125 Jahre Gewosie Mieterglück mit Garten

Rose-Marie Trenner lebt seit 39 Jahren in der Gewosie-Siedlung am Pürschweg, Else und Bernhard Marx sind vor 49 Jahren dorthin gezogen.
07.05.2019, 17:26
Lesedauer: 5 Min
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Von Gabriela Keller

Von ihrem Balkon im ersten Stock kann Rose-Marie Trenner in den Garten schauen. Die Azaleen blühen schon, die Rhododendren verbergen ihre Pracht noch in geschlossenen Knospen. Lavendelheide, Weigelie und Kirschlorbeer rahmen ein Blockhaus. Ein paar Kübelpflanzen stehen dort, auch ein Vogelhäuschen und ein kleiner Brunnen. „Das ist unser Garten“, sagt Rose-Marie Trenner.

Die grüne Oase vor der Haustür ist der ganze Stolz der Siebzigjährigen. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Joachim (78) hegt und pflegt sie das blühende Paradies vor dem Wohnblock der Gewosie am Pürschweg 90, in dem das Ehepaar seit 39 Jahren zur Miete wohnt. „Früher hatte hier jeder Mieter einen kleinen Garten“, erzählt Rose-Marie Trenner. Der eine und andere hat seine Scholle aufgegeben, die Trenners nicht. Ihr Garten ist mit den Jahren sogar gewachsen.

Viel Liebe und auch Geld haben die Trenners in ihr grünes Reich gesteckt. Rose-Marie Trenner zeigt Fotos von üppig blühenden Begonien, Margeriten und Fleißigen Lieschen in Kübeln und Blumenkästen rund um das Blockhaus. „Die Hütte haben mein Mann und mein Sohn selbst gebaut.“ Auch die Terrasse und die Gartenwege hat Hans-Joachim Trenner gepflastert. „Wir sind nicht in den Urlaub gefahren, wir haben es uns immer in unserem Garten schön gemacht. Wenn ich abends von der Arbeit kam, ging ich als Erstes in den Garten“, erzählt die Rentnerin, die 40 Jahre als Verwaltungsangestellte bei der Bundeswehr tätig war. Der Garten mit Sandkiste und Wasserspielen war auch Spielplatz für Enkel Colin, als der noch klein war. Um seine Großeltern zu besuchen, braucht der heute 13-Jährige nur über den Hausflur laufen. Mit seinem Vater wohnt er direkt nebenan.

Am 1. März 1980 zogen die Trenners mit ihrem damals zehn Jahre alten Sohn in die Wohnung am Pürschweg ein. „Wir brauchten zu der Zeit schnell eine Wohnung“, erinnert sich Rose-Marie Trenner. Hamfehrer Weg, Köhlhorster Straße und Pürschweg standen als Standorte zur Wahl, die junge Familie entschied sich für die Wohnung am Pürschweg mit drei Zimmern. „Uns hat die Umgebung hier sofort gefallen.“ Im Jahr ihres Einzugs habe die Gewosie Fenster und Heizungen in den Häusern erneuert. „1993 wurden die Bäder saniert. Wir hatten die Wahl, ob wir wieder eine Badewanne oder lieber eine Dusche haben wollten.“

Als Sohn Michael auszog, wollten die Eltern das Wohnzimmer vergrößern. Die Gewosie spielte mit, die Wand zwischen Kinderzimmer und Stube kam weg. Wo einst der Sohn spielte, steht jetzt eine Essecke. Ob der Durchbruch in der Wohnung oder der Bau des Gartenhauses – der Vermieter sei ihren Wünschen immer entgegengekommen, sagt Trenner. „Wir haben nie eine abschlägige Antwort bekommen.“

Früher saßen die Trenners bei schönem Wetter oft im Garten, jetzt genießen sie auch vom neuen Balkon den Blick auf ihr grünes Paradies. „Der alte Eckbalkon war sehr schmal“, erzählt Rose-Marie Trenner. 2012 seien die Balkone der Wohnhäuser am Pürschweg saniert worden. Die Balkonecke an der Giebelwand fiel weg, der Freisitz vor dem Wohnzimmerfenster ist dafür nun breiter. „Jetzt kann man bequem hier sitzen, und es bleibt noch genug Platz, um die Wäsche zu trocknen.“

Am Pürschweg wurden damals nicht nur die Balkone saniert. „Die Fassaden wurden gedämmt und neu gestrichen, die Dächer erneuert, die Treppenhäuser erhielten einen neuen Fußbodenbelag“, erzählt Rose-Marie Trenner. Die Gewosie kümmere sich sehr um die Gebäude, sagt sie. „Wenn irgendetwas defekt ist, ruft man an, und es wird sofort erledigt.“ Innerhalb der Hausgemeinschaft würden sich die Nachbarn auch helfen. „Hier macht jeder etwas. Alle bemühen sich, das Treppenhaus sauber zu halten. Ein Nachbar streicht den Keller, wir kümmern uns um den Garten. Man nimmt füreinander Pakete an oder hilft, wenn mal etwas Schweres zu tragen ist.“ Die Trenners haben am Pürschweg ihr Wohnglück mit Garten gefunden. „Wir fühlen uns hier wohl.“

