Die Vertrauten brechen weg Baumanns neue Werder-Welt

Sportchef Frank Baumann muss künftig ohne seine engen Vertrauten Florian Kohfeldt und Marco Bode auskommen, nun muss er sich eine neue Werder-Welt rund um die Mannschaft basteln.
03.06.2021, 14:53
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Carsten Sander

Florian Kohfeldt? Schon weg! Marco Bode? Bald weg! Wer bleibt, ist Frank Baumann. Der Sportchef des SV Werder Bremen wird zwar nach dem einen engen Vertrauten in Kürze auch den anderen verlieren, doch diesen für den Verein tiefgreifenden und für ihn auch sehr persönlichen Veränderungen begegnet er mit einem großen Maß an Pragmatismus. Gefühlsduselei gönnt sich Baumann nur am Rande.

„Dass wir ein vertrauensvolles Verhältnis hatten, stimmt“, sagt er über Kohfeldt, den im Endspurt der vergangenen Saison entlassenen Trainer, und über Bode, den Aufsichtsratsvorsitzenden, der so sehr die schützende Hand über Baumann hält, dass er sich in drei Monaten lieber selbst zurückzieht, als dass er die Verantwortung für den Abstieg bei dem Sportchef ablädt. Das Dreieck ist somit gesprengt, und Baumann weiß, dass er jetzt mit neuen Menschen an seiner Seite eine neue Werder-Welt schaffen muss.

Lesen Sie auch

Mit der Verpflichtung von Markus Anfang als neuen Trainer ist der Start in eine neue Zeit gemacht. Im Aufsichtsrat wird es nach der Mitgliederversammlung im September einen großen Wechsel geben – ob Baumann danach im Amt bleiben darf, ist völlig offen, derzeit aber nicht das Thema. Aktuell geht es darum, mit kühlem Kopf am Neubeginn zu arbeiten. Baumann geht mit dem personellen Wandel um ihn herum entsprechend professionell und nüchtern, fast schon kühl um. „Keiner bei Werder Bremen ist so blauäugig, dass er sagt: Wenn man eine Besetzung hat, muss sie in den nächsten acht bis zehn Jahren so bestehen bleiben. Das Geschäft ist einfach schnelllebiger geworden. Dem muss man sich stellen und anpassen.“

Das hat er vor. Baumann sieht in den bereits vollzogenen und noch ausstehenden Neubesetzungen „auch eine Chance, dass man neue Impulse bekommt. Sowohl was den Cheftrainer betrifft als auch irgendwann einen neuen Aufsichtsrat“. Er selbst wird zwar von außen stark für seine Personalentscheidungen kritisiert, hat aber von innen das Mandat zum Aufbau einer neuen Mannschaft bekommen. Mit Markus Anfang und Clemens Fritz, dem Leiter Profi-Fußball, würde in den nächsten Tagen die Aufgabenverteilung noch mal genauer besprochen werden. „Es ist wichtig, dass die Rollen klar verteilt sind“, sagt Baumann.

Lesen Sie auch

Welche Rolle Thomas Schaaf, der Interimscoach im letzten Bundesligaspiel, künftig noch bei Werder Bremen und als Baumann-Vertrauter spielen wird, ist weiter ungeklärt. Bei der Trainersuche habe der 60-Jährige noch mitgewirkt, habe bei der „Erstellung des Anforderungsprofils“ sowie „bei der einen oder anderen Recherche über einzelne Kandidaten“ geholfen, so Baumann. Doch ob Schaaf, dessen Vertrag als Technischer Direktor des Leistungszentrums ausläuft, eine Zukunft hat bei Werder, wurde noch nicht final besprochen. Zwei Gründe: Keine Zeit bei Baumann und keine Lust bei Schaaf, die Entscheidung übers Knie zu brechen. Baumann: „Thomas hat darum gebeten, erstmal in den Urlaub zu fahren und sich dort in Ruhe Gedanken zu machen. Wenn er zurückkommt, werden wir uns zusammensetzen, um zu entscheiden, ob und in welcher Form es weitergeht.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+