Pandemie

Delta-Variante: Was wir über die Corona-Mutation wissen

Die Delta-Variante des Coronavirus bestimmt in Deutschland das Infektionsgeschehen. Wie gefährlich ist die Corona-Mutante, was unterscheidet sie vom Urtyp? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen.
09.09.2021, 17:45
Lesedauer: 5 Min
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Von dpa/seb
Delta-Variante: Was wir über die Corona-Mutation wissen

Die Delta-Variante des Coronavirus ist ansteckender als ältere Corona-Mutanten.

Hendrik Schmidt/dpa
Inhaltsverzeichnis

Die Delta-Variante des Coronavirus ist wie in vielen Teilen der Welt mittlerweile auch in Deutschland für die meisten Corona-Infektionen verantwortlich. Mit recht großer Sicherheit ist sie ansteckender als die meisten anderen Varianten von Sars-CoV-2. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Corona-Mutation.

Was ist die Delta-Variante?

Bei der Delta-Variante handelt es sich um eine Mutation des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 mit der Kennung B.1.617.2. Die zunächst im Dezember 2020 in Indien nachgewiesene Delta-Variante dominiert aktuell das Infektionsgeschehen in vielen Ländern wie auch Deutschland.

Wie weit ist die Delta-Variante verbreitet?

Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) lassen sich mittlerweile fast alle Corona-Infektionen in Deutschland und im europäischen Ausland auf die Delta-Variante des Coronavirus zurückführen. Die Rate betrage aktuell mehr als 99 Prozent aller Ansteckungen.

Ruft die Delta-Variante andere Symptome hervor als andere Corona-Varianten?

Bei einer Infektion mit der Delta-Variante unterscheiden sich die Symptome leicht von denen anderer Mutationen. Neben Kopfschmerzen, einer laufenden Nase sowie einer rauen Kehle kann es, wie bei anderen Corona-Typen auch, zu Fieber kommen. Der bislang als typisch geltende Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns ist bei der Delta-Variante zwar möglich, jedoch nicht gängig. Weil sich die Corona-Infektion gerade für jüngere Menschen oft wie eine Erkältung anfühlt, raten Experten, dass sich Betroffene im Erkrankungsfall testen lassen.

Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

Laut einer britischen Studie ist das Risiko für eine Krankenhauseinweisung bei einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus etwa doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante. Die Studienergebnisse ließen sich vor allem auf das Risiko für Ungeimpfte beziehen. Einer kanadischen Studie zufolge ist das Risiko, ins Krankenhaus zu müssen, um etwa 120 Prozent höher als bei älteren Corona-Varianten. Auch die Gefahr, Intensivpflege zu benötigen, sei um etwa 287 Prozent höher, das Sterberisiko um etwa 137 Prozent.

Andere Studien deuten darauf hin, dass bei der Delta-Variante die Viruslast schneller ansteigt. Wer sich mit Delta infiziert hat, ist offenbar ansteckender und kann das Virus nach kürzerer Zeit weitergeben als Menschen, die mit anderen Varianten infiziert sind.

Gefährlich kann die Delta-Variante für Menschen in hohem Alter auch dann werden, wenn sie geimpft sind: Zwischenergebnisse einer Studie der Berliner Charité zeigen, dass bei vier von zehn Menschen in einer Gruppe, deren Durchschnittsalter bei 82 Jahren lag, nach einem halben Jahr keine neutralisierenden Antikörper mehr gegen die Delta-Variante vorhanden sind. Im Vergleich dazu: Eine Gruppe von Charité-Mitarbeitern mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren hatten immer noch über 97 Prozent neutralisierende Antikörper gegen die Delta-Variante. Beide Studiengruppen wurden zur gleichen Zeit und mit dem gleichen Vakzin geimpft.

Schützt die Corona-Impfung gegen die Delta-Variante?

Laut RKI heißt es, dass alle Impfstoffe, die aktuell in Deutschland zur Verfügung stehen, gegen die Delta-Variante wirksam sind. Nach vollständiger Impfung bestehe ein hoher Schutz gegen Erkrankungen und schwere Verläufe.

