Apotheker um praktischen Umweltschutz bemüht – Dähnhardts belohnen Verzicht mit Sammeltasse Tüte? Nein, danke!

Wiederverwendbare Stoff- statt Plastiktüten: Für das Apotheker-Paar Claudia und Carsten Dähnhardt ist dies ein ganz selbstverständlicher Service für ihre Kunden. Doch den Umweltschutzgedanken zu vermitteln, ist nicht einfach. Da müssen Dähnhardts ihren Kunden schon besondere Anreize geben.
29.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Hannelore Johannesdotter

Wiederverwendbare Stoff- statt Plastiktüten: Für das Apotheker-Paar Claudia und Carsten Dähnhardt ist dies ein ganz selbstverständlicher Service für ihre Kunden. Doch den Umweltschutzgedanken zu vermitteln, ist nicht einfach. Da müssen Dähnhardts ihren Kunden schon besondere Anreize geben.

Umweltschutz liegt Claudia und Carsten Dähnhardt am Herzen. Die beiden Apotheker nutzen die Sonne zur Stromerzeugung und speisen regenerative Energie in ihr Solarauto, das sie für die Botentouren benutzen. Die Geschäftsbriefe schreiben sie auf Umweltpapier. Und seit rund zwei Jahren geben Claudia und Carsten Dähnhardt in ihrer Apotheke an Stelle von Plastiktüten wiederverwendbare Stoffbeutel aus.

Der Gedanke, der dahinter steht, heißt Nachhaltigkeit: Der Kunde soll die gelbe Tasche beim nächsten Einkauf wieder dabei haben, so der Plan. Doch der Weg zu diesem Ziel scheint lang zu sein. Denn bisher hat die Mehrfachnutzung der Einkaufstasche nicht wie erhofft geklappt. „Die meisten Kunden bringen die Beutel nicht wieder mit“, bedauert Claudia Dähnhardt. Dennoch wollen die Apotheker den Umweltschutzgedanken weiter verbreiten.

Jetzt erproben sie unter dem Motto „Tüte? Nein, danke!“ etwas Neues. „Bei jedem Einkauf, bei dem der Kunde auf eine neue Apothekentasche verzichtet und sein Produkt in die mitgebrachte Tasche steckt, erhält er einen Stempel in sein Fleißkärtchen“, erklärt Claudia Dähnhardt die Idee. „Wenn es nach zehn Einkäufen voll ist, gibt es als Dankeschön einen Sammelbecher.“ Die Resonanz sei bisher gut. „Die Kunden haben das sehr positiv aufgenommen.“

Die Vermutung, das Fleißkärtchen sei ein Werbegag, weist die Apothekerin von sich. „Wir hatten zunächst überlegt, Tüten ganz abzuschaffen. Aber Arzneimittel-Sicherheit steht an erster Stelle. Wir müssen die Medikamente so verpacken, dass nichts verloren geht.“ Auf die Frage, was denn gegen Papiertüten spreche, antwortet Claudia Dähnhardt: „Die sind zwar umweltfreundlicher, aber in der Herstellung relativ teuer.“ Auch seien manche Literflaschen, gefüllt mit Medizin, zu schwer für Papiertüten, gibt die Apothekerin zu bedenken. Bei Regen würden sie zudem schnell aufweichen.

„Warum überhaupt Energie für eine Produktion aufwenden, wenn ich etwas wieder verwerten kann?“, fragt sie. „Wiederverwenden spart am meisten Energie.“ Die jetzt gewählten Stoffbeutel, die Dähnhardts in drei Größen vorhalten, sind reißfest und halten einiges aus. Ihren Einsatz für den Umweltschutz lassen sich die Apotheker etwas kosten. Sie hoffen, dass sich die Investition auf Dauer bezahlt macht. „Im besten Fall müssen wir künftig weniger Beutel kaufen.“

Dähnhardts Nachbarin Hannelore Ebeling von Creativ-Mode Ebeling findet die Vermeidung von Plastiktüten ebenfalls wichtig. Den Modeschmuck in ihrem Geschäft verpackt sie schon seit langem in hübsche Tüten aus Papier. Für die Bekleidung verwendet sie elegante Tüten aus Kunststoff oder aber welche aus festem Papier. Gegen eine generelle Umstellung sprechen für sie vor allem finanzielle Gründe. „Die Papierbeutel sind doppelt so teuer wie die Plastiktüten.“ Dass ein Kunde die gebrauchte Tüte – ob Plastik oder Papier – beim nächsten Einkauf wieder mitbringt, erlebt sie fast nie. „Da kommen dann eher die Kartoffeln rein“, schmunzelt sie.

Lob aus der Nachbarschaft

Auch Rainer Horstmann vom gleichnamigen Bekleidungshaus findet die Aktion von Dähnhardts gut. Kurzwaren verpacke er immer in Papier, sagt Horstmann, und holt eines der Tütchen aus der Schublade. Nur ganz wenige Kunden bringen nach Erfahrung des Kaufmanns eine Plastiktüte zum Einkauf in sein Geschäft mit. „Etwa zwei von hundert sind es“, schätzt Rainer Horstmann. Mit dem Gedanken, von Kunststoff- ganz auf Stoff- oder Papiertüten umzustellen, hat sich die Firma Horstmann noch nicht befasst. „Aber in der Zukunft könnte ich mir das vorstellen“, sagt Rainer Horstmann.

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