Modellregionen Hunderte Städte und Gemeinden wollen bei Öffnungen mitmachen

Niedersachsens Städte zeigen reges Interesse am Modellprojekt für Öffnungen trotz Corona. Kritiker sprechen bei den Versuchen von „Wunschdenken“.
31.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Hunderte Städte und Gemeinden wollen bei Öffnungen mitmachen
Von Peter Mlodoch

Ungeachtet steigender Infektionszahlen und warnender Stimmen will Niedersachsen ab Ostern für 25 ausgewählte Städte und Gemeinden das probeweise Öffnen von Außengastronomie, Modeläden, Kinos und Fitnessstudios erlauben. Voraussetzung für den Zutritt der Kunden ist ein negativer Corona-Schnelltest und die elektronische Erfassung seiner Kontaktdaten mittels App, auf die dann auch die örtlichen Gesundheitsämter Zugriff bekommen. „Alle teilnehmenden Geschäfte und Dienstleister müssen sich ebenfalls verpflichten, bei diesem digitalen Verfahren mitzumachen“, erklärte die Vizeleiterin des Corona-Krisenstabes im Sozialministerium, Claudia Schröder, am Dienstag in Hannover.

Das Interesse an diesem dreiwöchigen Modellprojekt nach Tübinger Vorbild ist offenbar riesengroß. „Wir gehen von mehreren hundert Bewerbungen aus“, sagte Schröder. Die Frist dafür laufe am Mittwochabend aus; bis Ostern werde man anhand der vorgelegten Konzepte in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden eine Auswahl treffen. Dabei spielten auch die jeweiligen örtlichen Ansteckungszahlen „eine Rolle“, erklärte die Juristin, ohne sich aber auf konkrete Grenzwerte festlegen zu lassen.

Zum Zuge sollen sowohl große, mittlere und auch kleine Städte kommen – und zwar gleichmäßig über das ganze Land verteilt. „Damit wollen wir eine Sogwirkung und einen Einkaufstourismus vermeiden“, betonte die Juristin. Dabei nehme man durchaus in Kauf, dass etwa im Westen Niedersachsens eine Stadt mit einer hohen Inzidenz vor einer Kommune im Süden mit einem niedrigen Infektionsgeschehen bevorzugt werde könne. Die Öffnungen sollen jeweils nur in klar abgrenzbaren Teilgebieten der Städte erfolgen. Überschreitet der Sieben-Tage-Wert während der Probezeit die 200, soll dort der Versuch sofort abgebrochen werden.

Am Dienstag stieg die Inzidenz landesweit auf 120,8. 20 der 45 Landkreise und großen Städte lagen dabei über dem kritischen Wert von 100, die Kreise Wesermarsch und Cloppenburg sowie die Stadt Osnabrück überschritten sogar die 200. „Das ist ein klarer Beleg dafür, dass wir alles unternehmen müssen, die Kontakte zu beschränken“, betonte Schröder. Dies gelte dann ausdrücklich auch in den 25 Modellkommunen.

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Deren Vorbild Tübingen vermeldet inzwischen ebenfalls steigende Infektionszahlen. So sah sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in seiner Kritik bestätigt; er forderte einen sofortigen Stopp dieser Versuche. „Sie geben das falsche Signal“, twitterte der Mediziner. Unsystematisches Testen mit Öffnungsstrategien werde die schwere dritte Corona-Welle nicht aufhalten. „Testen statt Lockdown ist Wunschdenken, genau wie Abnehmen durch Essen.“

In Hannover widersprach Pandemie-Expertin Schröder Berichten, wonach die Impfkampagne in Niedersachsen teilweise gestoppt worden sei. „Es gibt kein Impfchaos.“ Allerdings werde ein Dutzend Impfzentren nicht über Ostern öffnen, weil der gelieferte Impfstoff bereits für andere Tage verplant sei. Im Übrigen sei die Vergabe von Terminen sehr komplex, da die Abstände zur Zweitimpfung bei den drei Impfstoffen unterschiedlich seien und es immer noch Unwägbarkeiten bei der Lieferung gebe. Der Bund habe jedoch angekündigt, dass Niedersachsen ab April wöchentlich 215.000 Dosen bekäme.

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