Aktiv gegen Vorurteile und Diskriminierung Bündnis plant Aktionstag

In Workshops können sich Schüler mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Sexismus auseinandersetzen und dabei auch eigene Denk- und Verhaltensweisen überprüfen.
21.07.2019, 17:23
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Bündnis plant Aktionstag
Von Julia Ladebeck

Bremen-Nord. Ein Bündnis aus Vereinen, Einrichtungen und engagierten Einzelpersonen veranstaltet am Freitag, 20. September, zum dritten Mal den Aktionstag „Was tun?! Gemeinsam gegen Ausgrenzung und Diskriminierung“ in Bremen-Nord. Vormittags gibt es für Schulklassen ab der siebten Jahrgangsstufe Workshops zu den Themen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus sowie Homo- und Transfeindlichkeit, die nach Anmeldung vor Ort in den Schulen angeboten werden. Die Teilnahme an den Workshops ist für die Schüler kostenfrei. Auch ein Besuch des Denkorts Bunker Valentin sowie ein Angebot des Fanprojekts Bremen im Weserstadion stehen auf dem Programm.

Ab 15 Uhr steht das Freizeitheim Alt-Aumund, Aumunder Heerweg 89, allen Interessierten ebenfalls mit kostenlosen Workshops und Kreativ-Angeboten offen. Abgerundet wird der Tag dort mit einem Konzert von Haszcara und Finna am Abend. Im Bürgerhaus Vegesack wird außerdem der Dokumentarfilm „Möglichst freiwillig“ von Allegra Schneider gezeigt, die eine Roma-Familie aus Bremerhaven begleitet, die zurück nach Mazedonien muss.

Folgende Angebote gibt es für Schulklassen: In dem vier- bis fünfstündigen Workshop "Courage zeigen – Gegen Rassismus und Diskriminierung“, der ohne Lehrer stattfindet, geht es um Rassismus im Alltag. Gemeinsam entwickeln die Teilnehmer Ideen, wie Rassismus und Diskriminierung entgegengetreten werden kann.

Unter dem Titel „Stop Sexismus“ geht es um die Ungleichbehandlung und Benachteiligung aufgrund von Geschlecht und Sexualität. In dem ebenfalls vier- bis fünfstündigen Workshop überlegen die Schüler gemeinsam, was sie selbst gegen Sexismus und für mehr Gleichberechtigung der Geschlechter tun können. Der Workshop findet ebenfalls ohne Lehrer statt.

In dem Workshop „Action! Aktiv werden gegen Hass im Netz!“, der sich an Schüler ab der neunten Klasse richtet, werden die Teilnehmer bei einem Speed-Dating an Stationen unterschiedliche Strategien gegen Hass im Netz ausprobieren und besprechen. Der Workshop ist auf drei bis vier Stunden ausgelegt.

Ein weiterer Workshop, der ebenfalls für Schüler ab der neunten Klasse geeignet ist, beschäftigt sich mit Fake News. Das ist der Begriff für bewusst verbreitete Falschnachrichten, die in die Welt gesetzt werden, um Stimmung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu machen. Die Falschmeldungen verbreiten sich häufig rasant in den sozialen Netzwerken und können zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt führen.

Im Workshop erhalten die Schüler praktische Anleitungen, wie sie Fake News erkennen können. Mithilfe eines sogenannten Fake-News-Generators erstellen die Teilnehmer ihre eigenen Falschnachrichten und erfahren, wie einfach seriös wirkende Nachrichten „gefaked“ werden können. Außerdem geht es um die Tricks der Faker. Der Workshop dauert drei bis vier Stunden.

In einem dreistündigen Projekt im Denkort Bunker Valentin beschäftigen sich die Schüler (ab Klasse neun) mit dem Thema Zwangsarbeit. Mehr als tausend Zwangsarbeiter starben in Farge beim Bau des U-Boot-Bunkers; sie wurden Opfer des Nationalsozialismus. Angeleitet von pädagogischen Mitarbeitern beschäftigen sich die Jugendlichen unter anderem damit, wer die Menschen waren, die dort in Lagern leben mussten und wozu der Bunker gebaut werden sollte. Auch das Verhalten der Dorfbevölkerung und die Aufarbeitung der Verbrechen werden thematisiert.

