Schausteller Heiko Fortmann Vor Freimarkt schon Weihnachten im Kopf

An diesem Wochenende will Heiko Fortmann wieder seine Fischbude auf dem Bremer Freimarkt aufbauen. Vorher verrät er, worauf es dort ankommt – und wo man nicht stehen möchte.
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Vor Freimarkt schon Weihnachten im Kopf
Von Sebastian Kelm

Der Freimarkt ist für ihn stets das Geschäft des Jahres. Dennoch: Genau eine Woche vor dem Start des größten Volksfestes im Norden ist Heiko Fortmann entspannt. Tiefenentspannt. Wäre da nicht diese blöde Erkältung. Aber der hartnäckige Husten bringt ihn ebenso wenig aus der Ruhe wie die gut zweiwöchige Sause ab dem 19. Oktober auf der Bremer Bürgerweide.

Fortmanns Gedanken sind stattdessen bereits bei Weihnachten, wie der Stuhrer Schausteller erzählt. Beim Weyhnachtsmarkt auf dem Marktplatz in Kirchweyhe, um genau zu sein. Aber dazu später mehr. Dass die Vorbereitungen auf Bremens fünfte Jahreszeit für Fortmann nicht mehr sonderlich viel Stress bedeuten, liegt vor allem an seiner Routine: Seit 1980 steht dort die Fischbude seiner Familie, die auf eine insgesamt fast 100-jährige Freimarkts-Tradition zurückblicken kann.

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1984, damals gerade einmal 14, half Heiko Fortmann erstmals vor Ort mit. Inzwischen steht er meist selbst hinter dem Verkaufstresen – zusammen mit zwei Mitarbeitern, am Wochenende sogar zu viert. Drei Festangestellte hat er. Gerade erst war der TÜV da, an diesem Wochenende wird er seinen Wagen wieder auf das Gelände im Herzen der Hansestadt fahren.

„Sobald ich mich hinstelle, beginne ich auch mit dem Aufbau“, kündigt er an, nicht erst bis kurz vor dem Start warten zu wollen. Wenngleich allzu viel nicht mehr zu tun sei. „Der Wagen stand zuletzt auf dem Brokser Heiratsmarkt. Danach wurde er gründlich gereinigt, jetzt haben wir ihn noch einmal von außen sauber gemacht und dann wird noch einmal desinfiziert“, zählt er auf.

Erst die langweilige Bürokratie

Gegen 10 Uhr morgens wird für ihn jeder Tag auf dem Freimarkt beginnen, in der Regel mit der Anlieferung. Seinen Fisch bezieht er vom Fachhandel F. L. Bodes vom Großmarkt Bremen, der ihn frisch zu Fortmann auf die Bürgerweide bringt. Oder er holt die Ware vom Großmarkt Bremerhaven ab. Bis das eigentliche Marktgeschehen anläuft, hat er vor allen Dingen mit „langweiliger Bürokratie“ zu tun, wie er es nennt. Was sich dahinter verbirgt? „Kassenzählprotokolle“, antwortet er. Klingt nach gewohnten Abläufen. Ist es auch.

Spannender ist für Heiko Fortmann schon die Frage, ob er dieses Mal wieder einen Stellplatz für seinen Wohnwagen gestellt bekommen wird. „Auswärtige werden da bevorzugt“, erklärt der 48-Jährige. Darf er keinen Camper mitbringen, wird er wohl oder übel zu Hause nächtigen und somit nach Betriebsschluss noch zurück nach Heiligenrode müssen – nicht vor 1 Uhr.

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Gebannt erwartet Fortmann immer auch die Entscheidung über die Konzessionsvergabe. „Das bedeutet jedes Jahr bangen“, sagt er. Seine Frau – pro Person gibt es laut dem Schausteller immer nur einen Stand – hatte selbst noch einen Schießwagen auf dem Freimarkt, vor zwei Jahren aber habe sie eine Absage erhalten. „Angeblich optische Mängel“, kommentiert er die damalige Begründung.

