Großes Interesse

Weg mit dem Dreck

Knapp 18 000 Anmeldungen, 2500 aus Bremen-Nord, gibt es schon für „Bremen räumt auf“ Ende März. Darunter sind zahlreiche Kitas und Schulen, die sich seit Jahren für eine saubere Umwelt einsetzen.
24.03.2019, 18:00
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Von Sylvia Wörmke
Weg mit dem Dreck

Wenn Grünhold auftaucht, sind die Kinder durchweg begeistert.

Christian Kosak

Die Aktion "Bremen räumt auf" bringt am Freitag und Sonnabend, 29. und 30. März, wieder ganz viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu, die Straßen, Plätze und Grünanlagen von Müll zu befreien. Das steht jetzt schon fest. Es gibt nämlich bereits knapp 18 000 Anmeldungen, davon 2500 aus Bremen-Nord, und die sind erst seit wenigen Tagen möglich. Projektleiterin Inga Adels von der "gip-marketing & events GmbH", geht darum fest davon aus, dass die Teilnehmerzahl von 20 000 Menschen aus dem Vorjahr übertroffen wird.

Zum 17. Mal erfolgt der Frühjahrsputz in allen Bremer Stadtteilen. Organisatoren sind SWB, WESER-KURIER, Bremer Stadtreinigung, Gewoba, Sparkasse Bremen und weitere Partner. Der Freitag ist für die Kinder und Firmen gedacht, am Sonnabend können sich Erwachsene auf den Weg machen.

Einzelne Stadtteile oder Gruppen in Bremen-Nord putzen aber, wann sie möchten. Wie zum Beispiel in Blumenthal. Da wird eine Putzaktion für den Stadtteil zusätzlich am Freitag für kleine und große Blumenthaler angeboten. Manche Aufräumkolonnen haben sich in diesem Jahr auch neu zusammengefunden wie das Netzwerk „Wir in Marßel“. Andere gehören schon zu den Stammkunden, die Jahr für Jahr bei „Bremen räumt auf“ mitmachen. Grünhold, das Maskottchen der Aktion, ist inzwischen vor allem bei den Kindern sehr beliebt. Er ist auch am 18. Mai von 14 bis 18 Uhr auf dem Bremer Marktplatz dabei, beim Dankeschön-Fest für alle kleinen und großen Sammler. Im Kinder- und Familienzentrum An Smidts Park, das seit Jahren teilnimmt, wurde Grünhold sogar nachgebaut und bekommt in jedem Jahr ein neues Outfit.

Diesmal sitzt er nach der Schilderung der Kita-Leiterin Carola Winters-Garbade in einem Müllauto. Grünhold in seinem Wagen wird dabei sein, wenn die Kinder, die Erzieher und auch Menschen aus dem Ortsteil den Tag in Grambke zusammen verbringen. Seit Jahren wird die Kita von Mitgliedern des Bürgerschnacks unterstützt. In diesem Jahr, so die Kita-Leiterin, kommt auch die Eltern-Kind-Gruppe des SOS-Kinderdorfes aus der Grönlandstraße dazu und sie hofft, dass sich noch mehr Anwohner oder Schüler des benachbarten Schulzentrums an der Alwin-Lonke-Straße anschließen.

Für alle Teilnehmer der Sammelaktion gibt es zunächst ein Frühstück, zur Einstimmung wird in der Halle gesungen, die Gruppen werden eingeteilt und dann ziehen alle durch die Straßen, um den Müll einzusammeln, den andere achtlos weggeworfen haben. Carola Winters-Garbade rechnet mit 150 Personen, die mitmachen werden. Der Aktionstag endet später damit, dass zusammen „Müllsuppe“ gegessen wird. So haben die Kinder das Gericht getauft.

In der Kita hat Tineken Schröter-Willenbrock seit Jahren die Organisation des Aktionstages in der Hand und wird vom Team unterstützt. „Das ist nicht mal eben so gemacht“, sagt die Kita-Leiterin. Es bleibt aber nicht bei diesem einen Tag im Jahr, um sich mit dem Thema Umwelt und gesunder Ernährung zu beschäftigen. Die Kita beteiligt sich an einem Bio- und an einem Energieprojekt. „Bei uns geht es viel um diese Themen“, betont die Kita-Leiterin, dass der Aktionstag keine Eintagsfliege einmal im Jahr ist. In Bezug auf Nachhaltigkeit sei man gerade sehr aktiv. Darum passt der Aktionstag gut in das Konzept der Kita.

Info-Stände auf dem Marktplatz

Auch die Aktionsgemeinschaft Binnendüne ist mit ihren Mitgliedern wieder dabei, Treffpunkt am 30. März um 14 Uhr vor dem Haus Am Steending 114, und die Grundschule Wigmodistraße gehört beispielsweise auch zu den Stammkunden bei „Bremen räumt auf“. Zwar gehören Umweltthemen auch hier zum Unterrichtskonzept. Dennoch ziehen Schüler und Kollegium regelmäßig durch die Blumenthaler Straßen. Diesmal wollen sie sich laut Schulleiterin Ulrike Lüdecke unter anderem die Bahrsplate vornehmen.

Den Marktplatz brauchen sie nicht anzusteuern, denn dort sind am 29. März ganz viele Müllsammler vor Ort. Zumindest geht Blumenthals Klimaschutz-Managerin Sonja Pannenbecker davon aus, die für diesen Tag, ihren letzten Arbeitstag in Blumenthal, ab 15 Uhr eine zentrale Veranstaltung für Blumenthal mit Info-Ständen organisiert hat. Sie hat im Stadtteil schon viel dafür geworben.

