Warnstreik Warnstreik vor dem Rathaus Verden

Verdi plant im Zuge des Tarifkonflikts eine Kundgebung des öffentlichen Dienstes vor dem Rathaus Verden mit Menschenkette durch die Stadt. Alles soll Corona-gerecht ablaufen.
22.09.2020, 17:08
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Warnstreik vor dem Rathaus Verden
Von Andreas Becker

Kein flächendeckender Warnstreik, sondern gezielte Nadelstiche – das ist das Ziel der Gewerkschaft Verdi, die im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst zu einer Kundgebung an diesem Donnerstag, 24. September, in Verden aufruft. Die Streikenden treffen sich um 10 Uhr auf dem Rathausplatz.

„Für die erste Streikwelle haben wir nur ausgewählte Dienststellen in der Stadt Verden zum Ausstand aufgerufen“, sagt Volker Selent von Verdi. Der Streikaufruf der Gewerkschaft richtet sich demnach an die Beschäftigten der Stadt Verden, die Angestellten von Arbeit im Landkreis Verden, die Kreisstraßenmeisterei, die Aller-Weser-Klinik, an den Trinkwasserverband sowie die Kreissparkasse Verden. Wie Selent ausführt, sollen die Beschäftigten der städtischen Kitas allerdings nicht komplett die Arbeit niederlegen, sondern „einen Notbetrieb aufrechterhalten“. „Wir rechnen in Verden mit etwa 100 Teilnehmenden“, sagt Volker Selent.

Hintergrund des Warnstreiks in Verden und anderen Städten ist, dass die jüngsten Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebervertretern gescheitert ist. „Wir hatten gehofft, dass weiter verhandelt wird, aber es hat sich nichts getan. Die Arbeitgeber haben bislang nicht mal ein Angebot vorgelegt, es ist also keine Einigung in Sicht“, kritisiert Selent. Da die nächste Verhandlungsrunde erst im Oktober stattfinden soll, will Verdi mit den Warnstreiks den Druck auf die andere Seite erhöhen.

Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens jedoch 150 Euro sowie die unbefristete Übernahme der Auszubildenden und eine Fortsetzung der ausgelaufenen Altersteilzeitregelung. Außerdem wird unter anderem die Angleichung der Arbeitszeit im Osten an die im Westen erwartet. Auch die besonderen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich seien im Fokus. Hier erwarte die Gewerkschaft eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustands, so Selent.

Die Kundgebung am Rathaus soll Corona-gerecht über die Bühne gehen. Die verschiedenen Einrichtungen und Abteilungen sammeln sich dort in kleinen Gruppen von maximal zehn Personen, diese sollen wiederum Abstand voneinander halten. Die Streikenden sollen Schilder mitbringen, auf denen groß der Arbeitsplatz steht. Ein Mund- und Nasenschutz ist während der gesamten Kundgebung zu tragen. Darauf weist Verdi hin. Die Gewerkschaft plant im Anschluss an den Auftakt eine Menschenkette durch die Innenstadt – ebenfalls unter Hygieneauflagen.

Mit der Aktion will die Arbeitnehmervertretung nicht nur die „Vielzahl des öffentlichen Dienstes zeigen, sondern auch dokumentieren, dass wir hinter den Forderungen zur Tarifrunde im öffentlichen Dienst stehen“. Gerade der öffentliche Dienst habe während des Lockdowns das Land und die Gesellschaft am Laufen gehalten, etwa bei der Zuteilung staatlicher Hilfen, der Kinderbetreuung, im Krankenhaus und in der Pflege sowie in der Verwaltung. Verdi argumentiert, dass die Beschäftigten „für diese in der Tat systemrelevante Arbeit im Vergleich zu anderen Branchen viel zu schlecht bezahlt werden“. Zwar habe die Gewerkschaft in den Tarifrunden der vergangenen Jahre aufgeholt, doch lägen die Entgelten im Durchschnitt aller Branchen noch zurück. „Kein Wunder, dass es einen erheblichen Fachkräfte- und Nachwuchsmangel gibt“, schreibt Verdi in ihrem Aufruf.

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