Flächenstreit in Grohn beendet Jacobs Uni verzichtet auf Oeversberg

Ende einer Debatte nach 20 Jahren: Jacobs-Präsident Michael Hülsmann hat jetzt angekündigt, dass die Grohner Sportvereine den Oeversberg auch nach 2025 nutzen können.
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Von Martin Prigge

Vegesack. „Wir haben den Beschluss des Beirates wahrgenommen, und ich bin heute in der glücklichen Situation, sagen zu können, dass wir gegenüber dem Land den endgültigen Verzicht auf den Oeversberg erklärt haben." Die Worte von Michael Hülsmann, Präsident der Jacobs University, lösten in der jüngsten Sitzung des Vegesacker Beirates Applaus aus. Beenden sie doch eine seit 20 Jahren geführte Debatte über das Gelände.

Der Vegesacker Beirat hatte in seiner Sitzung im November gefordert, dass die Privatuni auf ihre Optionsflächen auf dem Oeversberg in Grohn verzichten solle. Das sicherte Hülsmann jetzt zu. Das Areal an der Friedrich-Humbert-Straße umfasst insgesamt sieben Hektar. Zwei Hektar bleiben im Beisitz der Jacobs University. Über die übrigen fünf Hektar hätte die Privatuniversität vertraglich ab 2025 verfügen können – und verzichtet jetzt darauf.

Laut Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt folgen nun mehrere Schritte. Zunächst müsse das Wirtschaftsressort die Absprachen mit der Privatuni an die neuen Gegebenheiten anpassen. Im ersten Quartal 2019 soll dann ein erster Runder Tisch mit allen Beteiligten stattfinden. Dort soll besprochen werden, wie es mit der Umstrukturierung des Geländes weitergeht. Zum Beispiel wird die Zahl der Fußballplätze reduziert. „Die Arbeit fängt jetzt an“, so Dornstedt.

Der Beirat begrüßte „ausdrücklich den Verzicht“, wie die Kommunalpolitiker einstimmig festhielten. Zugleich forderte er Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) auf, im ersten Quartal 2019 zu den angekündigten Runden Tischen einzuladen, dabei Ortsamt und Beirat zu beteiligen. Von einem vorweihnachtlichen Geschenk sprach CDU-Fraktionschef Torsten Bullmahn.

Cord Degenhard von den Bürgern in Wut betonte, dass man sich sehr lange über die Verschleppung beim Thema Oeversberg geärgert habe. "Aber Ende gut, alles gut.“ Die Jacobs Uni hat nach Aussage von Hülsmann mit Jens Dünnbier einen Verantwortlichen für Campus-Angelegenheiten eingesetzt. Er soll Aktivitäten und Kooperationen, unter anderem mit Sportvereinen, im Stadtteil koordinieren.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Sitzung war die Zukunft des Hartmannstifts. Wie berichtet, sind nach mehreren Jahren die Verkaufsgespräche über die Immobilie gescheitert, der Investor Procon hatte wirtschaftliche Erfolgsaussichten für das Vorhaben infrage gestellt und sich zurückgezogen. Nach Informationen unserer Zeitung sollten auf dem Gelände 70 Wohnungen entstehen, ein Teil davon als Sozialwohnungen.

Die Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen (IB) hatte daraufhin die Fraktionssprecher eingeladen, um über die Hintergründe zu informieren, wollte jedoch keinen Vertreter zu Beiratssitzung entsenden. Wie berichtet, nahm Bürger-in-Wut-Chef Cord Degenhard nicht an dem Treffen teil. In der Sitzung äußerte er erneut seine Kritik an der Informationspolitik von IB. „Wir sind die Politik, IB ist die Verwaltung. Die Verwaltung darf nicht der Politik Anweisungen geben, es geht nur andersherum.“ Die Bürger würden nun Informationen aus zweiter Hand von den Fraktionssprechern erhalten, so Degenhard. Zustimmung erntete er vom AfD-Abgeordneten Marvin Mergard: „Immobilien Bremen hätte definitiv hier auftreten müssen.“

CDU-Fraktionsführer Torsten Bullmahn hingegen berichtete von einem „konstruktiven Gespräch“ und plädierte dafür, die Ergebnisse in der Februarsitzung des Beirates vorzustellen. „Weitere Gespräche sind sinnvoll, um die Akteure zu motivieren und zusammenzubringen. Wir diskutieren private Dinge doch auch nicht auf der Dachterrasse, sondern erst einmal unter vier Augen“, so Thomas Pörschke. Degenhards Vorwurf der „Kungelei“ wies er entschieden zurück. Ortsamtsleiter Dornstedt meinte ebenfalls: „Es gibt Dinge, die sind Privatsache und dürfen nicht öffentlich besprochen werden.“ Dass „der Sack noch nicht zu“, also der Ausstieg vielleicht doch noch nicht endgültig sei, hoffte Beiratssprecher Jürgen Hartwig (SPD).

In ihrem Beschluss fordern die Vegesacker Beiratsmitglieder den Bremer Senat einstimmig auf, „die Rahmenbedingungen für den Verkauf des Hartmannstifts unverzüglich zu überprüfen„. Ziel müsse sein, “dass die mit einem breiten Konsens beschlossene Entwurfsplanung für das Hartmannstift doch noch realisiert wird.“

Heiko Dornstedt informierte den Beirat über die Sperrung des maroden Spielschiffs am Vegesacker Hafen. Die Kommunalpolitiker waren sich einig, „dass die mangelnde Unterhaltung des Spielschiffs dazu geführt hat, dass das Spielschiff aus Verkehrssicherungsgründen gesperrt werden musste“. Bausenator Joachim Lohse (Grüne) wird aufgefordert, dem Umweltbetrieb Bremen „unverzüglich“ die erforderlichen Haushaltsmittel für die Instandsetzung oder einen Neubau des Spielschiffs zur Verfügung zu stellen. Der Beirat erwartet zur nächsten Sitzung am 17. Januar einen Bericht zu dem Thema.

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