Staatsrat Ronny Meyer aus dem Umweltressort übernimmt das Grußwort und spricht über das Klimaschutz-Projekt, Isabell Maus, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim BUND Bremen, informiert über Umweltthemen und Renate Drögemüller zeigt, wie man aus alter Kleidung etwas Neues kreiert, das Upcycling. Ortsamtsleiter Peter Nowack hat sein Kommen ebenfalls angemeldet. Auf dem Marktplatz wird das Material zum Müllsammeln ausgegeben, und die Karte mit den Abgabestellen für das Eingesammelte ist zu haben. „Kuchen und Musik gibt es nicht“, sagt Sonja Pannenbecker, „das würde die Leute eher davon abhalten, zum Sammeln loszuziehen“.

In Marßel soll es erstmals eine gemeinsame Aktion geben. Pastor Florian Giese, Söderblomgemeinde, ist der Initiator. "Ich hatte mich gewundert", dass es so etwas noch nie in Marßel gegeben hat", sagt er. Zwar sei schon viel Werbung gemacht worden, bisher gebe es aber gerade 20 Anmeldungen, darunter die Rückmeldung des Ortsamtsleiters Florian Boehlke. Die Anmeldungen benötigt der Pastor – florian.giese@kirche-bremen.de und Rufnummer 04 21 / 63 35 14 –, weil das Material am Sonnabend, 30. März, ab 10 Uhr auf dem Helsingborger Platz verteilt werden soll. Außerdem sollen die Sammler nach Aktionsende um 12 Uhr in der Kirche als Dankeschön bewirtet werden. Das muss auch geplant werden.

Im Kinder- und Familienzentrum Fockengrund ist der Aktionstag aber ein Tag wie jeder andere, denn: „Wir räumen jeden Tag den Spielplatz auf“, wie Kita-Leiterin Erika Rieken sagt. Das ist einerseits notwendig. Umwelterziehung sei aber auch ein wichtiger Bestandteil pädagogischer Arbeit. Sie kann aber nicht behaupten, dass die Putzaktionen dazu führen, dass die Kinder nichts mehr einfach so wegwerfen. „Sie verspielen sich und lassen alles fallen. Das ist eine Langzeitgeschichte“, sagt die Kita-Leiterin, die seit 1984 im Dienst ist. Erwachsene, die sie einst betreut hat, beobachtet sie inzwischen, wie sie ihre Kinder dazu anhalten, Müll nicht einfach irgendwohin zu werfen.

Sie hat auch registriert, dass der Spielplatz, der auch am Wochenende öffentlich genutzt wird, ganz oft sauber hinterlassen wird. „Das war vor zehn bis 15 Jahren nicht so.“ Grundsätzlich ist sie der Meinung, dass ein Langzeitprozess zu einer sauberen Umwelt führt. „Man muss im Kleinen vor seiner eigenen Haustür anfangen“, sagt Erika Rieken und glaubt, dass der regelmäßige Aktionstag wichtig ist und langfristig etwas ausrichten wird.

Trashtag-Challenge und Anmeldemöglichkeiten

Bereits am Donnerstag, 28. März, greift Friedehorst einen neuen Trend in den sozialen Netzwerken auf. Auf der ganzen Welt befreien Social-Media-Nutzer Parks, Strände und andere Landschaften säckeweise von Unrat – und dokumentieren es mit Vorher-Nachher-Bildern im Internet. Unter #trashtag sind mittlerweile unzählige Beiträge zu finden. Das Wort ist ein Kunstwort, das sich aus den Wörtern „Hashtag“ und „trash“, also englisch für Müll zusammensetzt. Im Rahmen des Projekts „Klimaschutz und Inklusion“ soll der Friedehorst Park von Müll befreit werden. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr vor der Verwaltung in Friedehorst. Anmeldungen nimmt Alke Rockmann unter klimaschutz@friedehorst.de entgegen. Sammelequipment wird gestellt. „Die Aktion soll uns dazu animieren, etwas gegen die zunehmende Umweltverschmutzung zu unternehmen, und ein Zeichen setzen. Da machen wir gerne mit“, erklärt Alke Rockmann.

Nach Auskunft von Projektleiterin Inga Adels werden Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Aktion „Bremen räumt auf“ mit Müllzangen und -beuteln sowie Handschuhen frei Haus beliefert. Das gilt auch für Firmen, wenn sie sich rechtzeitig anmelden. Ansonsten ist das Material in den Recyclinghöfen zu bekommen, in Burglesum, Steindamm 2, Aumund, Martinsheide 6, und Blumenthal, Am Knick 7, für Bremen-Nord. Auch die Sammelregeln und Routenpläne, auf denen die Müllablageplätze in der Region verzeichnet sind, gehören zum Paket. Es gibt die Aktionszeitung mit Themen rund um den Umweltschutz sowie eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel der BSAG. Diese können am „Tag der Erwachsenen“ am 30. März und am Dankeschön-Veranstaltungstag am 18. Mai auf dem Bremer Marktplatz kostenlos genutzt werden. Anmeldungen sind auch online über die Hotline 04 21 / 4 91 55 40 16 und über die Internetseite www.bremen-raeumt-auf.de möglich. Hier stehen die Anmeldeformulare auch zum Download bereit und können per Fax an 04 21 / 4 91 55 40 99 versandt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+