Unglück in Osnabrück

Unfall mit Zirkuselefanten entfacht Debatte über Wildtierverbote neu

Im Zirkus geraten drei Elefanten in Streit und schubsen sich. Eines der Tiere fällt in den Zuschauerbereich und verletzt einen Menschen. Behörden untersagen nun Auftritte der Tiere und Tierschützer sind empört.
05.07.2018, 17:37
Lesedauer: 2 Min
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Unfall mit Zirkuselefanten entfacht Debatte über Wildtierverbote neu

Nach dem Unfall in Zirkus Krone haben Behörden den Auftritt der Elefanten untersagt.

Christoph Schmidt/dpa

Ein Alptraum für jeden Zirkusbesucher - während einer Show fällt ein Elefant über die Manegenbegrenzung und landet im Zuschauerbereich. Ein Mensch und das Tier verletzen sich dabei leicht. Der Unfall bei der Premierenvorstellung des Circus Krone am Mittwochabend in Osnabrück hat die Debatte über ein Verbot von Elefanten im Zirkus neu entfacht.

"Wir wollen endlich ein Wildtierverbot", sagte Yvonne Würz von der Tierrechtsorganisation Peta am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein solche Maßnahme sei nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch im Hinblick auf die Gefährdung von Menschen unumgänglich, heißt es dazu in einer Mitteilung des Deutschen Tierschutzbundes. Nach einer Kontrolle am Donnerstag untersagte der Veterinärdienst in Osnabrück vorerst, dass die drei Elefanten gemeinsam auftreten. "Wir gehen aber davon aus, dass mit den tierärztlichen Anordnungen auch die weitere Sicherheit gewährleistet ist", sagte ein Sprecher des Landkreises.

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Bei dem Unfall hatte sich ein Zuschauer eine Schürfwunde zugezogen. Die 56 Jahre alte Elefantenkuh trug laut Tierärztin eine sichtbare Schwellung des rechten Vorderbeins davon. In einem Video, das die "Neue Osnabrücker Zeitung" online veröffentlichte, ist zu sehen, wie Zuschauer aufspringen und sich in Sicherheit bringen. "Wir bedauern diesen Unglücksfall und möchten uns bei denjenigen Zuschauern, die dadurch verständlicherweise erschreckt wurden, entschuldigen", sagte Andreas Kielbassa vom Circus Krone. Er kündigte an, dass die Darbietungen umgestellt würden, bis die Ursache für den Konflikt zwischen den Elefanten geklärt sei. "Es war ein Unfall, das passiert leider auch im Zirkus", sagte der Tierschutzbeauftragte des Zirkusunternehmens, Frank Keller.

Damit wollen sich Tierschützer und Politiker aber nicht zufrieden geben. "Der Vorfall zeigt, wilde Tiere gehören nicht in den Zirkus und können dort nicht artgerecht gehalten werden", sagte die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion in Niedersachsen, Miriam Staudte. Kein Kunststück sei es wert, dass ein Tier dafür leiden müsse und Menschen gefährdet seien.

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Aus Sicht des niedersächsischen Landwirtschaftministeriums ist es notwendig, über den Einsatz von Wildtieren im Zirkus zu diskutieren. Das Land habe deshalb im Februar 2016 einen Entschließungsantrag von Hessen an den Bundesrat mitgezeichnet, bei dem es um das Verbot der Haltung wilder Tiere im Zirkus gehe. Die Landesbeauftragte für den Tierschutz, Michaela Dämmrich, hält den Einsatz für nicht mehr zeitgemäß, hieß es auf dpa-Nachfrage aus dem Ministerium.

Anfang 2017 war die Stadt Hameln allerdings mit dem Versuch gescheitert, ein Wildtierverbot durchzusetzen. Der Stadtrat hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie Bären, Elefanten oder Raubkatzen zeigen und wollte so eine Zirkusshow verhindern. Das Verwaltungsgericht sah den Hamelner Beschluss aber als rechtswidrig an. Einzig vom Bund könne die Frage eines Verbotes wildlebender Tiere in Zirkussen geregelt werden, hieß in der Begründung. Die Entscheidung bestätigte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (dpa)

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