Vier Schießbuden, ebenso viele Fischbuden und ein Kettenkarussell nennt er übrigens sein Eigen. Mit allen ist er im südlichen Bremer Umland bei Festen unterwegs und mit einigen auch regelmäßig während der Saison an der Schlachte beim Kajenmarkt vertreten. Zwischenzeitlich sei er auch offizieller Catering-Partner der ÖVB-Arena gewesen, etwa beim Konzert von Elton John oder bei Messen: „Aber das erwies sich als nicht lukrativ.“

"Die Leute wollen erst mal rauf auf den Markt"

Während Fortmanns Freimarkt-Fortbestand also nie hundertprozentig garantiert ist, scheint sein Standort dort relativ gesichert. Neben dem Musikzelt Riverboat nahe des Riesenrades darf er sich aufbauen. „Keine schlechte Lage“, findet er – aber eben auch nicht die bestmögliche. Fortmann holt ein wenig aus, um zu erläutern, warum er nur bedingt zufrieden ist: „Ich stehe mittendrin, aber da haben die meisten schon etwas gegessen, und für zu Hause mitnehmen will da noch keiner was. Außerdem bin ich leider im Linkslauf. Die Leute gehen eben eher vom Eingang rechts herum oder geradeaus.“

Zwar werde er gut gesehen, aber keiner komme direkt bei ihm am Tresen lang. „Dabei ist das wichtig, denn viele Leute wollen gucken, wo es am leckersten aussieht“, weiß er. Auch wenn er nach eigenem Bekunden keinen Einfluss darauf hat: Wo wäre denn seiner Ansicht nach die optimale Stelle? „In der Gasse an der Stadthalle“, sagt er. Und die schlechteste? Die sei jeweils gleich hinter einem der vier Eingänge: „Die Leute wollen erst mal rauf auf den Markt.“

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Über den Umsatz kann und will sich Heiko Fortmann aber nicht beklagen. Verkaufsschlager seien seit etwa zwei Jahren Matjesbrötchen, gefolgt von den Klassikern Bismarck, Schnitzellachs und Fischfrikadelle. Sein persönlicher Favorit aber ist Brathering. Oder das gute alte Krabbenbrötchen. Obwohl er das eine Zeit lang aufgrund der gestiegenen Preise gar nicht führte – wegen des drohenden „Imageschadens“. Was er damit meint: „Wenn ich acht Euro für ein Brötchen nehmen muss, erzählen die Leute später nur herum, wie teuer das war.“ Das beste Geschäft macht Fortmann – wie andere Beschicker offenbar auch – in der zweiten Freimarkt-Woche. Seine Begründung: „Da kommen die Firmen.“

Bald auch Grünkohl?

Vor allem Stammkunden begrüßt er wiederum auf dem Weyher Marktplatz. Mit seinem Stand beim Weyhnachtsmarkt – nur gut zwei Wochen Pause nach dem Freimarkt – befasst er sich wie gesagt schon jetzt. Oder besser: mit seinen Ständen. Vergangenes Jahr hat er dort bekanntlich die Knipphütte übernommen, an der er – einige Meter neben seiner bewährten Fischbude – auch holländische XXL-Pommes und Kartoffelpuffer verkauft. Die Front des Häuschens hat er zuletzt um eineinhalb Meter vergrößert.

Und auch das Essensangebot soll erweitert werden. So prüft er gerade die Möglichkeit, auch Grünkohl zu servieren, vor allem zur Mittagszeit. „Ich warte nur noch auf die Preise für Wurst und Pinkel“, verrät er. Für Heiko Fortmann wieder eine spannende Entwicklung – während die derzeit laufenden letzten Freimarkt-Vorbereitungen, wie erwähnt, schon mehr oder weniger Gewohnheit geworden sind für ihn.

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