Ab Ende Mai

Schulen in Niedersachsen kehren in den Regelbetrieb zurück

Ab dem 31. Mai sollen die Schulen in Niedersachsen in den Präsenzunterricht zurückkehren, wenn der Inzidenzwert unter 50 liegt. Das kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover an.
21.05.2021, 18:00
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Schulen in Niedersachsen kehren in den Regelbetrieb zurück
Von Peter Mlodoch
Schulen in Niedersachsen kehren in den Regelbetrieb zurück

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will die Schulen nach und nach in den Regelbetrieb zurückführen.

Julian Stratenschulte /dpa

Die Schulen in Niedersachsen bekommen noch eine Woche Vorlauf, dann sollen sie ab dem 31. Mai in den Präsenzunterricht zurückkehren. Voraussetzung für diesen Wechsel ins Szenario A ist allerdings, dass der Inzidenzwert in den jeweiligen Landkreisen und Großstädten stabil unter 50 liegt. Die Test- und Maskenpflicht bleibt aber. Auch in den Kindergärten gibt es dann wieder Regelbetrieb. Diesen Stufenplan kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Freitag in Hannover an. „Kitas und Schulen in Niedersachsen sind sicher und sollen auch sicher bleiben.“ Bei Ansteckungszahlen über 50 bleibt es beim Szenario B mit Wechselunterricht in halben Klassen; ab 165 müssen die Schulen wieder komplett dichtmachen.

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„Das ist ein klares und verlässliches System“, erklärte der Ressortchef. Flankiert werde die Orientierung an den Inzidenzwerten durch ein dichtes Netz von Sicherheitsmaßnahmen. Zuallererst nannte Tonne die Selbsttests, die Schüler und Lehrer zweimal pro Woche zu Hause durchführen müssen. Diese Strategie habe sich bewährt. 7,1 Millionen solcher Abstriche seien bereits erfolgt. Nach Bestätigung durch PCR-Tests seien lediglich 2100 Schüler und 180 Beschäftigte mit positivem Ergebnis „rausgefiltert“ worden, berichtete der Minister. Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollten, könnten diese weiter vom Präsenzunterricht befreien lassen. Deren Quote sei aber mit 2,5 Prozent äußerst gering, zumal die Tendenz weiter sinke, sagte Tonne.

Maskenpflicht in den Klassenräumen bleibt

Die Maskenpflicht gilt ebenfalls nahezu unverändert weiter. In den weiterführenden Schulen müssen Mädchen und Jungen den Mund-Nasen-Schutz auch im Unterricht und am eigenen Sitzplatz tragen. Erst unter einem Sieben-Tage-Wert von 35 entfällt diese Vorgabe für die Klassenräume. In allen anderen Bereichen, in denen man nicht dauerhaft Abstand halten kann, bleibt die Maske weiter Vorschrift. Die Grenzen nach unten greifen nach fünf aufeinander folgenden Tage. Verschlimmert sich die Corona-Lage wieder, werden Verschärfungen bereits nach drei Tage fällig.

Lehrergewerkschaft fordert mehr Unterstützung

Den Lehrerverbänden reicht das Stufenmodell nicht aus. „Wo sind die Pläne zum umfassenden Gesundheitsschutz für die ohnehin überlasteten Schulbeschäftigten? Wo ist das zusätzliche Fachpersonal, um mit den Kindern das Erlebte aufarbeiten zu können?“, fragte die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, Laura Pooth. Die Kinder bräuchten jetzt nämlich umfangreiche pädagogische und psychologische Unterstützung. Doch die Landesregierung blende den eigentlichen Finanzierungsbedarf für Personal, Ausstattung und Räumlichkeiten konsequent aus, kritisierte Pooth. „Damit wird eine preiswerte Pseudo-Normalität angesteuert, die an den meisten Schulen nichts anderes als ein andauernder Mangel ist.“

Julia Willie Hamburg

Julia Willie Hamburg (Grüne) fordert Klarheit für Eltern von Schulkindern. Diese müssten wissen, wie es nach den Sommerferien weitergeht.

Foto: Peter Steffen /dpa

Lehrkräfte beklagen weiterhin Personalmangel

Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR, begrüßte zwar die Rückkehr zum normalen Unterricht als gut für Eltern und Kinder. Gleichzeitig dürfe aber nicht der Blick auf die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr verloren gehen. „Der Personalmangel an unseren Schulen, sowohl bei den Lehrkräften als auch beim Unterstützungspersonal, macht es schon jetzt nicht leicht, die Probleme der betroffenen Schülerinnen und Schüler zu lösen“, warnte Schröder. „Das wird sich auch nach den Sommerferien leider fortsetzen, wenn nicht endlich gegengesteuert wird.“

Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg bemängelte ebenfalls Versäumnisse des Kultusministers: „Wo bleibt die begleitende Vorsorge aus Hygienemaßnahmen, Draußenaktivitäten, Abstandswahrung und Impfen?“ Viele Schüler seien durch das Homeschooling in den vergangenen Monaten durch das Raster gefallen. Die soziale Schere in den Schulen habe sich enorm vergrößert. Außerdem sage der Minister keinen Ton zu der Frage, wie es nach den Sommerferien weitergehen solle. „Viele Eltern, die ihre Kinder nächstes Jahr einschulen wollen oder wo Schulwechsel bevorstehen, brauchen hier Klarheit.“

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FDP fordert individuelle Aufholangebote

FDP-Schulexperte Björn Försterling warnte vor einem „Hin-und-Her-Schwanken zwischen den Unterrichtsmodellen“, wenn man sich in den Landkreisen zu starr an den Inzidenzwerten orientiere. „Corona-Ausbrüche, die sich gut isolieren lassen, sollten in einem Landkreis nicht automatisch zu einem Abbruch des Präsenzunterrichts führen.“ Gleichzeitig schlug der Fraktionsvize vor, dass sich alle Schüler ohne Benotung und möglichst digital ihren individuellen Lernstand überprüfen lassen könnten. So könne man individuelle Aufholangebote - zum Beispiel in den Sommerferien - machen. „Wir brauchen in dieser Situation Sicherheit und smarte Lösungen.“

Zur Sache

Impfen in der Schule

Niedersachsen strebt Impfaktionen für Schüler ab zwölf Jahren, wenn möglich noch vor den Sommerferien, an. Das kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover an. Voraussetzung sei eine Zulassung von Impfstoffen für Kinder ab diesen Alters und die Lieferung von genügend Impfstoff. Ein Impfangebot für Schüler ab zwölf Jahren sei dann auch in den Schulen denkbar. Die Sommerferien in Niedersachsen beginnen am 22. Juli.

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