Bundestagswahlkampf

TV-Triell: So schlugen sich Scholz, Baerbock und Laschet am Sonntag

Erneut stellten sich Olaf Scholz, Armin Laschet und Annalena Baerbock am Sonntag einem Schlagabtausch vor TV-Kameras. Wir blicken auf die stärksten und schwächsten Szenen der Kanzlerkandidaten.
12.09.2021, 22:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Silke Hellwig Norbert Holst Michael Brandt Anja Maier
TV-Triell: So schlugen sich Scholz, Baerbock und Laschet am Sonntag

Olaf Scholz (links, SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) am Sonntagabend beim TV-Triell von ARD und ZDF.

dpa

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl konnten die Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen bei einer weiteren Fernsehdebatte versuchen, Wähler von sich zu überzeugen. Wie haben sich Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet geschlagen? Eine Einzelkritik.

Olaf Scholz gibt den Macher

von Anja Maier

Gemessen an der ansonsten stets mittleren Temperiertheit des SPD-Kanzlerkandidaten zeigte Olaf Scholz bei diesem Triell geradezu starke Gefühle. Ob Wirecard, Cum-Ex oder Geldwäsche – immer wieder musste er sich gegen die Angriffe von Armin Laschet wehren. Dieser versucht, Scholz als unseriösen Umverteilungs-Politiker zu markieren.

Klug nutzte Scholz jedoch seine Position als Vizekanzler und Finanzminister und verweist darauf, wofür die Große Koalition in den letzten acht Jahren Geld ausgegeben hat. Ob beim Thema Digitalisierung, beim Wohnungsbau, der Gesundheit-, Renten- oder Steuerpolitik – Scholz trat als Macher auf. Mit ihm als Kanzler, so sein Versprechen, werde das Land mit ruhiger Hand regiert und das die Steuermilliarden klug zusammengehalten.

Sein Vorbild ist deutlich erkennbar Angela Merkel.

Annalena Baerbock ergreift mehrere Chancen

von Michael Brandt

Wahl-Triell - TV-Diskussion Kanzlerkandidaten

Viel Blau, wenig Überraschendes: Olaf Scholz (links, SPD) und Armin Laschet (rechts, CDU) hören Annalena Baerbock (Grüne) zu.

Foto: dpa

In den ersten Minuten machte es den Eindruck, als könnte Annalena Baerbock (Grüne) im Triell durch das Gegeneinander von Olaf Scholz und Armin Laschet ins Hintertreffen geraten. Zudem war die Anspannung spürbar. Letztlich gelang es ihr aber, die Sendung in mehrfacher Hinsicht zu nutzen.

Sie platzierte eine Reihe von verbindlichen Aussagen, zum Beispiel sprach sie sich für eine Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen aus. Auch für ein Verbot, Immobilien mit Bargeld zu kaufen, um so Geldwäsche zu verhindern. Zugleich ergriff sie die Chance, die ihr der Wahlkampf aus der Opposition heraus bietet: die Regierung für ihre bisherigen Versäumnisse zum Beispiel bei der Bewältigung der Pandemie zu kritisieren und einen Krisenstab zu fordern. Demonstrativ schloss sie bei ihren Angriffen den möglichen Bündnispartner Scholz nicht aus.

Armin Laschet (CDU) fehlt der Punch

von Norbert Holst

Es hat nicht gereicht. Armin Laschet präsentierte sich erneut recht kämpferisch, doch nicht so gekünstelt angriffslustig wie vor zwei Wochen. Beim Thema Geldwäsche/Razzia im Finanzministerium konnte Laschet seinen Hauptkontrahenten Olaf Scholz sogar ein wenig in die Ecke zu treiben – doch ein Lucky Punch gelang ihm nicht.

Blass sah der CDU-Politiker beim Thema Rente aus. Er beließ es bei der vagen Aussage, man müsse "über ein neues Rentensystem nachdenken". Der Aachener schwächelte auch, als Scholz ihm vorwarf, keinen Plan beim Klimaschutz zu haben, zum Beispiel bei der Deckung des zusätzlichen Strombedarfs.

