Klarheit frühstens am Mittwoch Wie der Unterricht an den Schulen in Niedersachsen wieder aufgenommen werden könnte

Wie lange fällt der Unterricht noch aus? Frühestens am 20. April geht die Corona-Zwangspause für die Schulen zu Ende. Über den richtigen Weg zurück in die Normalität wird in Niedersachsen noch diskutiert.
13.04.2020, 10:08
Lesedauer: 2 Min
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Von Christopher Weckwerth

Niedersachsens Kultusministerium will Mitte der Woche darüber entscheiden, wann und wie es in der Corona-Krise mit dem Schulunterricht weitergeht. Nach bisherigem Stand sollen die Schulen am 20. April wieder öffnen. Eine endgültige Entscheidung über ein Ende der Schulschließungen wird allerdings frühestens am Mittwoch erwartet, wenn Bund und Länder über Lockerungen beraten.

Denkbar ist ein stufenweises Vorgehen, bei dem zunächst die älteren Schüler zurückkehren und dann die jüngeren. Schlimmstenfalls könnten die Schulen jedoch sogar bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben. Das sei die letzte Variante eines abgestuften Szenarios, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Ende März.

Über das Osterwochenende hielt sich das Ministerium zu den Plänen bedeckt. In einem Schreiben an die Lehrer hatte Tonne am Donnerstag angekündigt, dass in der neuen Woche die Gesundheitslage eingeschätzt und auf dieser Grundlage entschieden werde, „ob und wie die Schule ab dem 20. April wieder beginnen kann“. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte die Länder am Wochenende aufgerufen, die Rückkehr in den normalen Schulbetrieb möglichst einheitlich zu gestalten.

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Ein schrittweises Vorgehen hält auch CDU-Landeschef Bernd Althusmann für angebracht. „Vielleicht wäre es sinnvoll, gestuft vorzugehen und nicht sofort wieder alle Kinder in die Schule zu schicken.“ Das sei auch mit Blick auf einzuhaltende Abstände in Bussen und Bahnen wichtig, sagte der Verkehrsminister. „Womöglich müssten wir zuerst die Abschlussklassen 4 und 10 bis 13 in den Blick nehmen. Dann hätten wir größere Abstände zwischen den Schülern in den Klassen und könnten die Lehrer entlasten.“

Althusmann, von 2010 bis 2013 selbst Kultusminister, sieht in der Corona-Krise zudem eine Chance für einen Digitalisierungsschub. „Ich hoffe, dass wir aus dieser Krise auch mitnehmen, was alles an onlinebasiertem Unterricht möglich ist“, sagte er. „Digitaler Unterricht kann eine echte Chance für die Zukunft sein.“

Die Bildungsgewerkschaft GEW warnte dagegen vor einer zu starken Fokussierung auf digitale Lösungen. „Plötzlich werden Online-Anbieter zum vermeintlichen Retter in der Not. Doch Lernen funktioniert in aller Regel nicht, wenn Kinder und Jugendliche isoliert am Bildschirm sitzen“, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass mehrere Wochen Unterricht durch Lernvideos vermittelt werden könnten. Viele Schülerinnen und Schüler seien auf die Unterstützung einer Lehrkraft vor Ort sowie den Austausch in der Klasse angewiesen.

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Für die GEW ist es ein großes Problem, dass die Bedingungen nicht in allen Familien gleich sind. So gebe es Familien, in denen die Kinder keinen Rückzugsort, keine feste Bezugsperson, kleine Geschwister oder keinen Zugang zu einem Laptop hätten. „Die elterliche Wohnung ist keine Schule und kann es auch nicht werden“, betonte die GEW-Landesvorsitzende Pooth.

Dass in der Corona-Krise unterschiedliche Voraussetzungen deutlich werden, hält auch auch Cindy-Patricia Heine vom Landeselternrat für ein Problem. Selbständiges Lernen sei nicht für jede Schulform geeignet, sagte sie. Zudem fehle es an Konzepten und einheitlichen Vorgaben für digitales Lernen, kritisierte sie. Der Aufbau einer guten digitalen Infrastruktur und die Ausstattung der Schulen laufe viel zu schleppend. Gleichzeitig riet Heine aber zu Gelassenheit. „Kein Kind wird dümmer aus diesem Schuljahr herausgehen als in den Jahrgängen zuvor“, sagte sie.

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