Großanlage am Kohlehafen geplant Klärschlamm soll in Bremen verheizt werden

Klärschlamm aus der Abwasserreinigung darf bald kaum noch auf die Felder. Mehrere Entsorgungsunternehmen planen deshalb den Bau einer Verbrennungsanlage am Kohlehafen in Bremen.
20.12.2017, 21:45
Lesedauer: 3 Min
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Klärschlamm soll in Bremen verheizt werden
Von Jürgen Theiner

Ein Verbund von Entsorgungsunternehmen aus dem Nordwesten plant den Bau einer großen Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Bremen. Als Standort ist das Gelände des SWB-Kraftwerks Häfen angepeilt. Nach Informationen des WESER-KURIER soll die Anlage mit einer Kapazität von mehreren zehntausend Tonnen pro Jahr im Jahr 2022 in Betrieb gehen.

Hintergrund des Projekts ist eine Änderung der gesetzlichen Grundlagen für die Behandlung von Klärschlamm, der bei der Reinigung von Abwasser anfällt. Ab 2030 wird es verboten sein, die Gärreste aus Kläranlagen als Dünger auf Feldern zu entsorgen. Zumindest gilt das für Anlagen mit einem Einzugsbereich von mehr als 50.000 Einwohnern. Um die Böden und das Grundwasser zu schonen, Schadstoffe wie etwa Arzneimittelrückstände nicht in den Nahrungskreislauf gelangen zu lassen und wertvolle Nährstoffe wie Phosphor zurückzugewinnen, schreibt der Gesetzgeber künftig die Verbrennung vor.

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Um den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) hat sich bereits 2016 eine Gruppe von Entsorgern aus dem Nordwesten zusammengefunden, die ein solches Projekt realisieren will. Dazu gehören neben einer Tochter der Oldenburger EWE zwei Bremer Akteure: die SWB und die Hansewasser Ver- und Entsorgungs-GmbH, eine Tochter der Betreiberin der örtlichen Stadtentwässerung. Ursprünglich war auch die Stadt Osnabrück mit im Boot, doch die Kommune zog sich zwischenzeitlich aus dem Vorhaben zurück. Die Gremien aller vier verbliebenen Kooperationspartner haben inzwischen der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Klärschlammverbrennung zugestimmt. Dem Vernehmen nach ist eine Zustimmung des Kartellamtes erforderlich. Sie steht noch aus. Gleiches gilt für die notwendigen Bau- und Betriebsgenehmigungen durch die zuständigen Bremer Behörden.

Zwei Jahre für Bau und Montage vorgesehen

Warum die Wahl des Standortes auf das Grundstück des SWB-Kraftwerks Hafen fiel, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen. Das ausgewählte Gelände befindet sich in unmittelbarer Nähe des Kohlehafens, also in einem gewerblichen Umfeld. Die nächsten Wohnstraßen in Oslebshausen sind allerdings nur wenige hundert Meter entfernt. Mit der Planung der Verbrennungsanlage soll im nächsten Jahr begonnen werden. Weitere zwei Jahre sind für Bau, Montage und Inbetriebnahme der Anlage vorgesehen.

Aktuell werden rund zwei Drittel der im Nordwesten anfallenden Klärschlämme in der Landwirtschaft verwertet. Für die Entsorgungsunternehmen wird diese Praxis allerdings immer teurer, denn bereits in Kraft getretene Gesetzesverschärfungen haben zu steigenden Preisen, Entsorgungsengpässen und kostspieligen technischen Nachrüstungen vorhandener Kläranlagen geführt. In Bremen fallen bei der Abwasserreinigung in Seehausen und Farge derzeit jährlich rund 65.000 Tonnen Klärschlamm an. Zusätzlich übernimmt Hansewasser die Entsorgung von etwa 15.000 Tonnen für weitere Kommunen und Unternehmen aus der Region. Nur etwa ein Zehntel dieser Menge gelangt auf die Äcker. 70 Prozent werden durch die Schlote einer Hamburger Verbrennungsanlage und des Bremer Müllheizkraftwerks gejagt. Weitere 20 Prozent werden in Braunkohlenkraftwerken mitverfeuert.

Ab 2022 geht dann alles in die Verbrennung, zusammen mit den Anlieferungen aus dem nordwestlichen Niedersachsen. Diese Gesamtmenge soll die Anlage zunächst zu 70 Prozent auslasten. Wie der WESER-KURIER aus Kreisen der beteiligten Unternehmen erfuhr, soll die in der Anlage entstehende thermische Energie in ein Fernwärmenetz eingespeist werden. Die Zahl der neu entstehenden Arbeitsplätze wird bei etwa 20 liegen.

Keine Stellungnahme der Bremer Umweltbehörde

Aus der Bremer Umweltbehörde war am Dienstag keine Stellungnahme zu dem Projekt zu erhalten. In Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz ist es in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Bauvorhaben zu Protesten gekommen, so etwa im Mainzer Stadtteil Mombach. Dort wendet sich eine Bürgerinitiative gegen die thermische Verwertung von Klärschlämmen. Streit gibt es wegen des Ausstoßes großer Mengen von Stickstoffdioxid durch die noch nicht fertiggestellte Verbrennungsanlage. In der Stadt Pirmasens, ebenfalls Rheinland-Pfalz, gründete sich eine Bürgerinitiative, nachdem sich während des Probebetriebs einer neuen Anlage ein erhebliches Geruchsproblem ergeben hatte, das auch durch eine teure technische Nachrüstung nicht in den Griff zu bekommen war.

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