Karliczeks rasanter Aufstieg

Bildungsfern ist Anja Karliczek wahrlich nicht. Bildungspolitikfern bislang aber schon.
27.02.2018, 00:00
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Karliczeks rasanter Aufstieg
Von Tobias Peter

Bildungsfern ist Anja Karliczek wahrlich nicht. Bildungspolitikfern bislang aber schon. Doch das soll sich jetzt rasch ändern. Die 46-Jährige aus dem Münsterland soll in der Großen Koalition Ministerin für Bildung und Forschung werden. Die CDU-Politikerin hat sich im Bundestag bislang um Finanz- und Tourismuspolitik gekümmert. Niemand hatte sie für den Job auf dem Zettel – außer Bundeskanzlerin Angela Merkel eben. Und was auf dem Zettel der Regierungschefin steht, ist entscheidend.

Kai Gehring, langjähriger Bildungspolitiker in der Bundestagsfraktion der Grünen, spricht von der „größten Überraschung für den künftigen Kabinettstisch“. Karliczek sei im Bereich Bildung und Forschung „ein bisher unbeschriebenes Blatt“, sagte er dem WESER-KURIER. Umso gespannter sei er, fügte Gehring hinzu, „wie sie unser Wissenschaftssystem weiterentwickeln und für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen möchte“. Der Grüne bescheinigte der künftigen CDU-Ministerin: „Mit zwei Berufsausbildungen und einem Fernstudium bringt sie eine durchaus spannende Bildungsbiografie mit.“

Karliczek wuchs in einem Dorf am Teutoburger Wald auf – ihre Familie betreibt dort ein Hotel. Erlernt hat sie sowohl den Beruf der Bankkauffrau als auch der Hotelfachfrau, außerdem hat sie Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen studiert. Das sind eine ganze Menge unterschiedlicher Anknüpfungspunkte an das Bildungssystem für die dreifache Mutter, die mit einem Piloten verheiratet ist.

Die Biografie der designierten Ministerin lässt manchen hoffen, es könne jetzt neue Bewegung im Bildungsressort geben. Denn die bisherige Amtsinhaberin Johanna Wanka (CDU) war als Professorin und ehemalige Hochschulrektorin zwar eine Fachfrau par excellence. Kritiker wie Gehring warfen ihr jedoch stets vor, sich auf einen zu engen Fokus zu beschränken. Wankas Lieblingsfeld war die Forschungspolitik. Doch sie ließ die Chance ungenutzt, das Ministerium etwa in der Flüchtlingskrise bundesweit als führenden Mitspieler zu etablieren.

Nach den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD steht fest: Sollten die SPD-Mitglieder Ja zur Großen Koalition sagen, werden die Länder zwar die Hoheit in der Bildungspolitik behalten. Doch der Bund darf und soll sich stärker als bisher auch für die Schulen engagieren. In der Opposition, aber auch in der SPD sind viele gespannt, wie selbstbewusst Karliczek ihre Rolle gegenüber den Ländern ausfüllt und welche Akzente sie setzen kann.

Klar ist schon jetzt: Wenn sie Ministerin wird, dann wäre es die Geschichte eines rasanten Aufstiegs. Erst im Jahr 2013 ist sie das erste Mal in den Bundestag eingezogen. Nach der Wahl im September 2017 stieg Karliczek in der Fraktion eine Stufe auf und übernahm den Posten einer Parlamentarischen Geschäftsführerin. So schnell wie sie bekommen nur wenige einen Ministerposten angeboten.

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