Problemstraße in Blumenthal Plan gegen Verwahrlosung

Bremen soll einen Brennpunkt entschärfen. Das fordert die CDU-Beiratsfraktion und möchte mit einem Antrag Druck ausüben, damit die Stadt rund 100 Wohnungen an der George-Albrecht-Straße kauft und saniert.
04.11.2018, 21:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Brennpunkt George-Albrecht-Straße: Die Blumenthaler CDU-Beiratsfraktion will, dass der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr die Gebäude mit gut 100 Wohnungen aufkauft, saniert, „dem Wohnungsmarkt zukommen“ lässt und die öffentliche Hand weiter Eigentümer bleibt. Dieser Antrag soll in der nächsten Beiratssitzung behandelt werden. Ortsamtsleiter Peter Nowack und der Bremen-Nord-Beauftragte Martin Prange kommentieren den öffentlichen Vorstoß nicht erfreut. „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt keine kluge Idee.“ Hintergrund: Hinter den Kulissen versuchen Behörden und Organisationen, die Probleme in der Straße und in den Gebäuden in den Griff zu bekommen.

Seit Monaten tagt – wie berichtet – eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Ortsamtsleiters. Gesundheitsamt und weitere Behörden, Vertreter von Schulen, Kitas, die Verbraucherzentrale und auch die Polizei suchen Lösungen, um die Situation in den Häuserblöcken und der Straße zu entschärfen. Hier wohnen überwiegend Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Illegale Mülldeponien

Die Themen, die dabei besprochen werden, sind illegale Mülldeponien und der verwahrloste Zustand der Wohnungen, unter anderem wurde Schimmel entdeckt. Im Sommer gab es eine Begehung der Blöcke, bei der auch Brandschutzmängel festgestellt wurden. Ziel der Arbeitsgruppe: gemeinsame Abstimmung, gemeinschaftliches Handeln. Die Strategien sollen aber nach Möglichkeit nicht öffentlich diskutiert werden.

Genau darum reagieren Nowack und Prange schmallippig und möchten im Vorfeld der Beiratssitzung am 12. November auch im Grunde genommen keine Stellung zum Antrag nehmen. „Das ist viel zu früh und eher kontraproduktiv. Wir sind noch nicht so weit“, sagt der Ortsamtsleiter dann aber doch.

Er befürchtet, dass mit dem Antrag zum Aufkauf der Gebäude Begehrlichkeiten geweckt werden könnten. „Wir befinden uns in Auseinandersetzungen mit den Eigentümern“, sagt Prange, der das ebenso sieht. Es sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, über einen Ankauf der Gebäude öffentlich nachzudenken. Das erhöhe nur den Preis. Er halte auch nichts davon, die Eigentümer aus der Verpflichtung zu entlassen.

Die Antragsteller aber „wollen der Stadt nun Druck machen, dass sie vorangeht“, erklärt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf Schwarz. Seit Jahren werde gesagt, die Stadt wolle etwas unternehmen. Die CDU möchte alle Ressorts einbinden, auch wenn der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr im Antrag direkt angesprochen wird. Die CDU geht davon aus, dass Bremen auf die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba zurückgreifen wird, um in der George-Albrecht-Straße aktiv zu werden. Die Vorstellung sei, wie vor Jahren in Osterholz-Tenever vorzugehen.

Fortschreitende Verwahrlosung im Quartier

Die Situation dort sei ähnlich gewesen, wie sie sich jetzt in der George-Albrecht-Straße darstelle. Das Konzept, Gebäude aufzukaufen, zu sanieren beziehungsweise abzureißen und das Quartier dann mit weiteren Maßnahmen zu stützen, sei in Tenever aufgegangen. Die Antragsbegründung der CDU lautet, dass „die jetzigen Eigentümer der Gebäude und Wohnungen ihren Verpflichtungen als Vermieter nicht oder nur unzureichend nachkommen“. All dies führe zu einer fortschreitenden Verwahrlosung im Quartier. Nur eine grundlegende Sanierung der George-Albrecht-Straße könne die Situation nachhaltig verbessern.

Die CDU stellt sich vor, dass die Stadt mit den Eigentümern einen Preis aushandelt, die Blöcke kauft und die Mieter für die Zeit der Sanierung in anderen Wohnungen unterbringt. Bei der anschließenden Neu-Vergabe der Wohnungen nach der Sanierung müsse darauf geachtet werden, dass es nicht wieder zu einer Ghettoisierung komme. Zum Argument, dass der Kaufpreis für die Gebäude durch die öffentliche Diskussion des Ankaufs steigen könnten, meint Schwarz: „Natürlich werden die Eigentümer hoch pokern. Die Gebäude werden nicht für ein Butterbrot und ein Ei zu bekommen sein.“ Es müsse aber darum gehen, einen sozialen Brennpunkt ruhig zu bekommen.

Außerdem meint er: „Die Immobilienpreise steigen weiter. Der Trend ist nicht aufzuhalten. Je länger wir warten, desto mehr werden die Preise hochgehen.“ Ironisch kommentiert er den Vorwurf, die CDU komme zum „falschen Zeitpunkt“ mit dem Antrag: „Jedes Mal ist der Zeitpunkt schlecht“. Zu oft schon habe man Versprechungen gehört. Der CDU-Fraktionschef Hans-Gerd Thormeier verweist zudem auf einen anderen Grund für den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt. Vor Kurzem habe auch der Ortsamtsleiter öffentlich gesagt, dass ein Ankauf ein probates Mittel wäre, die Situation zu verbessern.

Es ist nicht das erste Mal, dass darüber nachgedacht wird, die Gebäude aufzukaufen. Im Frühjahr 2013 zogen die Blumenthaler SPD und die CDU an einem Strang. Sie stellten den Dringlichkeitsantrag im Beirat, dass die Gewoba die Gebäude kauft oder ersteigert. Bis heute gibt es dazu aus keiner Behörde eine Reaktion, heißt es in Blumenthal.

Info

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Der Blumenthaler Beirat tagt am Montag, 12. November, ab 19 Uhr in der Aula im Schulzentrum Eggestedter Straße.

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