Veterinäramt Jade-Weser Geflügelhaltung liegt im Trend

Durch die Einschränkungen während der Pandemie hat das Veterinäramt Jade-Weser weniger kontrolliert. Einige Missstände sind trotzdem zutage getreten. Und es gibt Bewegung in der Tierhaltung.
24.01.2022, 15:30
Lesedauer: 5 Min
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Geflügelhaltung liegt im Trend
Von Barbara Wenke

Die erlassenen Corona-Einschränkungen sowie deren Auswirkung auf den Handel und die Gastronomie haben sich auf die Arbeit des Veterinäramtes Jade-Weser ausgewirkt. Das Coronajahr 2021 hat die Zahlen des Zweckverbandes laut Geschäftsführer Norbert Heising deutlich beeinflusst. So sei seltener kontrolliert worden, ob Tierhalter EU-Recht einhielten.

Dennoch sei im Verbandsgebiet in 26 Fällen gegen 32 Personen Strafanzeige erstattet und weitere 235 Ordnungswidrigkeitenverfahren bearbeitet worden. Da weitere 100 Verfahren in das Jahr 2022 übertragen wurden, erreichte die Anzahl der Ordnungswidrigkeitenanzeigen ungefähr den gleichen Stand wie 2020.

Mehr Rinder als Menschen

Die Amtstierärzte haben 676 Tierhaltungen kontrolliert. "Es kommt zu einer Verschiebung der Kontrollhäufigkeit zu Hunde-, Katzen- oder sonstigen Hobbyhaltungen", teilte Norbert Heising im Rahmen einer Jahresbilanz-Pressekonferenz am Montagmittag in Schortens mit. Mit 41,9 Prozent entfiel der überwiegende Teil auf Hunde- und Katzenhaltungen. Der Anteil der Heimtier-/Reptilienhaltungskontrollen stieg ebenfalls an. Die Kontrollzahlen der Nutztierhaltungen (Rinder, Schafe und Schweine) sind hingegen rückläufig, ebenso die der Pferdehaltungen. Die Kontrolle der Geflügelhaltungen stagnierte.

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In der Wesermarsch leben mehr Rinder als Menschen. 606 Vollerwerbs- und Hobbylandwirte halten 107.789 Rinder. Die Anzahl der Personen, die Schweine halten, sowie die Gesamtzahl der Schweine ist stark gestiegen. Bezüglich Schafen und Ziegen sank hingegen sowohl die Anzahl der Halter wie die der Tiere leicht. Im Trend liegt Geflügel. "Der starke Anstieg an Geflügelhaltern ist offensichtlich eine Folge des Covid-19-Geschehens", stellt Heising fest. "Es wird vermehrt Zeit zu Hause verbracht und das Halten von ein paar Legehennen boomt gerade."

Tierhaltungsverbot für 21 Personen

Rinderbetriebe gäben hingegen auf. "Leider hören auch viele gut geführte Familienbetriebe auf", bedauert der Amtsveterinär. So stehen 2398 Rinderhaltern im Jahr 2007 nur noch 1505 Rinderhalter im Jahr 2021 gegenüber. Allerdings wachsen die Betriebe. Zwar nehme die Gesamtzahl der Rinder ab, aber es steige die Anzahl der Rinder pro Halter, so der Amtsveterinär.

Im Rahmen der Pressekonferenz wies Norbert Heising auch auf Straftaten hin. Im Regionalstellenbereich Brake seien Ermittlungen eingeleitet worden, weil eine Person in einem sozialen Netzwerk postete, "gerade Katzenwelpen das Genick gebrochen und ertränkt" zu haben. Strafanzeige sei ebenso im Fall einer Hobbygeflügelhaltung gestellt worden. Der Halter habe sich längere Zeit nicht um seine Tiere gekümmert, sodass diese in der Voliere verhungerten. Mehrere Fälle seien an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden, weil schwer kranke Rinder nicht tierärztlich behandelt wurden. Zudem sperrte eine Frau 26 Katzen in ihrer Wohnung sowie in einem Kellerraum ein. Die Katzen, die nicht umgehend eingeschläfert wurden, brachte das Veterinäramt im Tierheim unter. "Der Zweckverband ist froh, dass mit den Tierheimen in Nordenham und Wilhelmshaven und mit den örtlichen und umliegenden Tierheimen und Tierschutzvereinen eine gute Zusammenarbeit besteht", betonte Heising. Aufgrund des nicht artgerechten Umgangs, verfügte das Amt gegen 21 Personen Tierhaltungsverbote. Die Heimatgemeinden der betroffenen Tierhalter nannte der Verbandsgeschäftsführer nicht.

Vielerorts ist renoviert worden

In drei Fällen von Hobbyhaltungen hatten Amtsveterinäre  Arzneimittel vorgefunden, die nicht rechtmäßig erworben sein konnten. Zwei stammten aus dem Ausland. Dies führte bei einer Hundezüchterin aus der Wesermarsch, die die Medikamente teilweise weitergab, zu einer Hausdurchsuchung. In allen Fällen wurde Strafanzeige erstattet.