Um Ausgrenzung und Diskriminierung im Fußball geht es in einem dreistündigen Workshop, den der Verein Fan-Projekt Bremen für Schüler ab der neunten Klasse im Weserstadion anbietet. Was bedeutet es, einer Minderheit anzugehören? Welche Vorurteile habe ich selbst gegenüber anderen? In unterschiedlichen Übungen setzen die Teilnehmer sich mit diesen Fragen auseinander, um künftig sensibler mit dem Thema Ausgrenzung umgehen zu können. Der Workshop beinhaltet eine Stadionführung.

„Populisten-Poker: Populismus im Spiel, Pech für die Liebe“ lautet der Titel eines weiteren Projekts, das der Bremer Jugendring für Schüler ab Klasse neun organisiert. Die Jugendlichen spielen eine Runde „Populisten-Poker“, dabei bilden sie sich spielerisch eine Meinung zu verschiedenen politischen Themen und entschlüsseln nebenher populistische Argumentationsweisen. Der Workshop dauert eineinhalb bis zwei Stunden.

Um Vorurteile geht es in dem zweieinhalb- bis dreistündigem Workshop „Schublade auf!“ für Jugendliche der Klassen sieben bis neun. Ziel ist es, die Teilnehmer für eigene Vorurteile und Kategorisierungen zu sensibilisieren. Die Jugendliche beschäftigen sich beispielsweise damit, welche Personen sie sympathisch finden und warum. Auch den Fragen, welche Berufe sie uncool finden und wann sie ein Bild bei Instagram liken, gehen sie gemeinsam nach. Eine Reflexion des eigenen Social-Media-Verhaltens soll angestoßen werden.

Argumentationstraining gegen rassistische Stimmungsmache steht im Mittelpunkt eines drei bis vierstündigen Workshops, der für Schüler ab Klasse sieben geeignet ist. Die Jugendlichen lernen, wie sie reagieren können, wenn Redebeiträge, Fragen oder Kommentare Vorurteile über und Angst vor tatsächlich oder vermeintlich geflüchteten Menschen schüren.

Was sie tun können, wenn Freunde, Familie oder Mitschüler rassistische Bemerkungen oder sexistische Sprüche machen, lernen Teilnehmer eines zwei- bis dreistündigen Workshops für Schüler der Klassen sieben bis neun. Ziel ist, die Haltung der Jugendlichen zu stärken und Strategien zu entwickeln, den Parolen etwas entgegenzusetzen. Dabei geht es auch darum, eigene unbewusste Stereotype und Vorurteile zu überdenken. Der Workshop findet ohne Lehrer statt.

In dem zweistündigen Projekt "Schublade voll?" für Siebt- bis Zehntklässler geht es um Stereotypen und Vorurteile wie: "Du wirfst wie 'n Mädchen!“ „In Italien isst man eh nur Pizza.“ und „Alle Veganer machen Yoga!“. Die Teilnehmer tauschen sich über Vorurteile aus, sprechen über eigene Erfahrungen und reflektieren, wann ein Schubladen-Denken unbewusst verwendet wird. Abschließend überlegen sie gemeinsam Möglichkeiten, wie sich das ändern lässt.

Um Sprache geht es schließlich in einem zweistündigen Workshop für Schüler der Klassen neun bis zwölf. Ziel ist es, dass die Schüler homophobe, antisemitische, sexistische, rassistische oder anders diskriminierende Aussagen, die sich in den Sprachgebrauch eingeschlichen haben, erkennen und benennen. Die Jugendlichen sollen ihre eigene Wortwahl reflektieren und nach geeigneteren Alternativen suchen.

An dem Zusammenschluss beteiligt sind die Partnerschaft für Demokratie, der Verein Werkstatt Antidiskriminierung, die Beratungsstelle „Pro aktiv gegen rechts“, das Team vom Linkstreff „Katzensprung – Info und Freiraum Bremen Nord“ und das Freizi Alt-Aumund, das vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wird. Außerdem beteiligen sich die Gruppe Transnet OHZ, das Kulturcafé Nunatak, der Verein Flüchtling für Flüchtling, das Team vom Übergangswohnheim Am Rastplatz und die Stadtbibliothek Vegesack.

Weitere Informationen zum Workshop-Angebot können Interessierte unter der E-Mail-Adresse werkstatt.antidiskriminierung@gmx.de erfragen. Unter dieser Adresse werden auch Anmeldungen bis Sonnabend, 30. August, angenommen. Sie werden nach Angaben der Veranstalter nach dem Prinzip vergeben: Wer sich zuerst meldet, wird zuerst bedient.

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