Stadt würdigt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Der neue Ehrenbürger Berlins

Berlin. Am Schluss erlaubt Wolfgang Schäuble sich eine nadelfeine Spitze. „Ich reihe mich gern in den Kreis derer ein“, beendet der 74-Jährige seinen Dank für die Verleihung der Berliner Ehrenbürgerwürde, „die stolz sind, Berliner zu sein.
25.10.2016, 00:00
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Von Thomas Kröter

Berlin. Am Schluss erlaubt Wolfgang Schäuble sich eine nadelfeine Spitze. „Ich reihe mich gern in den Kreis derer ein“, beendet der 74-Jährige seinen Dank für die Verleihung der Berliner Ehrenbürgerwürde, „die stolz sind, Berliner zu sein.“ Unter den – mit ihm – 119 Ehrenbürgern der Stadt fehlt ausgerechnet der Urheber des legendären Satzes. Die Versuche der CDU sind bislang gescheitert, US-Präsident John F. Kennedy rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag 2017 in den Stand des Ehrenbürgers zu erheben. So bleibt Marlene Dietrich die Einzige auf der langen Liste, die posthum gewürdigt wurde.

Wolfgang Schäuble erhält die kostenlose Jahreskarte der Berliner Verkehrsbetriebe, die mit dem Titel verbunden ist, nicht für einen Satz, sondern für eine acht Minuten lange Rede – gehalten am 21. Juni 1991 im Bundestag. Wie damals in Bonn bringt er 25 Jahre später in Berlin seine gespielte Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass es überhaupt eine Debatte darüber gegeben habe, ob die politischen Institutionen der ­Republik nach der Wiedervereinigung vom Rhein zurück an die Spree sollen. Für ihn war das stets eine Selbstverständlichkeit – wie für Helmut Kohl, dem die Ehrung drei Jahre nach dem Mauerfall gemeinsam mit Michail Gorbatschow und Ronald Reagan zuteil wurde. Bis zu Schäubles Rede war Bonn Favorit für den Regierungssitz des vereinten Deutschland gewesen – danach stimmten 338 Abgeordnete (zu 320) für ­Berlin.

Er habe sich um die Stadt verdient gemacht, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) in seiner Würdigung und wünschte dem Teilzeit-Berliner, dass er noch lange das von ihm so geschätzte Kulturleben genießen könne. Zum Dank pries Schäuble die Vorzüge der Stadt. Wie es seine Art ist, vergaß er den Hinweis nicht, dass sie sich weiter anstrengen müsse. Über den Streit um Immobilienverkäufe des Bundes schwiegen beide, versicherten aber schmunzelnd, es sei von Anfang an klar gewesen, dass Berlin für die Ehrung vom Finanz-­minister keinen finanziellen Dank zu erwarten habe.

Applaus für die kleine Zeremonie spendeten im Festsaal des Roten Rathauses mehrere Hundert Jahre West-Berliner und ­einige Jahrzehnte Ost-Berliner Geschichte, darunter Marianne von Weizsäcker und Walter Momper, Lothar de Maizière und Didi Hallervorden. Nur Klaus Wowereit fehlte.

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