Frischer Wind in den Schulen

Alle 20 Minuten: Fenster auf!

Die 20-5-20 Regel hat Einzug gehalten in den Schulen. Mit Stoßlüftungen aller 20 Minuten soll der Ausbreitung des Coronavirus in den Klassenzimmern entgegengewirkt werden.
30.10.2020, 07:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader

Landkreis Osterholz/Bremen. Um den Präsenzunterricht in den Schulen während der Corona-Pandemie zu schützen und Schulschließungen zu vermeiden, soll in den Unterrichtsräumen des Landes seit Ende der Herbstferien auch bei schwierigen Witterungsverhältnissen regelmäßig gelüftet werden. Als Faustformel gilt 20 – 5 – 20“: 20 Minuten Unterricht, fünf Minuten Stoßlüften und wieder 20 Minuten Unterricht. Auf die Einhaltung dieser im Rahmenhygieneplan für Schulen festgeschriebenen „dringenden Empfehlung“ zum Stoßlüften hat auch der Landkreis Osterholz nochmals hingewiesen. Und so werden seit Montag auch in den Schulen der Region die Fenster regelmäßig geöffnet.

In der IGS Lilienthal beispielsweise klingelt 20 Minuten nach Schulstundenbeginn der Handywecker der Lehrkräfte, erzählt Schulleiterin Karina Kögel-Renken. Dann öffnen diese entweder selbst oder die Lüftungsbeauftragten in Reihen der Schülerinnen und Schüler die Fenster. Warm ist es draußen nicht mehr. Die Schulleiterin weiß: „Die Kinder frieren natürlich.“ Aber daran müsse man sich gewöhnen. Sie rät zu warmer Kleidung im Zwiebellook und von innen könne man sich mit einem warmen Tee aufwärmen. Zudem suchten die Lehrkräfte der Schule nach kreativen Lösungen im Umgang mit dem Coronavirus, beispielsweise gingen sie zur Erklärung einer Matheaufgabe auch mal auf den Schulhof, „um Luft zu tanken“.

Dass die 20-5-20-Regel „ein bisschen in die Abläufe“ des Unterrichts eingreift, räumt die Schulleiterin offen ein. Wenn beispielsweise bei ihr in Religion ein Psalm erarbeitet werde, müsse mit dem lauten Vorlesen gewartet werden, bis die Fenster wieder geschlossen sind. Für Kögel-Renken das weitaus kleinere Übel: „Man kann ja nicht viel tun, deswegen müssen wir das wenige nutzen.“

Die Türen der Klassenräume im Gymnasium Lilienthal standen für eine bessere Luftzirkulation schon vor den Herbstferien offen. Nun werden auch dort alle 20 Minuten die Fenster weit geöffnet. „Das klappt weitestgehend sehr gut“, sagt Schulleiter Denis Ugurcu. Die Schülerinnen und Schüler seien etwas dicker angezogen und noch gehe es mit den Temperaturen. Es gebe immer einige Schülerinnen und Schüler, die das nicht so glücklich finden, „aber die ganze Situation ist nicht so glücklich“, sagt Ugurcu.

Auch in Bremen gehört das intensive Lüften inzwischen zum Schulleben, alle 20 Minuten „in allen Räumen mit kompletter Öffnung aller Fenster“, so Kerstin Kinner, Leiterin der Grundschule Am Borgfelder Saatland. Auch dort behelfen sich die Lehrkräfte mit Timern, die Zeiten einzuhalten. Zudem seien alle Fensterbänke freigeräumt worden, damit dort nichts liegt, das unter Wind und Regen zu leiden habe. Kindern und Lehrern empfiehlt sie warme Kleidung.

„Durch den Austausch der Raumluft gegen Außenluft kann die Konzentration an infektiösen Partikeln in der Innenraumluft reduziert werden“ heißt es beim Umweltbundesamt und Schulleiterin Kerstin Kinner weiß das auch. Aber: „Trotzdem gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, dass wir hier keinen Corona-Ausbruch bekommen.“ Als Alternative zum offenen Fenster wurden auch mobile Luftreiniger ins Gespräch gebracht. Laut der Osterholzer Kreisverwaltung sollen diese Geräte in Niedersachsen aber nicht zum Einsatz kommen. Diese Anlagen würden das richtige und regelmäßige Lüften nicht ersetzen, so Landrat Bernd Lütjen und auch das Umweltbundesamt stehe einem generellen Einsatz der Luftreinigungsgeräte kritisch gegenüber. Es halte ihn lediglich in Ausnahmefällen als zusätzliche Maßnahme für gerechtfertigt.

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Ankippen reicht nicht

„Bei Fensterlüftung ist eine Querlüftung, die über einen Durchzug Raumluft schnell gegen Frischluft austauscht, optimal, leider aber nicht immer praktisch durchführbar“, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite. Als wirksam gelte die Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster (besser mehrere in einem Raum gleichzeitig) über einige Minuten Dauer. Nur wenig wirksam sei hingegen das bloße Ankippen der Fenster, auch wenn dies dauerhaft erfolge.

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