wirtschaftsweg „Zum Neuen Lande“.

Eigentlich hat die Gemeinde ja schon lange die beiden Grundstücke von der Kreepener Straße aus gesehen rechts neben den Schienen, also auf der ortszugewandten Seite, für den Haltepunkt ins Auge gefasst. Besteht mit einem Grundstückeigentümer bereits Einigkeit, stocken die Verkaufsverhandlungen mit den anderen. „Wir sind bereit, ihnen dafür mehr als den Gutachter-Preis zu bezahlen“, betont der Verwaltungschef einmal mehr. Das Areal in direkter Nachbarschaft zum Bahnübergang an der Kreepener Straße (Kreisstraße 18) erfüllt alle Förderkriterien: In einem Radius von anderthalb Kilometern leben mehr als 2000 Einwohner, außerdem beträgt die Entfernung zum nächst gelegenen Bahnhof (in diesem Fall Langwedel und Visselhövede) mehr als drei Kilometer.

Auf der Bahnstrecke Bremen-Uelzen, einem Intervall der sogenannten Amerika-Linie, verkehrt seit einigen Jahren die Privatbahn Erixx. Eine Dreiviertelstunde benötigt der blau-weiß-gelbe Heidesprinter auf der eingleisigen Strecke von Bremen bis nach Vissel. 2013 hat die Gemeinde Kirchlinteln die Reaktivierung des Haltepunktes beim Land Niedersachsen beantragt, zwei Jahre später hat dann eine Agentur der Kirchlintler Politik vorgestellt, wie der wieder errichtete Haltepunkt einmal aussehen könnte: Mit einem 1,40 Meter langen Bahnsteig samt Wetterschutzhaus, Pkw-Stellplätzen, einer Fahrrad-Abstellanlage sowie einer Wendeschleife für Busse. Die Zuwegung für Menschen mit Handicap soll über eine kurze Rampe erfolgen – Stichwort Barrierefreiheit. Kirchlinteln ist bereit, ein Viertel der Gesamtkosten, rund 300 000 Euro, für die Realisierung der Anlage aus dem Gemeindesäckel zu bezahlen.

Angestoßen haben die Diskussion über die Reaktivierung des Bahnhaltepunktes im Jahr 2000 übrigens die Sozialdemokraten. „Um die Fahrzeit von Verden nach Kirchlinteln zu verkürzen, wollten wir den Ringverkehr auf der Linie 713 damals in zwei Radiallinien aufbrechen“, erinnert sich Kirchlintelns SPD-Chef Hermann Meyer. Später sind dann sprichwörtlich auch die Grünen und die CDU auf den Zug aufgesprungen. Für Wolfgang Rodewald ist der Bahnhof das wichtigste Infrastruktur-Projekt überhaupt für die Heidegemeinde, eben ein richtiger Leuchtturm. Er verspricht sich davon eine erhebliche Attraktivitätssteigerung für den Kernort, geht davon aus, dass täglich mindestens mehrere Hundert Pendler das Angebot in beiden Richtungen nutzen würden.

Käme eigentlich auch das Areal um den stillgelegten alten Kirchlintler Bahnhof (das Gebäude wird privat genutzt) als Alternativ-Standort in Frage? „Der liegt gefühlt zu weit draußen“, erklärt der Bürgermeister. Der Nachteil von Arealen nördlich der Bahnschienen: Reisende müssten erst den teilbeschrankten Bahnübergang passieren, um zum Bahnsteig zu gelangen. Außerdem würde sich die Bahn damit die Option nehmen, die Amerika-Strecke auf der nördlichen Seite später doch noch einmal zweigleisig auszubauen. Bei zu weit entlegenen Flächen wäre zudem der in den Förderkriterien definierte Einzugsbereich von 2000 Einwohnern nicht mehr gegeben.

Nach Aussage von Bürgermeister Wolfgang Rodewald soll die Standortfrage noch in diesem Jahr geklärt werden, damit die Verwaltung das Projekt Bahnhof weiterhin „mit Nachdruck“ verfolgen kann. Sollte der Grundstücksverkauf eines Tages in trockenen Tüchern sein, steht der Gemeinde ein langes Planungsverfahren ins Haus. „Bis es an die bauliche Umsetzung geht, vergehen noch drei Jahre“, weiß Wolfgang Rodewald, dass sich die Pendler gedulden müssen, bis sie mit dem Heidesprinter fahren können.

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