Planungen Am Heidkamp

Anwohner bangen um Existenz

Die Stadt will das Baugebiet Am Heidkamp auf den Weg bringen. Die Änderungen im Flächennutzungsplan könnten aber schwerwiegende Folgen für die dort ansässigen Höfe haben, sagt Landwirtin Gunda Wichmann.
10.12.2018, 16:03
Lesedauer: 2 Min
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Anwohner bangen um Existenz
Von Esther Nöggerath
Anwohner bangen um Existenz

Gunda Wichmann hat lange Zeit Kühe gehalten, inzwischen hat sie die Rinderhaltung bereits eingestellt und ihren landwirtschaftlichen Betrieb wegen der Planungen Am Heidkamp vorerst gestoppt.

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Die Planungen der Stadtverwaltung, auf einer Fläche Am Heidkamp in Delmenhorst ein neues Baugebiet zu schaffen, sorgen nicht nur bei den Naturschützern für Ärger. Auch für zahlreiche Anwohner ist das ein Problem, wie etwa für Gunda Wichmann, die in diesem Bereich eine kleine Landwirtschaft betreibt. „Ich lebe seit 54 Jahren hier und führe den kleinen Bauernhof als Nebenerwerb weiter, aber das hat sich erledigt, wenn hier ein Baugebiet hinkommt“, sagt Wichmann, die damit nicht allein ist. Auch zwei weitere Landwirte würden dadurch betroffen. „Die städtische Fläche wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Wenn das alles wegfällt, kann das existenzgefährdend sein“, sagt Wichmann. Denn landwirtschaftliche Flächen seien generell immer schwieriger zu bekommen – und wenn, dann oftmals für deutlich höhere Pachtpreise. „Da kann man nur noch die eigenen Flächen intensiver nutzen, aber durch die Auflagen ist das auch nur begrenzt möglich.“

Wichmann selbst hat ihren Betrieb inzwischen bereits runtergefahren, Kühe hat sie inzwischen schon keine mehr. „Ich habe meinen Betrieb mehr oder weniger erstmal gestoppt“, erzählt sie. Sie will abwarten, wie die Politik in Sachen Baugebiet entscheidet und dann gucken, wie oder ob es überhaupt für sie auf dem Hof weitergeht. „Da muss ich mich erst neu orientieren“, sagt die Landwirtin. Sicher ist aber, Rinderviehhaltung kommt mit dem Baugebiet für sie nicht mehr in Frage.

Sie sieht neben den Auswirkungen für die landwirtschaftlichen Betriebe in dem Bereich aber auch schwerwiegende Folgen für die anderen Anwohner durch das neue Baugebiet. „Wenn die Straße dort gemacht wird, kommen teils enorme Anliegerkosten auf die Leute zu. Es gibt Familien, die dann ihr ganzes Hab und Gut verkaufen müssen oder wegziehen, weil ihnen die großen Grundstücke dann zum Verhängnis werden.“ Es nehme schließlich keiner einen Kredit auf, um 50 000 Euro oder mehr für Anliegerkosten zu bezahlen. Stattdessen würden die Leute eher wegziehen. „Es wird nicht darüber nachgedacht, dass das Familien dort vertreibt“, sagt Wichmann.

Und noch ein anderes Problem sieht sie durch das neue Baugebiet auf das Areal zukommen. „Bei stärkerem Regen laufen jetzt schon Keller voll oder werden feucht. Das ist ein bekanntes Problem hier“, sagt die Landwirtin. Wenn das Land nun auch noch verdichtet werde, würde sich das noch verschärfen und man müsste Abhilfe schaffen. „Das sind alles Kosten, an die man noch denken muss“, sagt sie.

Auch Eva Sassen, Ratsfrau für das Bürgerforum, äußerte im Vorfeld der Planungsausschusssitzung an diesem Dienstag, 11. Dezember (17 Uhr, Rathaussaal), in der die Änderung des Flächennutzungsplanes für Am Heidkamp auf den Weg gebracht werden soll, noch einmal Kritik an dem Vorhaben der Verwaltung. „Nachdem ich die Entscheidung über die Änderung des Flächennutzungsplanes wegen Beratungsbedarf zurückstellen ließ, besuchte ich die Landwirtin, deren Land und Hof von dem neuen Baugebiet verschlungen wird“, berichtet Sassen. Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes werde „eine ökologisch aktive Hofstelle zerstört, die seit Generationen hier wirtschaftet.“

Sassen kritisierte neben den Auswirkungen für die Anwohner auch die Folgen für die Natur und wies noch einmal darauf hin, dass es sich bei dem Areal um eigentlich geschützten Außenbereich handelt. „Der Delmenhorster Rat kann den bundesweit beklagten Flächenfraß durch Wohnbebauung im Außenbereich von Delmenhorst verhindern“, appelliert sie an ihre Ratskollegen. Es gebe reichlich Baugebiete im Innenbereich, für die die Grundstückseigentümer auf eine Baumöglichkeit warten und wegen Überbelastung der Bauverwaltung vertröstet werden, wie etwa an der Tilsiter Straße.

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