Im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes kontrolliert das Veterinäramt auch Lebensmittelbetriebe. 2021 waren es 2106 Kontrollen. "Zahlreiche Betriebe hatten für längere Zeiten geschlossen", begründet Heising die geringe Anzahl. Er freute sich, "dass trotz aller finanziellen Ausfälle viele Lebensmittelunternehmer die Zeit genutzt haben, um Renovierungsmaßnahmen durchzuführen."

Eigenmächtiges Handeln ohne Sachkunde kann allerdings teuer werden. Das musste eine Person aus der südlichen Wesermarsch erfahren, die auf ihrem Privatgrundstück in einem alten Gebäude einen Imbiss eröffnete, der weder bau- noch lebensmittelrechtlichen Vorschriften entsprach. Kurz nach der Eröffnung kam die Schließung. In einem Restaurant im Kreisgebiet seien Heimchen in der Küche sowie in einem Dönerladen tote und lebende Küchenschaben entdeckt worden.

Container wurden am Jade-Weser-Port kontrolliert

Die Veterinäre entnahmen 1160 Proben und ließen sie in Laboren untersuchen. Beprobt wurden Lebensmittel, Kosmetika und Bedarfsgegenstände wie Kinderspielzeug oder Essgeschirr. "Der weit überwiegende Teil der Beanstandungsgründe sind Kennzeichnungsmängel", teilte Heising mit. Vor allem kleine Betriebe täten sich schwer mit dem komplizierten Kennzeichnungsrecht.

An der Grenzkontrollstelle Jade-Weser-Port kontrollierten die Veterinäre vor der Einfuhr Container mit Lebensmitteln und tierischen Nebenprodukten wie Tierfutter. Das Umladen von Containern wurde überwacht, wenn diese Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Honig oder Nebenprodukte enthielten. Neben dem gesundheitlichen Verbraucherschutz soll das Einschleppung von Tierseuchen über die Produkte verhindert werden. Exportabfertigungen sind 2021 aufgrund von Handelsbeschränkungen infolge der Afrikanischen Schweinepest und der Vogelgrippe in Deutschland sowie das weltweite Covid-19-Geschehen gesunken.

Da die Afrikanische Schweinepest durch menschliches Fehlverhalten auch im Verbandsgebiet auftreten kann. führte das Veterinäramt mit Jagdbehörde, Forstamt und Jägerschaft eine Tierseuchenübung samt Bergeübung eines Wildschweinkadavers durch. Im Verbandsgebiet angekommen ist hingegen die Vogelgrippe. Aufgrund dreier Ausbrüche bei Hausgeflügel mussten über 20.000 Stück Geflügel getötet werden. In der Wildvogelpopulation ist mit einem flächendeckenden Vorkommen der Vogelgrippe zu rechnen, sagt Norbert Heising.

Zur Sache

Der Zweckverband

Der Landkreis Wesermarsch hat am 1. Januar 2007 gemeinsam mit den Landkreisen Friesland und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven den Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser gegründet. Diesem sind alle in ihren Kommunen anfallenden Aufgaben des Veterinärwesens und des gesundheitlichen Verbraucherschutzes übertragen worden. Das gemeinsame Veterinäramt mit Regionalstellen in Wittmund, Friesland und Brake ist eines von mehreren Projekten der kommunalen Zusammenarbeit. Die Zentrale befindet sich in Roffhausen, einem Stadtteil Schortens'.

Das Zuständigkeitsgebiet des Veterinäramtes Jade-Weser erstreckt sich über einen großen Nordseeküstenstreifen. Sein Gebiet ist geprägt durch viele landwirtschaftliche Tierhaltungen sowie bedingt durch die Küstenlage in weiten Gebieten vom Tourismus. So gehören zum Verbandsgebiet auch die drei ostfriesischen Inseln Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge.

Der Zweckverband beschäftigt derzeit 19 Tierärzte, zwölf Lebensmittelkontrolleure, einen Veterinärhelfer, 14 Verwaltungsmitarbeiter sowie 33 in der Regel in Teilzeit beschäftigte Personen zur Fleischuntersuchung an Schlachtbetrieben. Seine Gebühreneinnahmen betrugen im Jahr 2021 mehr als 1,7 Millionen Euro.

Dauerthema Auslandshunde

In Zeiten, in denen Bürotätigkeit und eigener Wohnraum immer mehr verschmelzen, hätten sich offensichtlich viele Personen mit Internetseiten von Organisationen beschäftigt, die Hunde aus dem Ausland vermitteln, mutmaßt Norbert Heising, der Geschäftsführer des Zweckverbandes Veterinäramt Jade-Weser. In zahlreichen Fällen seien aus dem Ausland importierte Hunde entdeckt worden, deren Einfuhr nicht den rechtlichen Bestimmungen entsprachen.

Das illegale Verbringen von Hunden sei mittlerweile ein großes Geschäft geworden. Hunde aus anderen Staaten der Europäischen Union dürfen nur mit einem EU-Heimtierpass mit gültiger Tollwutschutzimpfung nach Deutschland verbracht werden, informiert Heising. Er verweist darauf, dass ein aus einem EU-Staat gekaufter Welpe, der jünger als 15 Wochen ist, nicht legal nach Deutschland gebracht worden sein kann. Aus Drittländern wie Serbien oder der Türkei können aufgrund der geltenden Regularien Welpen, die jünger als sieben Monaten sind, nicht legal in das Gebiet der EU gekommen sein.

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