Spiel meines Lebens Sonderlob von Thomas Schaaf

Christian Gerlach erlebte in seiner Laufbaun gleich mehrere großartige Momente im Sport. Sowohl im Fußball als auch im Tischtennis feierte er einige Erfolge.
19.04.2021, 05:00
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Von Sven Hermann

Christian Gerlach ist einer, der mit Fug und Recht auf eine lange Laufbahn als Sportler zurückblicken kann. Und das nicht nur in einer Sportart, denn der mittlerweile 37-Jährige fährt auch heutzutage immer noch zweigleisig. Während er im Fußball eigentlich noch für die Alte, sowie auch Dritte Herren des SV Heiligenfelde antritt, wäre er mit der Erstherren-Truppe des TSV Barrien derzeit eigentlich in der Bezirksliga Hannover an der Tischtennis-Platte aktiv. Eigentlich deshalb, weil die Corona-Pandemie natürlich auch hier zurzeit alles ausbremst und keine Spielbetriebe zulässt.

Die Spielzeit in der Tischtennis-Bezirksliga, in der das Barrier Team gerade einmal drei Saisonspiele absolvierte, wurde bereits im Februar annulliert. Erlebt hat der einstige Torhüter, der sich jetzt auch mal in anderen Positionen auf dem Feld probiert, so einiges – war zudem auch noch vier Jahre auf Funktionärsebene als erster Vorsitzender beim SV Heiligenfelde tätig. Doch trotz diverser Erfolge, Meisterschaften und Aufstiege, gab es für ihn tatsächlich das eine Spiel, das neben den vielen anderen herausstach. Dazu später mehr.

Zum Fußball kam Gerlach im Alter von sechs Jahren, spielte in der Jugend für den TSV Barrien und TuS Syke. Relativ früh erfolgte dabei auch der Schritt ins Tor. „Ich schätze, da war ich acht Jahre alt“, vermutet der Schlussmann, der dann seine ersten beiden Jahre im Herrenbereich beim TSV Bramstedt verbrachte, ehe er schließlich nach Heiligenfelde wechselte. Ein erstes Schlüsselerlebnis war für den damals noch sehr jungen Torhüter die Saison 2004/05, in der sich der SVH in der Fußball-Kreisliga hinter dem TuS Sudweyhe den Vizemeistertitel sicherte und gemeinsam mit dem Titelträger in die damalige Bezirksklasse aufstieg. „Ich kann mich noch an die riesengroße Aufstiegsparty im DGH (Anm. der Redaktion: Dorfgemeinschaftshaus) erinnern. Danach sind wir dann noch nach Bremen ins Stubu gezogen“, erinnert sich Gerlach.

Gleiches Erfolgserlebnis sollte ihm nach der Kreisliga-Saison 2012/13 erfahren. Am vorletzten Spieltag machten die Heiligenfelder durch einen 3:0-Sieg beim SV Dickel den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt. „Es war Anfang Juni, tolles Wetter und viele Heiligenfelder Zuschauer waren mit nach Dickel gereist. Auch die darauffolgenden Feierlichkeiten in Dickel, auf der Rückfahrt im Bus und schließlich im DGH, waren grandios“, berichtet Gerlach. Am abschließenden 30. Spieltag setzten die Grün-Weißen sogar noch einen drauf und sicherten sich durch einen 4:0-Heimerfolg gegen TuS St. Hülfe-Heede sogar noch die Meisterschaft. Verfolger SC Twistringen langte der abschließende 3:0-Sieg beim TuS Sudweyhe zwar nur noch zur Vizemeisterschaft, dennoch stiegen die Blaumeisen gemeinsam mit den Heiligenfeldern auf. „Die Twistringer machten damals nach ihrem Spiel in Sudweyhe noch einen Abstecher zu uns. Unsere Aufstiege wurden dann gemeinsam gefeiert“, erzählt Gerlach.

Doch auch im Tischtennissport, womit der Sportaffine im zarten Alter von zehn Jahren ebenfalls jung begann, erlebte er schöne Momente. „Es gab da auch einige Schlachten. Im Mai 2014 kam es zu einem Abstiegs-Relegationsspiel gegen Marklohe, in dem es um den Klassenerhalt in der ersten Bezirksklasse ging. Ich lag hoffnungslos zurück, konnte das Spiel jedoch drehen und durch meinen Sieg hielten wir dann die Klasse. In der Saison 2017/18 gelang es uns in der Bezirksklassen-Partie gegen Heiligenrode, einen 3:6 oder 3:7-Rückstand in einen 9:7-Sieg umzuwandeln. Das war der entscheidende Schritt zur Meisterschaft und zum Bezirksliga-Aufstieg. In der sehr engen Barrier Halle herrscht bei den Spielen immer eine super Stimmung und Atmosphäre“, blickt Gerlach auch hier auf emotionale Momente zurück. Doch damit nicht genug. Auch im Tennissport, den Gerlach im Alter von 12-18 Jahren betrieb, wurde er mit der Mannschaft Verbandsmeister, spielte hier unter anderem mit der BTC-Vereinsikone Florian Hartje zusammen.