In seinem Schlusswort konnte Laschet mit einem Seitenhieb auf die Grünen punkten: Mit ihm als Kanzler werde es keine Verbotsgesellschaft geben, versicherte er.

Fazit: Eine Debatte ohne Überraschungen

von Silke Hellwig

Blau, überall Blau: das TV-Studio von Blau dominiert, die Kandidaten und Moderatoren in Blau gekleidet. Damit liegt man nie falsch, damit riskiert man nichts – und ebenso plätscherte die TV-Debatte dahin.

Was kann man auch erwarten? Bei den zentralen Themen dieser Wahl gibt es keine große Auswahl: mögliche Koalitionspartner, Pandemie, Digitalisierung, Klimaschutz, Fachkräftemangel, Steuern, Zuwanderung – durchweg Einladungen an die Kandidaten, bekannte Positionen abzuspulen. Zugegeben, Armin Laschet gab sich kämpferisch, Olaf Scholz geradezu temperamentvoll, Annalena Baerbock irgendwas dazwischen. Die Moderation: blass und steif mit vielen Worten.

Die ARD hatte die Elefantenrunde zum „vielleicht entscheidenden Schlagabtausch“ hochgejubelt. Überraschungsmomente waren angekündigt worden. Damit muss das undefinierbare Gerumpel im Studio ganz am Anfang gemeint gewesen sein.

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ARD-Umfrage: Scholz gewinnt auch zweites TV-Triell

Laut einer Zuschauerbefragung entschied Olaf Scholz auch dieses Triell für sich. Das ergab eine ARD-Blitzumfrage nach dem TV-Triell am Sonntagabend. Nach der Erhebung von Infratest-dimap fanden 41 Prozent der Zuschauer Scholz insgesamt am überzeugendsten. Auf Platz zwei landete Laschet mit 27, am wenigsten überzeugend fanden die Zuschauer mit 25 Prozent laut ARD-Umfrage die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

In einer Forsa-Umfrage nach der ersten TV-Debatte der Drei zwei Wochen zuvor bei RTL/ntv hatten die Zuschauer ebenfalls Scholz als Sieger gesehen (36 Prozent), dahinter aber eine andere Reihenfolge: Baerbock (30) auf Platz zwei und Laschet (25) als Dritten.

Auch bei der Frage nach der Kompetenz lag Scholz der ARD-Umfrage zufolge jetzt vorn. 49 Prozent der Zuschauer schrieben ihm den kompetentesten Auftritt zu, dahinter kamen Laschet mit 26 Prozent und Baerbock mit 18 Prozent. Die Zuschauer fanden Scholz der Umfrage zufolge auch am glaubwürdigsten (39 Prozent). Baerbock und Laschet sind in dem Punkt mit 26 Prozent gleichauf. Auch unter den für die Wahl noch unentschiedenen Zuschauern konnte vor allem Scholz Punkte sammeln: 36 Prozent in dieser Gruppe gaben an, ihn am überzeugendsten gefunden zu haben; Laschet und Baerbock sind bei diesem Aspekt mit jeweils 25 Prozent gleichauf.

Etwas anders stellt sich die Sache beim Punkt Sympathie dar: Am sympathischsten fanden die Zuschauer die Grünen-Kandidatin Baerbock mit 39 Prozent, dahinter liegt Scholz auf Platz zwei mit 24 Prozent. Unionskandidat Laschet fährt mit 18 Prozent die wenigsten Sympathiepunkte ein.

Bei der Frage danach, wer die größte Tatkraft während des Schlagabtauschs ausstrahlte, konnte Baerbock mit 41 Prozent die meisten Punkte sammeln. Scholz und Laschet lagen bei diesem Punkt jeweils mit 28 und 25 Prozent hinter Baerbock.

Die ARD beauftragte das Umfrageinstitut Infratest dimap für die Umfrage, die auf tagesschau.de und in der Polit-Talksendung von Anne Will nach dem TV-Triell veröffentlicht wurde. Diese Umfrage ist repräsentativ für die Fernsehzuschauer des Triells und damit nicht repräsentativ für alle Wahlberechtigten. Die Befragung lief nach Senderangaben zu zwei Dritteln übers Telefon und zu einem Drittel Online.

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