Bürgerstiftung qualifiziert Migranten Fit fürs Ehrenamt

Die Bürgerstiftung Ganderkesee hat Flüchtlinge als Organisationstalente qualifiziert. Sie sollen künftig helfen, das Neujahrskonzert, das Ferien-Sprachcamp oder eine Chancen-Werkstatt zu organisieren.
05.04.2018, 18:24
Lesedauer: 3 Min
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Fit fürs Ehrenamt
Von Jochen Brünner

Nicht zuletzt, um ihre eigenen Vorhaben voranzutreiben, hat die Bürgerstiftung Ganderkesee seit Januar Flüchtlinge sowie deutsche Bürger mit einer Workshopreihe in Sachen Projektmanagement qualifiziert. „Projekte sind die Brücke in die Zukunft“, brachte es Thor Möller, Unternehmensberater und Trainer für Projektmanagement, zum Abschluss der Weiterbildungsmaßnahme auf den Punkt.

Projekte sind auch das Kerngeschäft der Bürgerstiftung Ganderkesee, und vor diesem Hintergrund haben sich die Verantwortlichen Anfang des Jahres entschlossen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen hat die Bürgerstiftung mit den Workshops nämlich einen Beitrag geleistet, Flüchtlinge zu integrieren und dem deutschen Arbeitsmarkt einen Schritt näher zu bringen. Zum anderen aber hat sie damit auch das (in diesem Jahr ausgefallene) Neujahrskonzert vorangetrieben, das Sprach-Lerncamp, das das Regionale Umweltzentrum Hollen (RUZ) in den Herbstferien zum dritten Mal anbietet, auf den Prüfstand gestellt, und nicht zuletzt eine für September geplante Chancen-Werkstatt, die ganz konkrete Bande zwischen Arbeitgebern der Region und Migranten knüpfen soll, auf den Weg gebracht.

„Bei jungen Leuten funktioniert die Integration über die Schule und den Sport. Bei Erwachsenen wird das aber zunehmend schwierig“, erklärte Thor Möller. Dementsprechend seien die Teilnehmer bei der ersten Veranstaltung auch eher skeptisch gewesen, berichtete Bürgerstiftung-Vorstand Marc Möller. Dann aber sei in den gemischten Teams ein guter „kreativer Funke“ entstanden. „Die gewaltige Motivation und die Lernbereitschaft, die insbesondere die Flüchtlinge mitgebracht haben, hat mich schwer begeistert“, zeigte sich Marc Möller erfreut.

Dabei hätten die Teilnehmer die Verantwortlichen durchaus auch dazu gebracht, umzudenken. "Wir haben doch gemerkt, dass wir an der einen oder anderen Stelle ein bisschen eingefahren sind", hat auch Marc Möller beobachtet. „Wenn ihr das Konzept des Neujahrskonzerts so lasst, müsst ihr euch nicht wundern, dass da nur alte Leute kommen“, war etwa dem Palästinenser Hani Al-Mohraji klar. So ist der Gedanke entstanden, beim nächsten Mal möglicherweise Klassik und Pop in einem Konzert zusammenzubringen, um alle Generationen anzusprechen. Denn nachdem das Konzert in diesem Jahr wegen Terminschwierigkeiten ausgefallen war, soll die Veranstaltung voraussichtlich am 20. Januar 2019 wieder aufleben.

Helmut Steinmann, nebenbei Vorsitzender des Bookholzberger TB, hat in seiner Arbeitsgruppe das Projekt "Chancen-Werkstatt" vorangetrieben. Das Besondere sei, dass neben Migranten und Arbeitgebern auch die Kammern und das Jobcenter in die Veranstaltung integriert werden würden. Ganz neu sei die Idee aber nicht: "So etwas gab es in Wardenburg oder Goldenstedt auch schon", weiß Steinmann. In der Arbeitsgruppe, die sich mit dem Sprachlern-Camp beschäftigt hat, saß mit Mahmoud Martini etwa ein Teilnehmer, dessen Kind bereits an der Veranstaltung teilgenommen hat. So konnte er auch aus Elternsicht neue Impulse einfließen lassen.

Tatsächlich lagen zwischen der Idee und der Realisierung der Workshops nur wenige Wochen. "Im November ist mein Bruder Thor erstmals mit der Idee an mich herangetreten, und schon am 13. Januar haben wir uns das erste Mal getroffen", berichtet Marc Möller von einem ausgesprochen kurzen Vorlauf. „Wir hoffen nun, dass die Absolventen ihre Kenntnisse nicht nur für sich und ihren Beruf einsetzen, sondern dass sie sich auch ehrenamtlich engagieren“, erklärte Hans-Georg Zechel, Vorsitzender der Bürgerstiftung, am Rande der Veranstaltung. Schließlich sei der Kerngedanke der Organisation, sich nicht nur um die private Familie zu kümmern, sondern auch die Gemeinde und den mittleren Lebensumkreis im Blick zu haben.

Auch bei der Zentrale der Bürgerstiftungen in Berlin sei das Projekt im Übrigen mit Interesse zur Kenntnis genommen worden und werde seit dem deutschlandweit verbreitet. Und die Zertifikate, die die Teilnehmer im Rahmen einer zweistündigen Prüfung erworben hätten, seien weltweit anerkannt, betonte Thor Möller.

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