Kommentar zur Pflegekammer

Aufgebläht

Bremens Skepsis zur Pflegekammer klingt zwiespältig. Geht es dem Senat wirklich um die Pflegekräfte? Oder will er nur die Arbeitnehmerkammer nicht antasten, fragt sich Peter Mlodoch im Kommentar.
28.12.2016, 00:00
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Aufgebläht
Von Peter Mlodoch

Bremens Skepsis zur Pflegekammer klingt zwiespältig. Geht es dem Senat wirklich um die Pflegekräfte? Oder will Rot-Grün nur die Arbeitnehmerkammer nicht antasten, fragt sich Peter Mlodoch im Kommentar.

Kein Zweifel: Alten- und Krankenpflegekräfte verdienen für ihren anstrengenden und belastenden Job deutlich mehr: mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen, größere Anerkennung. Ob man dies aber mit einer Pflegekammer, die Niedersachsen nun nach Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein als drittes Bundesland einführt, erreichen kann, ist höchst fraglich.

Denn echte Kompetenzen, die den Beruf attraktiver gestalten könnten, hat die neue Anstalt so gut wie keine. Sie darf weder Tarife noch Pflegesätze aushandeln. Stattdessen wird sie die 70.000 Beschäftigten erst einmal mit einem Zwangsbeitrag zur Kasse bitten – um damit vor allem einen personell aufgeblähten Apparat zu finanzieren.

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Die Kritik an diesem Bürokratiemonster ist berechtigt. Allerdings ist das Jammern von Gewerkschaften und Verbänden auch heuchlerisch. Hätten die Sozialpartner die Interessen der Pflegekräfte immer so vehement vertreten, wie sie jetzt den Widerstand organisieren, wäre der Ruf nach einer Pflegekammer vielleicht erst gar nicht aufgekommen.

Auch die Skepsis in Bremen klingt zwiespältig. Geht es dem Senat wirklich um die Pflegekräfte? Oder will Rot-Grün einfach nur die heilige Kuh Arbeitnehmerkammer nicht antasten?

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