Berne Marineschulschiff "Gorch Fock" bleibt in der Fassmer-Werft

Die Arbeiten an der "Gorch Fock" gehen bei der Fassmer-Werft weiter. In den nächsten 100 Tagen wird an dem Schulschiff gearbeitet. Dafür reisen täglich Mitarbeiter der Elsflether Werft an.
09.07.2019, 09:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Wenke

Die "Gorch Fock" bleibt noch bis zum Herbst auf der Fassmer-Werft. Das Marineschulschiff solle weiter bei der Werft in Motzen instand gesetzt werden, sagte der Vorstand der zuständigen Elsflether Werft, Axel Birk, am Dienstag. In Motzen solle der Traditionssegler in einer Halle weiß gestrichen werden. "Auch die Innenausstattung und andere fest mit dem Rumpf verbundene Einrichtungen sollen dort eingebaut werden", sagte Birk. "Wo die Masten gestellt werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden."

Den nächsten großen Schritt zur Fertigstellung der "Gorch Fock" geht die Elsflether Werft am Donnerstag. Dann soll der Rumpf aus dem Wasser gehoben und in die große Schiffbauhalle der Fassmer-Werft gebracht werden. "Die Halle war gerade frei, weil die Schiffe, die wir derzeit für die Bundespolizei bauen, bereits zur Ausrüstung an der Pier liegen", sagt Fassmer-Sprecherin Wiebke Bode. "Die Gorch Fock wird für die nächsten 100 Tage in unserer Halle liegen."

Die Arbeiten an dem Marineschulschiff werden die Motzener Schiffbauer allerdings nicht selbst vornehmen. Dafür reisen täglich Mitarbeiter der Elsflether Werft an. "Das haben wir bei der Bredo-Werft auch so gehandhabt", berichtet Axel Birk. "Die Fassmer-Werft wird uns aber bei einigen Arbeiten unterstützen", beschreibt der Werftvorstand die Zusammenarbeit. Unterstützende Tätigkeiten würden beispielsweise beim Verlegen von Kabeln und Rohren notwendig. "Wenn uns eine Hand beim Durchziehen der Kabel fehlt, werden wir Hilfe bekommen." Zudem übernähmen die Motzener die Brandwache.

Die zu verlegenden Rohre werden in Elsfleth gebaut und am 3D-Modell vorkonfektioniert. Von der Fassmer-Werft, die nach eigenen Angaben weltweit rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt, hat der Generalunternehmer vorerst nur die Halle angemietet. Außerdem hat Fassmer den Auftrag bekommen, die "Gorch Fock" aus dem Wasser zu heben und später wieder zu Wasser zu lassen.

Arbeiten werden neu vergeben

Den Motzener Schiffbauern stehe es frei, sich um weitere Arbeiten zu bewerben. "Es wird einiges neu verhandelt", sagt Birk. So werde beispielsweise das Auftragen der Farbe in den Innenräumen sowie auf die Außenhaut erneut ausgeschrieben. Auch müssten noch sogenannte Außenbordsdurchlässe zum Ansaugen von Kühl- und Frischwasser angebracht werden. Isolierungen, Verkleidung, Böden und Mobiliar werden erst angebracht, wenn das Schiff wieder Wasser unterm Kiel hat.

Die insolvente Elsflether Werft hatte als Generalunternehmer entscheiden müssen, wo und mit welchen Subunternehmern das Schiff fertiggebaut wird. "Das geschah in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber, der Marine", betonte Birk. Für Elsfleth sei das Schiff wegen fehlender Infrastruktur zu groß, sagte er. Dem Hafen fehle es an Tiefe. "Wir sind im Zeitplan", betont er aber.

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Das halb fertiggestellte Schiff war am 27. Juni von Bremerhaven in Richtung Motzen geschleppt worden. Seitdem liegt der Rumpf mit seinem mattgrünen Schutzanstrich an der Pier der Fassmer-Werft. Masten und Aufbauten fehlen. "Die Generatoren, der Antrieb der Klimaanlagen und die Hauptschalttafel sind schon an ihrem Platz", sagt Birk. Die "Gorch Fock" hatte dreieinhalb Jahre flussabwärts in Bremerhaven im Dock gelegen und war am 21. Juni wieder ins Wasser gelassen worden.

Im Herbst 2020 soll die 61 Jahre alte Dreimastbark wieder segeln. Das Bundesverteidigungsministerium hatte beschlossen, die Sanierung trotz der aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu vollenden. Die Kosten sollen 135 Millionen Euro nicht mehr übersteigen. "Wir werden weiterhin alles daransetzen, die Instandsetzung termingerecht und im Budget auszuführen und die "Gorch Fock" wieder hochseetauglich zu machen", hatte Aufsichtsratschef Pieter Wasmuth von der Elsflether Werft dazu gesagt. Ohne den Beschluss wären Arbeitsplätze auf der Werft und bei Zulieferern gefährdet gewesen. Auf dem Schiff bildet die Marine ihre Offiziersanwärter aus, Heimathafen ist Kiel.

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Die Elsflether Werft ist seit Februar insolvent und steht zum Verkauf. Die frühere Leitung soll Geld in dubiose Nebengeschäfte gesteckt haben, während Zulieferer auf ihren Außenständen sitzen blieben. Die Staatsanwaltschaft untersucht das Geschäftsgebaren der zwei Ex-Vorstände. Auch mehrere Gerichte beschäftigen sich mit dem Debakel.

Die Bredo-Werft in Bremerhaven hatte das Schulschiff der Marine wegen unbezahlter Rechnungen zunächst als Pfand behalten wollen. Sie stimmte schließlich aber doch zu, es wieder ins Wasser zu lassen. Mit einer sogenannten Open-Book-Struktur habe die Bundeswehr anders als früher jederzeit Einblick in alle Termine und anstehenden Schritte, sagt der Elsflether-Werft-Vorstand Axel Birk. "Damit hat sie die volle Kontrolle über die Kosten und das Vorgehen der Werft."

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