Corona Niedersachsen kippt Testpflicht nach Auffrischungsimpfungen

Niedersachsen hat sich besonders strenge Corona-Regeln gegeben: Auch Geimpfte dürfen nur mit Test ins Restaurant. Das hat massiven Unmut verursacht, und die Regierung gibt ein Stück weit nach
03.12.2021, 18:27
Lesedauer: 4 Min
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Von dpa

Niedersachsen weicht seine neue 2G-plus-Regel wieder auf und erlässt Menschen mit Corona-Auffrischungsimpfung die zusätzliche Testpflicht. Die Erleichterung trete schon ab Samstag in Kraft, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Dies solle auch in die Neufassung der Corona-Verordnung aufgenommen werden, die nach Angaben von Regierungssprecherin Anke Pörksen Mitte kommender Woche in Kraft treten soll.

In die Verordnung eingearbeitet werden auch die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse wie 2G (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) im Einzelhandel und Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Am Dienstag (7.12.) will der Landtag auf einer Sondersitzung darüber beraten.

„Wir wollen die Menschen, die geboostert sind, von der Testpflicht befreien“, sagte Pörksen in Hannover. Hintergrund seien Engpässe beim Testen; lange Schlangen vor Testzentren sollten vermieden werden. „Das ist in vielen Teilen des Landes der Fall. Das bedauern wir ausdrücklich“, sagte Pörksen. Aus wissenschaftlicher Sicht bestehe nach der Corona-Auffrischungsimpfung eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, sich und andere anzustecken.

In Niedersachsen gilt seit Mittwoch in vielen Regionen die Warnstufe zwei: Danach haben in Gastronomie, Sport und Veranstaltungen auch Geimpfte und Genesene nur mit einem zusätzlichen Test Zugang (2G plus). Daran gibt es massive Kritik von Veranstaltern wie von Bürgern.

Die Auffrischungsimpfungen seien im digitalen Impfzertifikat in der Regel als dritte Impfung hinterlegt, hieß es. Die Befreiung von der Testpflicht gelte ab der Impfung. Für Personen mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson sei die zweite Impfung maßgeblich und gelte als Auffrischung im Sinne der neuen Regelung.

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„Das ist dann gleichzeitig ein zusätzlicher Anreiz zum Boostern“, sagte Pörksen. Sie gestand aber ein, dass die Landesregierung insgesamt über die 2G-plus-Regel nachdenke, obwohl sie ein hohes Maß an Sicherheit bedeute. Die Bestimmungen in Niedersachsen sind strenger als die Bund-Länder-Beschlüsse vom Donnerstag, obwohl die Corona-Lage weniger angespannt ist als im Osten und Süden Deutschlands.

Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker nannte die Aufhebung der Testpflicht für Menschen mit drei Corona-Impfungen hilfreich. „Nur das wirkungsvolle Impfen bringt uns raus aus der Pandemie“, sagte sie.

Dagegen sahen die oppositionellen Grünen die Kehrtwende der Regierung als „unausgegorene Kurzschlussreaktion“. Sie lindere das Testproblem nur für eine Minderheit, sagte Fraktionschefin Julia Willie Hamburg. Der Großteil der Geimpften müsse sich weiter an vielen Stellen testen lassen. Die Angebote für Booster-Impfungen zur Auffrischung seien beschränkt. Außerdem seien Tests in der vierten Corona-Welle das zentrale Instrument, um die Verbreitung des Virus zu vermeiden. „Es ist bekannt, dass auch Geimpfte das Virus weitergeben können.“

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Die FDP forderte von der Regierung ein Krisentreffen zu den Problemen der Gastronomie mit 2G plus. „Gäste bleiben aus, das Geschäft kommt zum Erliegen“, sagte Fraktionschef Stefan Birkner. „Die Berichte, die uns erreichen, zeigen, dass es sich bei 2G plus um einen faktischen Lockdown handelt.“ Wegen 2G plus wird die Stadt Oldenburg ihren Weihnachtsmarkt, den Lambertimarkt, am Samstagabend beenden.

Die Impfungen gegen das Coronavirus in Niedersachsen leiden weiter unter einer Knappheit an Impfstoff. Nach Schätzungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) haben Arztpraxen eine Million Dosen der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna angefordert. „Etwas mehr als die Hälfte der von Ärzten bestellten Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs kann durch den Bund nicht bedient werden, sodass viele Praxen erneut von Kürzungen betroffen sein werden“, sagte ein Sprecher.

Wegen der Knappheit verschiebt sich dem Sprecher zufolge auch der Start sogenannter Schwerpunktpraxen, die pro Woche acht zusätzliche Impfstunden anbieten sollen. Auch der Landesapothekerverband kritisierte, dass die vom Bund ausgelieferten Dosen die gestiegene Nachfrage bei weitem nicht decken.

Das Gesundheitsministerium nannte den Mangel an Corona-Impfstoffen „extrem unbefriedigend“, sieht seine Hände aber gebunden. Das Land sei seit Schließung der großen kommunalen Impfzentren im September an der Verteilung nicht mehr beteiligt. Alles laufe über den Großhandel.

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