Räder mit Elektroantrieb im Trend E-Bikes erobern Bremens Straßen

Das Radfahren mit Elektro-Antrieb setzt sich auch in Bremen durch - bei Freizeitradlern und zunehmend auch bei Dienstleistern wie Handwerkern, Pizzaboten und Paketdiensten.
21.03.2018, 08:33
Lesedauer: 4 Min
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Von Aljoscha-Marcello Dohme Sabine Doll

Auf Deutschlands Straßen sind immer mehr E-Bikes unterwegs. Zu diesem Ergebnis kommt der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Die Zahl der verkauften Elektroräder stieg demnach von 610.000 in 2016 auf 720.000 im vergangenen Jahr. Im selben Zeitraum sank jedoch der Absatz herkömmlicher Fahrräder. Der Verkauf ging von 3,45 Millionen auf 3,13 Millionen zurück.

"Diesen Trend spüren wir auch in Bremen immer deutlicher. Waren E-Bikes zu Beginn vor allem für ältere Radfahrer eine Alternative, für die das klassische Radfahren zu anstrengend wurde, steigt die Nachfrage mittlerweile in allen Altersgruppen", sagt Hannah Simon vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Deutschland (ADFC) in Bremen. "Und sie beschränkt sich nicht mehr nur auf den Freizeitbereich. Unternehmen und andere Gewerbetreibende setzen verstärkt auf Fahrräder mit Elektromotor."

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Zunehmend gefragt sind nach Beobachtung der Experten zum Beispiel E-Lastenräder: Von 2016 auf 2017 sei der Absatz von 2,5 auf drei Prozent im gesamten Bundesgebiet gestiegen, betont ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger. „Pizzaservices, Paketlieferanten oder andere Dienstleister könnten in Zukunft verstärkt in den Städten auf E-Lastenräder umsteigen und damit auch das Klima schonen.“

Positiv beeinflussen wird diesen Trend nach Ansicht des Verbands eine Förderung des Bundesumweltministeriums für gewerblich genutzte Lastenräder, die im März gestartet ist. In Bremen gibt es laut Hannah Simon bereits Paketdienste wie etwa UPS, Handwerker und andere Dienstleister, die per Lastenrad mit E-Antrieb auf Bremens Straßen unterwegs sind.

Eine Mietgebühr fällt nicht an

"Vor dem Hintergrund von Diesel-Fahrverboten, Klimaschutz und dem Verkehr in den Städten wird diese Alternative immer attraktiver", sagt Simon. Der Bremer Landesverband des Fahrrad-Clubs hat ein eigenes Projekt für Leih-Lastenräder gestartet: Ab Ende März steht jeweils ein Lastenrad an Stationen in Findorff, dem Steintor und in Vegesack bereit. Zuvor müssen sich Nutzer auf der Internetseite www.fietje-lastenrad.de registrieren, eine Mietgebühr fällt nicht an.

"In Bremen-Nord steht das bislang einzige E-Lastenrad, aber im Laufe des Jahres wollen wir drei weitere Räder anschaffen, wovon wenigstens zwei mit E-Antrieb ausgestattet sein sollen", sagt Simon. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands hat sich die Palette an E-Bike-Modellen enorm erweitert: Neben Cityrädern und Trekkingrädern gehe der Trend deutlich in Richtung des E-Mountainbikes. „Es ist in, E-Bike zu fahren“, so Neuberger. Gerade die elektrischen Mountainbikes seien selbst für Jüngere von Interesse und eigneten sich auch für sportive Zwecke.

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Der Trend zum E-Mountainbike setze sich in Bremen allerdings nicht durch, hat "Radschlag"-Geschäftsführer Christoph Behnke beobachtet. "Das liegt natürlich daran, dass wir im flachen Norden nicht das bevorzugte Gelände für Mountainbike-Fahrer haben." E-Bikes seien grundsätzlich stärker gefragt als noch vor einigen Jahren, sagt aber auch er.

Der Geschäftsführer des Ladens im Viertel macht jedoch Unterschiede zwischen ländlichen Regionen und Städten aus: "In Bremen haben wir eine gute Infrastruktur, was Bus und Bahn betrifft, die Wege sind grundsätzlich nicht weit. Daher dürfte das Interesse an E-Bikes für private Zwecke sicher auch unterschiedlich ausfallen. Dazu kommt, dass in Städten oftmals der Platz zum Unterstellen eines teuren E-Bikes nicht vorhanden ist." Für ein qualitativ gutes E-Bike müsse man mit einem Preis von etwa 2000 Euro rechnen.

"Es geht um die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern"

Abseits vom E-Bike ist nach ZIV-Angaben auch das Leasing von Fahrrädern ein weiterer Trend. Anstelle eines Dienstautos sei bei Unternehmen ein gesteigertes Interesse an Dienstfahrrädern zu erkennen. Genaue Zahlen lägen dem Verband jedoch noch nicht vor. Nach Angaben des Dienstrad-Leasing-Anbieters "Jobrad" etwa haben sich rund um Bremen mehr als 100 Unternehmen für das Modell entschieden, sagt Tim Bischoff von "Jobrad".

Die Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern per Gehaltsumwandlung ein klassisches Fahrrad oder ein E-Bike für monatliche Leasingraten an, diese werden automatisch vom Bruttogehalt gezahlt. Unternehmen hätten aus mehreren Gründen Interesse daran: "Es geht um die Gesundheitsförderung von Mitarbeitern, Umweltschutz und die Attraktivität des Arbeitgebers. Unternehmen wollen attraktiv für Fachkräfte sein. Und Fahrräder liegen voll im Trend", erklärt Bischoff.

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Bei den Kunden ist das Interesse an hochwertigen Fahrrädern gestiegen. „Aufgefallen ist, dass die Kaufentscheidungen bei hochwertigen Rädern langfristiger getroffen werden und damit weniger witterungsanfällig sind, als im preiswerten Bereich der ,Normalräder', die oft erst kurz vor der geplanten Nutzung gekauft werden“, sagt Thomas Kunz, Geschäftsführer des Verbands des deutschen Zweiradhandels (VDZ).

Im Schnitt kostete ein Fahrrad, sowohl die klassische als auch die elektrische Variante, 698 Euro und war damit 8,6 Prozent teurer als noch 2016. Die Steigerung des Verkaufspreises ist auch damit zu erklären, dass sich immer mehr Menschen für Fahrräder mit hochwertiger Ausstattung entscheiden und damit auf eine längere Nutzungsdauer setzen. Dabei ist der stationäre Fahrradhandel einer zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet ausgesetzt, was eher für sinkende Preise in diesem Segment spricht.

„Der wachsende Umsatzanteil des Internet-Handels auch im Fahrradhandel hat den Preiswettbewerb verschärft und die Markttransparenz für die Verbraucher erhöht“, erläutert Kunz. Dadurch sei es auch zu Preiszugeständnissen im Handel gekommen. Statistisch betrachtet gab es im letzten Jahr 73,5 Millionen Fahrräder in Deutschland, davon waren schätzungsweise 3,5 Millionen E-Bikes. In den vergangenen sieben Jahren ist die Anzahl der Räder bundesweit um rund 3,5 Millionen gestiegen.

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