Allerdings habe Delta ein Stück weit die Fähigkeit, Antikörpern von Geimpften und Genesenen zu entkommen. Angenommen wird, dass vor diesem Hintergrund auch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung für Geimpfte steigt. Bei einer unvollständigen Impfserie sei eine stark verringerte Wirksamkeit gegen die Delta-Variante nachgewiesen worden.

Trotz vollständiger Impfung kam es zuletzt zu Impfdurchbrüchen. Alles hierzu lesen Sie hier.

Bin ich trotz Impfung immer noch ansteckend?

Laut RKI spielen vollständig Geimpfte keine wesentliche Rolle mehr bei der Virus-Übertragung. Eine Übertragung des Coronavirus lässt sich trotz Impfung jedoch nicht ausschließen. Viele, vor allem junge Menschen, sind noch nicht oder nicht vollständig geimpft. Sie können schwer an Covid-19 erkranken oder nach einer Infektion an Langzeitfolgen leiden.

Auch deshalb sollten Geimpfte bei Treffen mit nicht vollständig Geimpften Abstand halten und einen Mund-Nasenschutz tragen. Auch in der Öffentlichkeit, wo viele Menschen zusammenkommen, wie etwa im öffentlichen Nahverkehr, sollten alle weiterhin vorsichtig bleiben, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten und Lüften einzuhalten. 

Wie zuverlässig sind Schnelltests bei der Erfassung der Delta-Variante?

Laut Experten sind Schnelltests bei Delta ebenso zuverlässig wie bei älteren Varianten. Durchschnittlich würden aber fünf bis zehn Prozent aller Infektionen mit hohen Viruslasten, wie sie bei der Delta-Variante vorkommen, nicht von Schnelltests erkannt. Auch nach einem negativen Schnelltest sollten daher die gängigen Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Abstandhalten eingehalten werden. Auch sollten sich Geimpfte und Genesene weiterhin regelmäßig testen, um andere zu schützen.

Schützt die Herdenimmunität Ungeimpfte vor der Delta-Variante?

Der Plan einiger Menschen, durch eine vermeintliche Herdenimmunität bei einer Impfquote von rund zwei Dritteln der Bevölkerung indirekt geschützt zu werden, geht laut Experten wie dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und dem Charité-Chefvirologen Christian Drosten wegen der hochansteckenden Delta-Variante nicht mehr auf.

„Wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren, und das vielleicht schon in diesem Winter“, sagte Drosten  Ende August dazu. Zu bedenken sei, dass das Infektionsrisiko für Ungeimpfte in diesem Herbst und Winter auch deswegen steige, weil aufgrund der hohen Impfquote dann täglich mehr Neuansteckungen zugelassen würden als noch im vorherigen Winter. Hinzu komme, dass Geimpfte einige Zeit nach der Impfung das Virus sehr wahrscheinlich weitergeben könnten, auch ohne dabei selbst zu erkranken.

Welche anderen Corona-Varianten gibt es?

Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem wöchentlichen Corona-Bericht vom 31. August 2021 schrieb, beobachtet sie aktuell fünf „Varianten von Interesse“. Darunter die Variante Mu, die zuerst im Januar in Kolumbien identifiziert worden ist. Es gebe Anzeichen, dass die Antikörper bei Genesenen oder Geimpften möglicherweise gegen die Variante Mu noch weniger wirksam sind als gegen andere Virusvarianten.

Daneben beobachtet die WHO vier Varianten, die als "besorgniserregend" eingestuft sind, darunter die auch in Europa inzwischen überwiegend verbreitete Variante Delta. Eine Sublinie der Delta-Variante wird zur Zeit vor allem in Nordamerika gefunden. Aktuell ist jedoch unklar, ob sie ansteckender sein könnte als Delta selbst. 

Die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Alpha-Version, die in Südafrika nachgewiesene Beta-Variante sowie die Variante Gamma aus Brasilien spielen hierzulande beim Infektionsgeschehen kaum noch eine Rolle.

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