Untersuchung gefordert Der CDU-Mann und die Chemtrail-Verschwörung

„Immer eine gute Idee“, wirbt das Land Niedersachsen an seinen Autobahnen seit Jahren für sich. Da müsse er wohl auch mal was beisteuern, dachte sich vermutlich der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer aus der Gegend von Osnabrück.
08.07.2016, 19:23
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Der CDU-Mann und die Chemtrail-Verschwörung
Von Bernhard Honnigfort

„Immer eine gute Idee“, wirbt das Land Niedersachsen an seinen Autobahnen seit Jahren für sich. Da müsse er wohl auch mal was beisteuern, dachte sich vermutlich der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer aus der Gegend von Osnabrück und forderte die rot-grüne Landesregierung nun auf, Untersuchungen zur Existenz sogenannter Chemtrails anzustellen.

Chemtrails? Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ begründete der 48-jährige Politiker sein eigenartiges Anliegen. „Nur mit einer Untersuchung lässt sich das Thema ein für alle Mal aus der Welt schaffen.“ In zwei Antworten auf parlamentarische Anfragen von Bäumer teilte ihm das Umweltministerium jedoch mit, den Quatsch nicht untersuchen zu wollen. Außerdem war der Regierung das Geld dafür, eine fünstellige Summe, zu schade.

Chemtrails gehören in die wirre Wahnwelt von Verschwörungstheoretikern. Man findet sie im Internet, gerne auch auf Dresdner Pegida-Versammlungen zusammen mit sogenannten Reichsbürgern oder Leuten, die fest davon überzeugt sind, dass Angela Merkel heimlich einen Krieg gegen Russland plant. Oder Menschen, die ganz sicher wissen, dass finstere Mächte ihnen vor Jahren Abhörmikrofone in ihre Plomben eingesetzt haben.

Die Anhänger des Chemtrail-Wahns glauben, dass die Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel keine Kondensstreifen sind, sondern Chemikalien, die von US-Militärs versprüht werden, um entweder die Weltbevölkerung zu manipulieren oder sie gleich heimlich zu vergiften. Angeblich geistert die Chemtrail-Verschwörungstheorie schon seit 20 Jahren durchs Internet und hat eine kleine, aber feste Gemeinde.

CDU-Mann Bäumer, der nach eigenen Angaben „Politik mit Herz und Hand“ macht (seinen Kopf erwähnt er nicht), ist enttäuscht über die Knauserigkeit der Landesregierung: „Bei einem Gesamthaushalt des Umweltministeriums von 300 Millionen Euro sind das doch Peanuts.“ Dass sich die Landesregierung nun weigere, entsprechende Untersuchungen anzustellen, sorge doch nur für weitere Spekulationen und erwecke den Eindruck, man habe etwas zu verbergen.

Im Brandenburger Landtag hat man sich auch schon mit Chemtrails beschäftigen müssen. Die Linken-Abgeordnete Andrea Johlige hat einmal eine kleine Anfrage zu den Phänomenen am Himmel gestellt und dann von der Regierung erfahren, man habe „keine Hinweise“ auf Chemtrails. Auch deutsche Gerichte haben sich schon mt dem Humbug befassen müssen. Das Berliner Landgericht entschied 2012, dass der Wettermoderator Jörg Kachelmann die Anhänger der Giftwolken-Theorie ungestraft „Neonazis und Verrückte“ nennen dürfe.

Aber so etwas erschüttert die Szene nicht. In der Verschwörungslogik der Chemtrailer sind Regierungen, Forschungsinstitute und wohl auch Wettermoderatoren Teil des großen bösen Systems, das sich verschworen hat, das Volk zu belügen und dann weiter die Menschheit zu vergiften. „Ein für allemal aus der Welt schaffen“, wie Bäumer fordert, würde nur funktionieren, wenn alle Beteiligten auch in derselben Welt lebten. Und nicht die einen im Osnabrücker Land, die anderen in wirren Paralleluniversen.

Also: Keine gute Idee aus Niedersachsen, diesmal.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+