Wasserschutzgebiet Panzenberg Sie haben der Dea die Stirn geboten

Bernd Althusmann und die Bürgerinitiativen begrüßen die Bereitschaft der Deutschen Erdöl AG zu einer freiwilligen Umweltverträglichkeitsprüfung. Der CDU-Landeschef hatte den Panzenberg zur Chefsache erklärt.
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Sie haben der Dea die Stirn geboten
Von Jörn Dirk Zweibrock

Bei seinem Besuch in Verden hatte Niedersachsens CDU-Vorsitzender Bernd Althusmann den Panzenberg damals zur Chefsache erklärt. Weil er bei der Diskussion mit den Vertretern der kreisweit aktiven Bürgerinitiativen (BI) einen Eindruck davon gewonnen hatte, wie emotional aufgeladen dieses Thema ist, versprach Althusmann, sich dieser Angelegenheit persönlich anzunehmen. Er wolle die Prozesse „sehr, sehr eng begleiten“, erklärte der CDU-Landeschef im Juli.

Nun, viereinhalb Monate später, hat sich der Hamburger Energieversorger Deutsche Erdöl AG (Dea) dem Druck aus der Bevölkerung gebeugt und eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) beantragt (wir berichteten). Daraufhin kam prompt die Reaktion aus dem von Althusmann geführten niedersächsischen Wirtschaftsministerium in Hannover: „Ich freue mich, dass unsere Gespräche mit der Dea hinsichtlich des geplanten Bohrvorhabens im Wasserschutzgebiet Panzenberg erfolgreich waren und das Unternehmen nun eine freiwillige UVP beantragt hat“, erklärte Althusmann, seines Zeichens auch stellvertretender niedersächsischer Ministerpräsident.

Die Forderung der Bürger vor Ort nach mehr Transparenz beim geplanten Bohrvorhaben werde damit erfüllt. Über das Projekt sei nun im Zuge eines Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung zu entscheiden. „Die Öffentlichkeit wird somit nicht nur freiwillig, sondern auch formell am Verfahren beteiligt – alle Fragen rund um das geplante Fördervorhaben und den Schutz des Trinkwassers können nun unter Einbindung der Öffentlichkeit erörtert werden“, sagte Althusmann. Auf diese Weise werde jetzt sichergestellt, dass am Ende des Verfahrens alle Aspekte zu einer potenziellen Gefährdung des Trinkwassers formell ausgearbeitet seien und somit der größtmögliche Schutz des Trinkwassers sichergestellt werde.

Auch die Verdener Christdemokraten begrüßten die von der Dea angekündigte freiwillige UVP: „Nach langem Ringen wird nun unsere Forderung umgesetzt. Dies werten wir als positives Signal“, teilten Landtagsabgeordneter Eike Holsten (CDU-Wahlkreisbetreuer), Kreisvorsitzender Adrian Mohr und der Verdener CDU-Bürgermeisterkandidat Jens Richter mit. Richter und Holsten hatten sich bereits früh für eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung seitens der Dea ausgesprochen und hoffen nun, dass dadurch die geplante Bohrung „Völkersen Z12“ am Rande des Trinkwasserschutzgebietes Panzenberg noch verhindert werden kann. Adrian Mohr lobte hingegen das Einwirken seines Parteifreundes Bernd Althusmann auf das Hamburger Unternehmen: „Seine Zusage, dahingehend auf die Dea einzuwirken, dass eine freiwillige UVP gemacht wird, hat der Minister eingelöst.“ Neben dem vielfältigen Engagement vor Ort habe sicher auch dies Eindruck auf den Energieversorger gemacht.

Während seines Verden-Besuches hatte der niedersächsische CDU-Landeschef betont, dass der Trinkwasserschutz für seine Partei sowie die Groko (Große Koalition) in Hannover absolute Priorität genieße, vor allen wirtschaftlichen Interessen stehe. „Generell sollte eine Bohrung nach Erdgas in Trinkwasserschutzgebieten künftig ausgeschlossen werden“, betonte Scharnhorsts Ortsbürgermeister Gerard-Otto Dyck (SPD) einmal mehr.

Martin P. Busch, Sprecher der Bürgerinitiative Walle gegen Gasbohren, betrachtet die Bereitschaft der Dea zu einer freiwilligen UVP als einen „ersten Erfolg“, eine Erweiterung des Bohrplatzes im Panzenberg zu verhindern: „Hätten sich die Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Verden nicht gemeinsam auf den Weg gemacht, würde dort heute möglicherweise ein weiterer Bohrturm mitten im Wasserschutzgebiet stehen.“ Mittels Demos, Spaziergängen und Unterschriftensammlungen hätten die BI deutlich gemacht, dass es Zeit werde, einem international aufgestellten Konzern wie der Dea die Stirn zu bieten. „Wir dürfen unsere Umwelt nicht deren wirtschaftlichen Interessen ausliefern“, erläuterte Busch. Für seine Mitstreiter und ihn bedeute der errungene Etappensieg aber nicht, künftig inne zu halten. Im Gegenteil: Ziel sei es nach wie vor, die Erdgasförderung im Trinkwasserschutzgebiet endgültig zu Fall zu bringen. Busch: „Die Dea ist nicht nur in Scharnhorst und Völkersen tätig, sondern plant auch im Nordkreis die Erkundung weiterer Erdgasvorkommen.“

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