Die Norddeutsche Vor 25 Jahren Ein Förderverein fürs Beckedorfer Schmiedemuseum

Mitte März 1996 ging der Arbeitskampf der Vulkanesen in die nächste dramatische Phase: „Konkurs scheint kaum noch aufzuhalten“ titelte DIE NORDDEUTSCHE am 13. März auf der ersten Seite.
14.03.2021, 08:00
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Von Marina Köglin

Mitte März 1996 ging der Arbeitskampf der Vulkanesen in die nächste dramatische Phase: „Konkurs scheint kaum noch aufzuhalten“ titelte DIE NORDDEUTSCHE am 13. März auf der ersten Seite. Bei einer Betriebsversammlung hatte der Betriebsratsvorsitzende Hasso Kulla die Vulkan-Belegschaft über Gespräche informiert, die er mit dem Vergleichsverwalter Jobst Wellensiek geführt hatte. „Für den Vulkan-Gesamtverbund sieht es demnach aus, ein Vergleich wird immer unwahrscheinlicher, ab Ende April ist mit einem Konkurs zu rechnen.“ Zum damaligen Zeitpunkt sei Wellensiek noch davon ausgegangen, dass „trotz des zu erwartenden Konkursverfahrens keine Vulkan-Standorte im Bundesland Bremen geschlossen werden sollen.“ Mit Entlassungen müsse dennoch gerechnet werden. Auf den Betriebsrat kämen zähe Verhandlungen über „knallharte Sozialpläne“ zu. „Der Betriebsrat hat regelmäßige Gespräche – einmal pro Woche – im Bremer Rathaus vereinbart, um möglichst viele Arbeitsplätze im Bundesland Bremen zu retten, erklärte Hasso Kulla.“

Vergleichsverwalter Wellensiek habe Kulla gegenüber geäußert, „die Verhandlungen über die Zukunft des Vulkan-Konzerns seien die schwierigsten seines bisherigen Berufslebens.“ Wellensiek verhandelte unter anderem auch mit der Costa-Reederei und zeigte sich Mitte März gegenüber unserer Zeitung noch optimistisch, dass die Finanzierung der beiden zu dem Zeitpunkt in Bau befindlichen Luxus-Liner zustande kommen werde. Allerdings seien die vertraglich festgelegten Termine kaum noch einzuhalten. „Wellensiek bemüht sich um verlängerte Lieferfristen. Anfang Juni sollte das erste Costa-Schiff bereits abgeliefert werden.“

In Bremen-Nord wurden derweil Unterschriften und Spenden zur Unterstützung der Vulkan-Belegschaft gesammelt. Vertreter der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) „übergaben am Werfttor die Unterschriften von 1500 Passanten, die sie zuvor angesprochen hatten“, war am 16. März in der NORDDEUTSCHEN zu lesen. Bei einer Benefiz-Veranstaltung im Bürgerhaus waren 6500 Mark zusammengekommen, auch Arbeiterwohlfahrt, Vegesacker Ortsverein und weitere Institutionen spendeten. Am 16. März begann auch der Verkauf der Werder-Vulkan-Poster mit den Fußball-Profis im Blaumann und Vulkanesen im grün-weißen Werder-Dress. Die Poster wurden zu einem Stückpreis von zehn Mark verkauft. Auch dieser Erlös ging in die Solidaritätskasse des Vulkan-Betriebsrates.

„Die Tiefgarage Sedanplatz geht baden, und keiner will schuld sein“, meldete DIE NORDDEUTSCHE am 15. März 1996 auf der ersten Seite. Etwa 50.000 Liter Wasser waren nach Aussage von BrePark-Mitarbeiter Robert Pirkl im Winter zwischen Deck 1 und Bunker durch die Wände eingesickert. „Die Stadtwerke haben Wasserproben genommen und danach erklärt: ,Unser Wasser ist das nicht!‘“ BrePark, Bauamt und Wasserwirtschaftsamt zeigten sich besonders erstaunt darüber, dass selbst bei langen Regenphasen im Sommer kein Wasser durch die Wände und die Bunkerlüftung in die Tiefgarage einsickerte, „sondern immer nur bei Frostperioden – und das schon seit Jahren. So schlimm wie in diesem Winter sei es allerdings noch nie gewesen“. Teilweise seien bis zu 3000 Liter täglich über Wände und Schächte eingesickert. „Jetzt will die BrePark durch Ausgrabungen feststellen lassen, woher das Wasser kommt. Dabei hofft sie, auch herauszufinden, wessen Wasser es ist. ,Und der muss dann‘, so Pirkl, ,nicht nur die ständigen Wassereinbrüche unterbinden, sondern auch die Kosten für die Ursachenforschung und aller weiteren Maßnahmen übernehmen.‘“

„Beckedorfer sind die Bettelei satt“, lautete eine weitere Überschrift am 15. März 1996 in der NORDDEUTSCHEN. Und weiter hieß es in der damaligen Ausgabe: „In Beckedorf wird heute ein Förderverein ,Schmiedemuseum‘ gegründet.“ Den Hintergrund schilderte der Autor so: Die „Alte Schmiede“ in Beckedorf war in den vergangenen Jahren stilgerecht wiederhergestellt worden. Allerdings seien die Verhandlungen mit der Gemeinde Schwanewede „für notwendig erachtete oder nicht vorhersehbare und überplanmäßige Ausgaben“ oftmals sehr zäh verlaufen. „In einem Fall, als es um 1000 Mark ging, trat der Ortsrat Beckedorf gar in Vorkasse.“ Um zukünftig „auf finanziell eigenen und unabhängigen Füßen zu stehen, soll der Förderverein gegründet werden. Es wird angenommen, daß sich vor allem Beckedorfer Firmen der attraktiven Sache verpflichtet fühlen und sich für die Ortschaft engagieren. Aber auch Einzelpersonen seien als Mitglieder willkommen.“

Seit nunmehr 25 Jahren sammelt und restauriert der Förderverein altes Schmiedegerät und Werkzeug, außerdem sucht er nach Spuren der Schmiedekunst in Beckedorf und umzu. „Wir erhalten alte Schmiedetechniken am Leben und geben sie weiter“, so der Verein, der an jedem Freitag ins Schmiedemuseum, An der Waldschmiede, in Beckedorf, einlädt. Zurzeit gibt es jedoch keine Freitagsöffnungen wegen der Pandemie.

Immer am 1. Mai lädt der Verein zum Schmiedefest – es sei denn, der Coronavirus macht einen Strich durch die Rechnung. „2021 würden wir gerne unser 25. Schmiedefest und das 25. Vereinsjubiläum feiern. Zudem gibt es auch die Einweihung unseres Anbaus mit dem neuen Lufthammer zu feiern. Wir sind wild entschlossen, dies auch durchzuführen. Wenn nicht am 1. Mai, weil es wegen der Pandemie vielleicht noch nicht geht, so aber sicherlich irgendwann in diesem Jahr“, so der Verein auf seiner Homepage www.beckedorfer-schmiedemuseum.de.

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