Umweltschutz im Garten

Mehr Wildnis wagen

Der Kleingartenverein Deichhorst zeigt, wie mit nur wenig Aufwand Gärten oder Balkone in Paradiese für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge verwandelt werden können.
18.04.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lina Wentzlaff
Mehr Wildnis wagen

Gerhard Brinkmann (von links), Günter und Anne Prösch sowie Magret Niebur bereiten den Lehrgarten des Kleingartenvereins Deichhorst auf die hoffentlich insektenreiche Saison vor.

Tammo Ernst

Kugelblume, Hornklee und Salbei: Mit der richtigen Pflanzenauswahl können Gartenbesitzer Insekten in ihre Gärten locken und damit nebenbei noch etwas Gutes für die Artenvielfalt tun. Laut des Naturschutzbunds Deutschland ist die Anzahl und Vielfalt der Insekten in den vergangenen Jahren drastisch geschrumpft. Dabei hätten schon einfache Veränderungen in Gärten große Auswirkungen auf das Vorkommen von Insekten- und Vogelarten.

Mit wenigen Maßnahmen können Privatleute ihre Grünflächen und Balkone zu einem insektenfreundlichen Lebensraum umgestalten. Denn auf penibel gemähten Rasenflächen ohne blühende Wildkräuter und in Steinvorgärten finden Insekten kaum Nahrung. „Um die Artenvielfalt zu bewahren und sogar zu erhöhen, sollten viele neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Die richtige Pflanzenauswahl, einigen weitere nützliche Elementen und etwas Geduld reichten da schon meistens aus“, erklärt Günter Prösch vom Kleingartenverein Deichhorst.

Die Gewächse müssen dabei möglichst viel Nektar und Pollen liefern. „Wichtig ist, dass es einfache und keine hochgezüchteten Blüten sind, damit sich die Insekten daran bedienen können“, betont Prösch. Neben Obstbäumen bieten sich vor allem mehrjährige Stauden an, da sie kaum Pflege benötigen und jedes Jahr wieder neu auskeimen. Die Samen dienen zudem als nahrhaftes Futter für viele Vogelarten wie Stieglitz, Kohlmeise, Blaumeise oder Buchfink.

Kräuterspiralen bauen und bepflanzen

Mit dem Pflanzen verschiedener Kräuter kann man den Insekten ebenfalls helfen. „Ideal ist da natürlich eine Kräuterspirale“, sagt Prösch. Mittlerweile erfreuen sich die dreidimensionalen Beete einer großen Beliebtheit − und das hat gute Gründe. Schließlich könne auf kleinstem Raum eine Vielzahl von Funktionen erfüllt werden. „Da nicht alle Kräuter die gleichen Standortansprüche haben, können sie in einer Kräuterspirale nebeneinander gedeihen“, erklärt Prösch. Gleichzeitig sei eine Trockenmauer ein wertvolles Biotop für Insekten, Reptilien und Amphibien.

naturnahes Gärtnern

Günter Prösch informiert über Kräuter und Blühpflanzen im heimischen Garten.

Foto: TAMMO ERNST

Wichtig ist beim insektenfreundlichen und naturnahen Gärtnern vor allem, dass den verschiedenen Tierarten weiterhin Rückzugsorte zur Verfügung stehen. „Dazu gehört dann auch, dass alte und kaputte Obstbäume stehen gelassen werden, damit die Natur sie noch verwerten kann“, betont Prösch und ergänzt, dass sich das natürlich nur auf Bäume beziehe, die ansonsten keine Gefahr darstellen. Die rissige Borke sei ideal für Käfer und Spechte. „Unter Sträuchern kann das Laub liegen bleiben. Dort dient es zum Beispiel nützlichen Insekten zur Überwinterung und hilft vielleicht auch dem einen oder anderen Igel“, sagt Vereinsvorsitzender Gerhard Brinkmann.

„Neben Nahrung und Versteckmöglichkeiten brauchen Insekten auch geeignete Nistplätze“, erklärt Brinkmann. Dafür verwenden sie je nach Art zum Beispiel hohle Pflanzenstängel, Holz oder sandige Flächen. Manche Arten nehmen auch gerne künstliche Nisthilfen wie ein Insektenhotel an. Diese gibt es schon in vielen Baumärkten und in Gartenzentren zu kaufen. „Aber man kann sich auch kleine und große Varianten mit einfachen Mitteln selbst basteln“, erzählt Prösch aus eigener Erfahrung.

Auf alte Klassiker setzen

Als Düngungsmittel empfehlen die Experten vom Kleingartenverein Deichhorst den klassischen Komposthaufen. Nach neun bis zwölf Monaten kann in den meisten Fällen bereits die reife Komposterde geerntet werden. Die entstandene Komposterde ist reich an Nährstoffen und sichert den Pflanzen vor allem nach dem Winter eine gute Nährstoffversorgung für den Start in die Vegetationsperiode. Zudem raten die Gartenliebhaber entschieden von Pestiziden ab.

naturnahes Gärtnern

In Insektenhotels finden viele kleine Tiere Unterschlupf. Denn neben Nahrung und Versteckmöglichkeiten brauchen Insekten auch geeignete Nistplätze.

Foto: TAMMO ERNST

Gartenbesitzer, die Erde dazu kaufen, sollten besonders darauf achten, dass kein Torf in der Mischung enthalten ist. Denn durch den Abbau von Torf werden Moore sowie die darin heimische Pflanzen- und Tierarten zerstört und enorme Mengen an Treibhausgasen in die Luft ausgestoßen, die zum Klimawandel beitragen.

„Es müsste eigentlich viel mehr naturnahe Gärten geben, die die Artenvielfalt erhalten“, mahnt auch Uwe Dähne, Ratsherr der Grünen im Delmenhorster Stadtrat. „Wir haben unseren Garten immer so gelassen, wie er ist – und das klappt sehr gut“, berichtet er. Neben einer Menge Schmetterlinge tummelten sich Libellen, Wespen, Bienen und Hummeln auf den wilden Grünflächen mit großen Lindenbäumen. Zusammen mit anderen Verfechtern des naturnahen Gärtnerns hofft er nun auf mehr Aufklärung und einen Trend entgegen der grauen Schottergärten.

Info

Zur Sache

Vielfalt im Lehrgarten erleben

Viele Kinder wissen nicht mehr, wo das Gemüse, die Erdbeeren oder die Kartoffeln herkommen oder wie sie wachsen. Deshalb bietet der Kleingartenverein Deichhorst seit 2018 Schulklassen und anderen interessierten Gruppen die Möglichkeit, in ihrem 420 Quadratmeter großen Lehrgarten selber zu säen und zu ernten. Elf Hochbeete und ein Gewächshaus wurden dafür gebaut. Neben gärtnerischen Tätigkeiten können Interessierte dort auch kreative Ideen verwirklichen. Zielgruppe sind Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren. Neben dem Anbau von essbarem Gemüse werden auch Zierkürbisse gepflanzt oder kleine Insektenhotels gebaut.

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