Einen Häuserblock weiter, am Pürschweg 86, ist das Ehepaar Marx zu Hause. „Nächstes Jahr wohnen wir hier 50 Jahre“, sagt Bernhard Marx (74). Am 1. Februar 1970 bezog die Familie mit damals zwei Kindern die Dreizimmer-Wohnung im Erdgeschoss des Hauses, später kam noch Nachwuchs Nummer drei dazu. Bei der Entscheidung für die Wohnung am Pürschweg spielte für die damals junge Familie die Infrastruktur eine wichtige Rolle. „Hier gab es eine Grundschule vor der Haustür, die Schule Lehmhorster Straße war auch nicht weit weg. Geschäfte waren in der Umgebung auch vorhanden“, erzählt Bernhard Marx. Viele junge Familien hätten zu der Zeit in der Siedlung gewohnt, erzählt seine Frau Else (72). „So fanden unsere Kinder gleich Spielkameraden, das war mir wichtig“, sagt die gelernte Näherin.

Mit drei Kindern auf 54 Quadratmetern wohnen – für das Ehepaar Marx nur eine Frage der Organisation. „Ein Kind schlief im Kinderzimmer, zwei Kinder teilten sich das Schlafzimmer. Meine Frau und ich schliefen im Wohnzimmer auf der ausziehbaren Couch“, erzählt der gelernte Schlachter Bernhard Marx. Als die Kinder älter wurden, hätten sie kurz mal überlegt, in eine größere Wohnung zu ziehen – sind dann aber doch am Pürschweg geblieben. Das ruhige Wohnen im Haus und die Nähe zum Wifo-Wald, wo sie gerne spazieren gehen, das schätzt das Rentnerpaar nach eigenen Worten.

„Als wir 1970 einzogen, gab es in der Wohnung noch Holzfenster mit einer Klappe. Geheizt wurde mit einem Kohleofen, die Briketts mussten wir aus dem Keller holen. Die Wohnungstür hatte damals Butzenscheiben“, erinnert sich das Ehepaar. Später brachten zweifachverglaste Thermopanefenster und eine Zentralheizung mehr Komfort. Bernhard Marx legte auch selbst Hand an in der Wohnung. „Die Wände im Bad habe ich verfliest“, erzählt er.

Keine Frage war es für ihn und seine Frau, dass sie ihren Balkon vor dem Haus behalten wollten. „Wir hatten bei der Sanierung auch die Wahl, hinten heraus eine Terrasse zu bekommen. Aber da hätten wir auf Häuser geguckt. Vom Balkon vorne haben wir eine freie Sicht in die Siedlung“, sagt Bernhard Marx. Zwei Liegestühle stehen hier, in Schalen keimen Tagetes. „Die kommen später zusammen mit Geranien in die Balkonkästen.“ Nur in einer Hinsicht trauert Else Marx ein bisschen dem alten Eckbalkon nach. „In der Ecke wurde die Wäsche durch den Wind immer ruckzuck trocken.“

Hinter dem Haus nutzt das Ehepaar auch ein Stück Gartenland. Nicht mehr so viel wie früher, als sie an dieser Stelle Kartoffeln und Gemüse anbauten. Aber auch heute wachsen hier noch Blumen, Tomaten, Heidel-, Stachel- und Johannisbeeren.

Info

Zur Sache

Feier mit den Mitgliedern

125 Jahre Gewosie : Ihr Jubiläum feiert die Genossenschaft am Mittwoch, 8. April, mit ihren Mitgliedern. Auf dem Außengelände des Verwaltungsgebäudes an der Hammersbecker Straße 173 gibt es von 14 bis 19 Uhr ein Programm mit diversen Aktionen. Mit einer Hebebühne können die Besucher 23 Meter hoch in die Luft steigen und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Friedrich der Zauberer führt seine Kunststücke vor, für Sportsfreunde gibt es einen Kletterturm und ein Fußball-Dart-Spiel. Besucher können sich außerdem von einer Schnellzeichnerin porträtieren lassen oder einer Luftballon-Jongleurin bei ihrer Kunst zuschauen. Die Samba-Gruppe „Queersatinga“ und die Hip-Hop-Formation des Vereins für Turn und Tanz (VTT) Farge-Rekum sorgen für Unterhaltung und gute Laune.

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