Kommentar über die Corona-Regeln Zu viele Fragezeichen

Das Corona-Regelwerk wird immer komplexer, umso ausführlicher und präziser sollte es erklärt werden. Das ist Angela Merkel und den Länderchefs in dieser Woche nicht gelungen, meint Bastian Angenendt.
06.01.2021, 21:04
Lesedauer: 1 Min
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Von Bastian Angenendt

Als Angela Merkel am Dienstag vom Podium trat und die Kameras in den TV-Studios wieder angingen, standen selbst erfahrenen Fernsehreportern Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Ab wann gilt das jetzt? Und wie war das mit den 15 Kilometern, die man sich nicht vom Haus entfernen darf? Oder war es die Stadtgrenze und nicht das Haus? Fragen, die auch noch gestern im Raum standen.

Wie genau die Verschärfung der Verschärfung des Lockdowns aussieht und wie das alles zustande kam, ist längst nicht mehr auf einen Blick zu erkennen. Zu oft wurden schon Kontaktbeschränkungen angepasst, zu oft neue Werkzeuge für den Kampf gegen die Pandemie vorgestellt, und dann muss man ja auch noch abwarten, welche regionalen Akzente die Länderchefs in ihrem Corona-Regelwerk setzen wollen.

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Freilich ist Corona-Politik keine einfache Sache. Eine Pandemie wie diese hat es noch nicht gegeben, ihre Entwicklung hängt von vielen Variablen ab - und dass sie einigen Deutschen bei der Aussicht auf einen Ausflug in den verschneiten Harz einigermaßen egal wird, musste man auch erst lernen. Eine langfristige Strategie kann es daher nicht geben, stetige Anpassungen sind nötig. Doch je komplexer das Ganze wird, je tiefer die Eingriffe in Grundrechte und je größer die Belastung für Bürgerinnen und Bürger, desto klarer muss kommuniziert werden, um zumindest mittelfristig Sicherheit zu stiften. Genau das ist in dieser Woche nicht gelungen.

Die Fragen, in welchem Rahmen man noch Verwandte aus anderen Haushalten treffen darf und ob Kinder nicht mehr zu Schule, Kita und Freunden dürfen, sind hochemotional besetzt. Eine kaum zu kontrollierende Einschränkung der Bewegungsfreiheit lädt Kritiker zum Spotten ein. Wer sich da als Entscheider nicht präzise erklärt, spielt nicht nur politischen Gegnern und Verschwörungsideologen in die Karten. Er läuft auch Gefahr, diejenigen zu verprellen, die eigentlich alles richtig machen wollen.

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