Nach Vereinsverbot Einsätze auch in Niedersachsen und Bremen / Polizeiaktion mit 1000 Beamten

Bundesweite Razzia gegen Rocker

Bei einem bundesweiten Großeinsatz hat die Polizei Wohnungen und Vereinsheime des Motorradclubs Satudarah durchsucht. Auch in Niedersachsen und Bremen gingen Beamte gegen die Rocker vor.
25.02.2015, 00:00
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Bundesweite Razzia gegen Rocker
Von Alexander Pitz

Bei einem bundesweiten Großeinsatz hat die Polizei Wohnungen und Vereinsheime des Motorradclubs Satudarah durchsucht. Auch in Niedersachsen und Bremen gingen Beamte gegen die Rocker vor.

Schwerpunkt des Einsatzes im Norden war Cuxhaven, wo sich der einzige norddeutsche Satudarah-Ableger befand. Die Beamten durchsuchten 20 Objekte in der Stadt und beschlagnahmten verbotene Gegenstände. In Bremen gab es nach Informationen des Bundesinnenministeriums Adressen in Horn und Gröpelingen, wo zwei Männer aus dem Satudarah-Umfeld vermutet wurden. Spezialeinheiten der Polizei rückten am Vormittag bei beiden Standorten an, um den Rockern die Verbotsverfügung des Ministers auszuhändigen. Sie mussten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die eine Wohnung stellte sich als völlig vermüllte, unbewohnbare Unterkunft heraus. Die Innenbehörde geht davon aus, dass die dort gemeldete Person seit Jahren woanders lebt. An der zweiten Adresse wurde zwar ein Bewohner angetroffen, der aber habe keinerlei Verbindung zu Satudarah. Von dem dort noch gemeldeten Rocker fehlt ebenfalls jede Spur.

„Wir wollen, dass diese Rockergruppe vom Markt der organisierten Kriminalität verschwindet“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern bei einer Pressekonferenz in Berlin. Kurz zuvor hatte er ein Vereinsverbot gegen die deutschen Teilorganisationen des niederländischen Motorradclubs Satudarah Maluku MC verhängt. „Das Verbot wird seit sechs Uhr vollzogen“ so der Minister.

Rund 1000 Beamte stürmten in fünf Bundesländern Dutzende Wohnungen und mehrere Vereinsheime der Rocker. Schwerpunkt der Aktion war Nordrhein-Westfalen, wo Satudarah seit der Gründung des ersten deutschen Ablegers 2012 in Duisburg besonders aktiv war. Weitere Durchsuchungen gab es in Bayern und Baden-Württemberg. Satudarah, was übersetzt „ein Blut“ heißt, wurde 1990 in Holland von Mitgliedern mit indonesischem Migrationshintergrund (Molukken) gegründet. Nach Erkenntnissen der Behörden verfügte die international tätige Bande zuletzt über sieben Chapter (Regionalclubs) in der Bundesrepublik. Sie alle werden nun aufgelöst. Kutten und Embleme dürfen nicht mehr getragen werden. Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt.

„Bei der Razzia sind Messer, Macheten, Schwerter, Munition und Drogen gefunden worden“, resümierte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD), der ebenfalls an der Pressekonferenz in Berlin teilnahm. „Was man eben so zu Hause hat“, fügte er ironisch hinzu. Die Vereinsheime würden leergeräumt und am Ende werde „feucht durchgewischt“. Die Botschaft an die rund 100 Satudarah-Rocker in Deutschland sei klar: „Wir haben euch im Visier.“ Bei den Zielpersonen handele es sich um Kriminelle, die ihr Geld mit Drogen, Waffen, Bordellbetrieben und Türsteher-Geschäften verdienten. Dabei gingen sie rücksichtslos und brutal vor. „Mit Rocker-Romantik hat das nichts zu tun“, sagte Jäger. De Maizière pflichtete ihm bei: Die Gefahr sei nicht länger hinnehmbar gewesen. Das Verbot biete die rechtliche Grundlage, um der Organisation die „Blutzufuhr abzuschneiden“.

Für Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bestätigt die Polizeiaktion die bisherigen Erkenntnisse der Innenbehörde über Satudarah. „Wir hatten und haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es Aktivitäten dieser Gruppe in Bremen gibt. Genau dies hat die Durchsuchung am Dienstagvormittag bestätigt.“ Das Vereinsverbot hält Mäurer dennoch für gut. Der Rockerclub operiere länderübergreifend. „Es ist absolut richtig, dass de Maizière nun so konsequent reagiert hat.“

Berichte Seite 11

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