Trotz dieser vielen Erlebnisse und Erfolge gab es dennoch das Spiel, das alles übertraf. Und dieses fand im Fußball statt. In dieser für Gerlach ganz speziellen Begegnung ging es noch nicht mal um Punkte oder Pokalehren. Es war ein Freundschaftsspiel gegen den Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen im Jahre 2012, das in Erinnerung blieb und immer noch präsent ist. Dieses hatte er als Mitorganisator maßgeblich mit auf die Beine gestellt. Bei einer Aktion eines großen Getränke-Unternehmens, bei der es darum ging, die meisten Wasserkisten zu kaufen und die Bons hochzuladen, sicherte sich der SV Heiligenfelde den Sieg und kam dadurch in den Genuss der Partie. Am 11. Oktober 2012 war es dann soweit. Zwar gewann Werder das Spiel erwartungsgemäß mit 7:0, doch das war an diesem Abend eigentlich nebensächlich.

Denn mit Christian Gerlach, der mit unzähligen Paraden eine wesentlich höhere Niederlage verhinderte, trat der SVH-Torhüter ins Rampenlicht und heimste sich für seine grandiose Leistung Lob von höchsten Stellen ein. „16 Hochkaräter entschärft“, titulierte damals die Bild-Zeitung in ihrer Überschrift. Auch Werders damaliger Coach Thomas Schaaf klatschte den SVH-Keeper nach dem Schlusspfiff ab und beglückwünschte den Teufelskerl zwischen den Pfosten zu den glänzenden Paraden und der tollen Leistung. „Heiligenfelde hat mit Sicherheit kein Torhüterproblem“, sagte Schaaf, der mit dem SV Werder im Jahre 2004 das Double gewann, zu den Pressevertretern. „Die Bedingungen, das Abendspiel fand vor 2500 Zuschauern unter Flutlicht statt, waren optimal. Ich habe in diesem Spiel so unfassbar viele schwere Bälle gehalten. Nach 70 Minuten wurde ich unter stehenden Ovationen des Publikums und der Teamkollegen ausgewechselt. Nach dem Spiel musste ich dann Interviews und sogar Autogramme geben. Auch wenn ich viele andere schöne Erlebnisse und Erfolge hatte, würde ich sagen, dass diese Partie gegen Werder mein Highlight-Spiel war“, verrät Gerlach, dem eine weitere tolle Geste des damaligen Werder-Stürmers Nils Petersen in schöner Erinnerung blieb. „Ich hatte ihn in der Halbzeit gefragt, ob ich nach der Partie sein Trikot haben könnte. Und obwohl ich durch Interviews nach dem Schlusspfiff zunächst aufgehalten wurde und nicht sofort zu ihm hin konnte, hat er extra auf mich gewartet und mir sein Trikot überreicht. Das war eine sehr sympathische Geste, die mich total beeindruckt hat“, gesteht Gerlach, der vom heutigen Profi des SC Freiburg immerhin drei Treffer eingeschenkt bekam.

Sein Ideen-Reichtum in Sachen Vereinsarbeit bewies Gerlach neben der Getränkebon-Aktion später im Jahr 2014 auch bei einer Stickeralbum-Aktion, die er ins Leben rief und die ebenfalls für großes mediales Aufsehen sorgte. „Es war das erste Projekt dieser Art hier in der Region. Da waren wir Vorreiter“, sagt Gerlach. Auch dank seiner Kreativität und seines großen Engagements wurde er 2016 als Nachfolger von Wilfried Helms zum ersten Vorsitzenden des SV Heiligenfelde gewählt.

Seine Amtszeit, in der er ebenfalls einige Projekte anstieß, endete im Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Nachfolger wurde Marvin Godesberg. „Das Amt des ersten Vorsitzenden war schon sehr zeitaufwendig. Ich wollte privat mehr für die Familie da sein und war auch beruflich sehr eingebunden“, berichtet Gerlach, der als Lehrer an der Oberschule in Thedinghausen die Fächer Deutsch und Biologie unterrichtet. Mit Ehefrau Stina bezog er vor zweieinhalb Jahren ein Haus in Heiligenfelde, kurze Zeit später kam Tochter Nieke zur Welt. Im Juli erwarten die Gerlachs erneut Nachwuchs. Doch seinen Klubs SV Heiligenfelde und TSV Barrien hält der leidenschaftliche Sportler auch weiterhin die Treue, möchte sich zudem zum hundertjährigen Vereinsjubiläum des SVH, das wenn möglich irgendwann einmal nachgefeiert werden soll, einbringen. Ganz sicher wird „Fuxx“, diesen Spitznamen erhielt Gerlach aufgrund seiner Cleverness während seiner Schulzeit von Klassenkameraden, auch diesbezüglich wieder einige Ideen auf Lager haben.

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