Pandemie

Corona-Infektion trotz Impfung: Was wir über Impfdurchbrüche wissen

Vollständig gegen Corona geimpft und trotzdem infiziert oder gar erkrankt? Die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche steigt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
09.09.2021, 17:45
Lesedauer: 4 Min
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Von dpa/seb
Corona-Infektion trotz Impfung: Was wir über Impfdurchbrüche wissen

Corona-Infektion trotz Impfschutz: Die Zahl der Impfausbrüche steigt.

Daniel Karmann /dpa
Inhaltsverzeichnis

In den vergangenen Wochen hat sich das Coronavirus in Deutschland wieder mit höherem Tempo ausgebreitet als in den Wochen zuvor, die Infektionszahlen steigen an. Auch in Bremen zeigt die Kurve nach oben. Ein Teil der infizierten Personen hat sich trotz vollständiger Corona-Impfung mit dem Virus angesteckt. Warum kommt es trotz Schutz zu diesen Ausbrüchen und wie gefährlich ist die Infektion für die Betroffenen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Impfdurchbrüchen.

Wann spricht man von einem Impfdurchbruch?

Von einem Impfdurchbruch spricht man, wenn sich eine vollständig gegen Covid-19 geimpfte Person mit dem Virus infiziert oder gar erkrankt. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wird der vollständige Impfschutz erreicht, wenn nach einer abgeschlossenen Impfserie mindestens zwei Wochen vergangen sind.

Warum treten Impfdurchbrüche auf?

Laut Experten ist die Corona-Impfung nicht zu 100 Prozent wirksam. Gerade über 60-Jährige und Patienten mit geschwächtem Immunsystem können trotz zweifacher Impfung keine oder nur eine schwache Immunität gegen das Coronavirus entwickeln. Der Anteil solcher „Impfversager“ liege unter Älteren bei vermutlich fünf Prozent.

Der Impfschutz könne aber auch mit der Zeit nachlassen, wodurch die Chance für einen Impfdurchbruch größer wird. Impfdurchbrüche sind jedoch kein Zeichen dafür, dass die Impfungen nicht wirken, wie Experten betonen. Geimpfte würden immer noch ein deutlich geringeres Risiko haben zu erkranken oder gar zu sterben.

Wie häufig kommt es zu Impfdurchbrüchen?

Laut RKI gab es seit Beginn der Impfkampagne bis zum 26. August 18.333 symptomatische Impfdurchbrüche. Bundesweit waren bis dahin etwa 49,4 Millionen Menschen (59,4 Prozent) vollständig geimpft. Allerdings waren noch nicht bei allen davon zwei Wochen nach der letzten Impfung vergangen.

Nicht gut erfasst werden können Infektionen von vollständig Geimpften, die ohne Symptome verlaufen. Solche Infektionen würden sich nur per Zufall detektieren lassen, weil sich Geimpfte kaum testen ließen. Und selbst bei symptomatischen Infektionen gebe es noch eine Dunkelziffer, weil Geimpfte die Symptome möglicherweise nicht mit Corona in Verbindung bringen und deswegen keinen Arzt aufsuchen oder sich testen lassen.

Allerdings mache die Anzahl der Durchbruchsinfektionen immer noch den kleineren Teil der Gesamtinfektionen aus, obwohl die Gruppe der Geimpften mittlerweile den größeren Teil bildet. Auch in Bremen ist die Anzahl der Infizierten unter den Geimpften vergleichsweise niedrig.

Wie gefährlich ist ein Impfdurchbruch?

Nur ein geringer Anteil der hospitalisierten oder auf Intensivstationen betreuten Corona-Fälle geht laut offiziellen Zahlen auf Impfdurchbrüche zurück. Laut RKI starb seit Beginn der Impfkampagne in Deutschland erst eine voll immunisierte Person im Alter von unter 60 Jahren nach einem wahrscheinlichen Impfdurchbruch an den Folgen von Corona. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum verstarben 1871 Menschen der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen ohne Impfschutz an den Folgen einer Infektion (Stand: 26. August 2021).

Gerade das Alter stelle einen wichtigen Aspekt dar. Laut RKI waren unter den insgesamt 335 Corona-Fällen mit Impfdurchbrüchen, die verstorben sind, 279 Personen (84 Prozent) 80 Jahre und älter. Das spiegele das generell höhere Sterberisiko – unabhängig von der Wirksamkeit der Impfstoffe – für diese Altersgruppe wider.

Laut Experten fällt eine Corona-Infektion bei Geimpften aber durch alle Altersgruppen hinweg deutlich milder aus. Es bestünde ein Schutz zwischen 80 und 90 Prozent vor einer symptomatischen Infektion. Weil Geimpfte das Virus unwissentlich verbreiten könnten, sei die Gruppe der Ungeimpften daher besonders gefährdet. Es empfehle sich, dass Geimpfte in bestimmten Bereichen wie dem öffentlichen Nahverkehr weiter eine Maske tragen und sich regelmäßig testen lassen, wenn sie in sensiblen Bereichen arbeiten.

Welche Symptome zeigen sich bei einem Impfdurchbruch?

Sofern eine Corona-Infektion bei einer geimpften Person überhaupt zu Symptomen führt, handelt es sich im Grunde um die bekannten Krankheitssymptome, die auch bei ungeimpften Personen auftreten können. Allerdings treten diese Symptome in den allermeisten Fällen in abgemilderter Form auf.

Bei welchem Impfstoff tritt ein Impfdurchbruch am ehesten auf?

Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt es Impfdurchbrüche unabhängig vom verwendeten Impfstoff. So steige bei allen Corona-Vakzinen das Risiko eines Impfdurchbruchs sechs Wochen nach der vollständigen Impfung. Lauterbach erwartet daher mehr Durchbruchsfälle, sobald die Impfung in Deutschland mehr als ein halbes Jahr zurückliegt.

Verringert eine Auffrischung das Risiko eines Impfdurchbruchs?

Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verstärkt und verlängert eine Auffrischung die Wirkung einer Corona-Impfung. Auch nach Angaben von Karl Lauterbach gehen neue Studien davon aus, dass die Wirkung der Impfstoffe nach einer dritten Impfung wesentlich verlängert wird. Die sogenannten Booster-Impfungen soll es zunächst in Pflegeeinrichtungen und für besonders gefährdete Menschen geben. Zudem könnten sich die noch einmal impfen lassen, die bislang nur Vektorimpfstoffe – dazu zählt etwa Astrazeneca – bekommen hätten.

Nach Meinung des Virologen Christian Drosten ist für den Großteil der Geimpften im Herbst noch keine Auffrischungsimpfung notwendig. Die Schutzwirkung der Corona-Vakzine sei viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen.

Experten gehen davon aus, dass alle bis Ende des kommenden Jahres mit dem Virus – sei es nun die aktuell dominante Delta-Variante oder eine andere Variante – in Kontakt kommen werden. Dieser Kontakt wirke dann für die Geimpften wie eine Impfauffrischung.

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