Betrüger fordern Geld für inhaftierte Tochter Am Telefon 45.000 Euro verlangt

Eine 83-jährige Vegesackerin ist Opfer eines Schockanrufs geworden. Die Betrüger gaben vor, Polizisten zu sein. Die Seniorin solle 45.000 Euro zahlen, damit eine Anzeige gegen ihre Tochter fallengelassen werde.
15.10.2021, 15:07
Lesedauer: 2 Min
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Am Telefon 45.000 Euro verlangt
Von Barbara Wenke

Uta Hanke ist entgeistert und wütend. Zwei Schockanruferinnen haben ihre 83-jährige Mutter am frühen Dienstagnachmittag in Angst und Schrecken versetzt. Ihre Mutter habe einen Anruf erhalten, berichtet die Lemwerderanerin. Eine weinende Frauenstimme habe etwas gestammelt wie "Mama" und "bei einem Verkehrsunfall jemanden totgefahren". Dann habe die Stimme vollends versagt und die Anruferin gab den Telefonhörer weiter – angeblich an eine Polizistin.

"Weil die Person so geweint hat, hat meine Mutter tatsächlich gedacht, dass es meine Stimme wäre", berichtet Uta Hanke. "Dieses Weinen hat mich so konfus gemacht", räumt die Seniorin ein. Ihre Mutter sei eigentlich eine sehr realistische Frau, sagt die Tochter. Die vorgetäuschten Emotionen hätten die allein in Vegesack lebende 83-Jährige aber aus der Bahn geworfen.

Die angebliche Polizistin erzählte Uta Hankes Mutter eine Geschichte, in der ihre Tochter eine Fußgängerin auf einem Zebrastreifen angefahren haben soll. Die Tochter befinde sich in Haft, denn das Unfallopfer sei infolge des Zusammenstoßes gestorben. Die Familie der Verstorbenen stehe nun auf dem Revier, habe aber angeboten, von einer Anzeige abzusehen, wenn die Autofahrerin umgehend 45.000 Euro bezahlen würde. Da sie so viel Geld nicht in bar bei sich trage, habe sie ihre Mutter anrufen wollen. Im Fall einer sofortigen Zahlung könne sie auch ihren Führerschein behalten. Andernfalls drohe ein Gefängnisaufenthalt.

"Meine Mutter war total aufgelöst und sagte, dass sie nicht so viel Geld habe", berichtet die Tochter. Die Schockanruferin hakte daraufhin nach, über wie viel Geld sie verfüge und ob sie Online-Banking betreibe. Nachdem die Seniorin der angeblichen Polizistin erzählte, dass sie keinen Zugriff auf ihr Konto habe, sei sie noch eine Zeit lang bedrängt worden, berichtet die Tochter. Allerdings ohne Erfolg, da Uta Hanke die finanziellen Angelegenheiten ihrer Mutter erledigt. Bevor die Anruferin auflegte, verbot sie der Seniorin noch, mit anderen über das Telefonat zu reden. "Spätestens da hätte meine Mutter eigentlich erkennen müssen, dass der Anruf illegal war", sagt die Tochter.

Die Seniorin hielt sich nicht an die Anordnung und wählte die Nummer ihrer Tochter. Die Angst und Verunsicherung wuchs ins Unermessliche, denn Uta Hanke war unterwegs und nahm nicht ab. "Dann hat meine Mutter den Notruf 110 gewählt", berichtet die Lemwerderanerin weiter. Das sei genau richtig gewesen, schreibt die Polizei Bremen in einer Pressemitteilung zu einer Reihe von gleichgearteten Vorfällen.

Uta Hankes Mutter ist nicht die einzige Seniorin, die in den letzten Tagen ins Visier von Schockanrufern geraten ist. Wie die Bremer Polizei mitteilt, haben allein von Donnerstag auf Freitag zehn Bremerinnen und Bremer Schockanrufe bei der Polizei angezeigt. Die Kriminellen berichteten von schweren Verkehrsunfällen vermeintlicher Angehöriger und forderten für Kautionen Bargeld. Die meisten Betrüger scheiterten, auch weil aufmerksame Bankmitarbeiter die Polizei riefen, als von einigen Betroffenen Geld abgehoben werden sollte.

Die Polizei warnt vor dieser abgewandelten Enkeltrick-Masche und rät: Personen, die von angeblichen Verwandten, Polizisten oder Anwälten angerufen werden, sollten bei Geldforderungen misstrauisch sein, keine Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preis- und niemals Geld an unbekannte Personen übergeben. Vielmehr sollten sich die Betroffenen unter der Notfallnummer 110 sofort an die Polizei wenden.

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