Evolutionsbiologe sucht Gründe für Vorlieben von Frauen in der Steinzeit / Uraltes Erbe wirkt offenbar noch heute Warum Ausdauer Männer attraktiv macht

Wenn es gilt, den richtigen Partner zu finden, spielen äußere Merkmale eine entscheidende Rolle. So reagieren die Weibchen bei Tieren beispielsweise auf die Größe des Geweihs oder die Farbenpracht des Federkleids. Dass beim Menschen das Gesicht für die Beurteilung der Attraktivität von großer Bedeutung ist, ist seit Langem bekannt. Ein Evolutionsbiologe kommt nun zu dem Schluss, dass Frauen anhand des Gesichts die körperliche Leistungsfähigkeit eines Mannes abschätzen.
07.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Warum Ausdauer Männer attraktiv macht
Von Jürgen Wendler

Wenn es gilt, den richtigen Partner zu finden, spielen äußere Merkmale eine entscheidende Rolle. So reagieren die Weibchen bei Tieren beispielsweise auf die Größe des Geweihs oder die Farbenpracht des Federkleids. Dass beim Menschen das Gesicht für die Beurteilung der Attraktivität von großer Bedeutung ist, ist seit Langem bekannt. Ein Evolutionsbiologe kommt nun zu dem Schluss, dass Frauen anhand des Gesichts die körperliche Leistungsfähigkeit eines Mannes abschätzen.

Um das andere Geschlecht zu beeindrucken, legen sich viele Lebewesen mächtig ins Zeug. So haben Biologen zum Beispiel bei einem in Asien beheimateten Fasanenvogel, dem Temmincktragopan, beobachtet, dass er beim Balzen seinen bunt gefärbten Kehlsack präsentiert, hornähnliche Gebilde am Hinterkopf aufpumpt, die Flügel nach unten abspreizt und sich aufrichtet. Dabei stößt er mit zunehmender Geschwindigkeit typische Laute aus. Auch andere Vögel setzen bei der Partnersuche auf ihre Stimme. Dass diese auch beim Liebeswerben von Menschen durchaus eine Rolle spielt, ist eine uralte Erkenntnis. Viele Männer versuchen Frauen mit eindrucksvollen Worten für sich zu gewinnen.

Andere bewusst beeindrucken zu wollen ist eine Sache, das, was auch ohne gezieltes Handeln beeindruckt, eine andere. Zahlreiche psychologische Studien haben gezeigt, dass es bei Begegnungen in der Regel nur wenige Sekunden dauert, bis Menschen ein erstes Urteil über andere gefällt haben. Besonders wichtig ist dabei das Gesicht. An ihm orientieren sich Menschen, wenn sie für sich die Frage beantworten, ob jemand vertrauenswürdig, attraktiv oder vielleicht sogar ein möglicher künftiger Lebenspartner ist.

Erfolgreiche Jäger

Der Evolutionsbiologe Erik Postma von der Universität Zürich ging für seine jetzt im Fachjournal „Biology Letters“ veröffentlichte Studie von der These aus, dass sich Merkmale, die Männergesichter für andere attraktiv machen, im Zusammenhang mit der körperlichen Leistungsfähigkeit entwickelt haben. Ob Männer ihnen nahestehende Menschen mit Nahrung versorgen konnten, hing in früheren Zeiten nicht zuletzt von ihrer Fähigkeit ab, erfolgreich zu jagen, das heißt Wild oftmals über Stunden oder sogar Tage verfolgen zu können. „Ausdauer und physische Leistungsfähigkeit waren deshalb bei Männern von Anfang an evolutionäre Schlüsselfaktoren“, meint Postma. Wenn sich aber attraktive Merkmale von Gesichtern im Zusammenhang mit der körperlichen Leistungsfähigkeit entwickelt haben, wie der Wissenschaftler vermutet, würde das auch bedeuten, dass von Frauen als attraktiv empfundene Männer körperlich besonders leistungsfähig sein müssten.

Um seine Annahme zu überprüfen, zeigte Postma mehr als 800 Frauen und Männern Porträts von 80 ihnen nicht bekannten Personen. Die Bilder stammten von Radrennfahrern, die im Jahr 2012 an der Tour de France teilgenommen hatten, einer Veranstaltung, die besonders hohe Ansprüche an Ausdauer und körperliche Leistungsfähigkeit stellt. Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Radrennfahrer bestimmte der Wissenschaftler anhand des Gesamtergebnisses und verschiedener Teilergebnisse. Bei der Auswertung der Angaben der Studienteilnehmer zeigte sich, dass Fahrer, die als attraktiver eingestuft wurden, im Rennen besser abgeschnitten hatten.

Besonders deutlich war der Zusammenhang zwischen Attraktivität und körperlicher Leistungsfähigkeit nach den Angaben des Evolutionsbiologen bei Frauen, die keine hormonelle Empfängnisverhütung betrieben. Für diese Frauen seien die sportlich besonders erfolgreichen Männer zugleich besonders attraktiv gewesen. Bei der Einschätzung möglicher Sexualpartner spielten die Hormone also offensichtlich eine maßgebliche Rolle, erklärt der Forscher von der Universität Zürich.

Gründe für den Zusammenhang zwischen Attraktivität und sportlichem Erfolg sieht Postma unter anderem darin, dass der Erfolg zugleich als Hinweis auf Gesundheit, Kraft und positive Charaktereigenschaften gewertet werden kann. Aus evolutionsbiologischer Sicht sei die Wahl eines solchen Partners für Frauen aus mehreren Gründen von Vorteil. Für sie und ihre Kinder habe sich dadurch schon früh in der Entwicklungsgeschichte des Menschen die Wahrscheinlichkeit erhöht, gut mit Nahrung versorgt zu werden. Außerdem habe sich die Wahl eines solchen Partners positiv auf die körperliche Fitness der Nachkommen auswirken können.

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