Kommentar zum bevorstehenden Lockdown Die Lage ernst zu nehmen, ist das Gebot der Stunde

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben sich geeinigt: Der sogenannte harte Lockdown beginnt in wenigen Tagen. Zu hoffen bleibt, dass die Bürger den Ernst der Lage erkannt haben, meint Silke Hellwig.
13.12.2020, 21:26
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Die Lage ernst zu nehmen, ist das Gebot der Stunde
Von Silke Hellwig

Es kam, wie es kommen musste – nach der Tonlage der vergangenen Tage, nach den präsentierten Negativ-Rekordzahlen. Schon früh am Sonntag einigten sich die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Das legt nur einen Verdacht nahe: Die Lage ist ernst, zu ernst, um Stunden über Stunden damit zu vergeuden, Egoismen zu pflegen und Details zu betrachten.

Dass es bei den bisherigen Beschränkungen nicht bleiben würde, zeichnete sich seit Tagen ab. Dass es mit Mittwoch schon früher zu einem Lockdown wie im Frühjahr kommen wird, als zuvor vermutet und verbreitet, ist eine kleine Überraschung und womöglich ein Zeichen der späten Einsicht oder gar Reue, dass man nicht schon früher konsequenter gehandelt hat.

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Auch wenn die Beschränkungen denen im Frühjahr sehr ähneln, das bevorstehende Weihnachtsfest macht den Unterschied: Einzelhändler bleiben auf Weihnachtswaren sitzen, die sie von Mittwoch an bestenfalls noch online verkaufen ­können. Für Menschen mit nicht mehr als Wahlverwandtschaft werden die Feiertage 2020 still ausfallen: Selbst Freun­de aus Kindertagen sind keine nahen ­Verwandten. Es sei denn, der Begriff wird sehr großzügig als Seelenverwandte aus­gelegt.

Gerade dieser Punkt zeigt, was das Gebot der Stunde ist: die Lage ernst zu nehmen und daraus sein Verhalten abzuleiten. Wie streng die Kontaktbeschränkungen an den Feiertagen auch immer sein mögen – jeder weiß, dass sie unkontrollierbar sind. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben umrissen, was derzeit angemessen ist. Es ist die Sache der Bevölkerung, dieses Maß nicht zu überschreiten – um nicht unnötig Mitmenschen und sich selbst in Gefahr zu bringen, um das Personal in den Krankenhäusern zu entlasten, um nicht weitere Auflagen wie Ausgangssperren zu provozieren.

Ob das der Bevölkerung tatsächlich klar ist, wird sich an schon diesem Montag und Dienstag erahnen lassen. Die Tage sind organisatorisch nötig, um die Verordnungen anzupassen und die Parlamente einzubinden. Sie sind nicht dazu gedacht, sich noch zwei Tage lang in der Innenstadt zu drängeln und Einkäufe erledigen zu können.

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