Neuer Werder-Trainer

So lässt Anfang Fußball spielen

Defensivfußball ist nichts für Werder Bremens neuen Trainer Markus Anfang, das zeigt ein Blick auf seine Trainer-Bilanz. Aber wie lässt der 46-Jährige seine Teams spielen? Eine Übersicht.
03.06.2021, 10:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Marius Winkelmann
So lässt Anfang Fußball spielen

Steht für Offensivfußball. Werder Bremens neuer Trainer Markus Anfang.

Julian Stratenschulte / dpa

Markus Anfang ist der neue Cheftrainer des SV Werder Bremen. Darauf verständigten sich die Grün-Weißen mit dem SV Darmstadt 98 am Dienstag. Mit Werder will Anfang das große Ziel Wiederaufstieg in die Bundesliga angehen und sich seinen persönlichen Traum vom deutschen Fußball-Oberhaus erfüllen. Aber wofür steht eigentlich der Trainer Markus Anfang und wie lässt er Fußball spielen?

99, 210, 350 - das sind nicht etwa geheime Taktik-Codes, sondern Zahlen, die ganz genau dokumentieren, wofür der neue Werder-Trainer Markus in erster Linie steht: Tore und Spektakel. 99 Zweitliga-Spiele hat Anfang als Trainer absolviert. 34 für Holstein Kiel, 31 für den 1. FC Köln und noch mal 34 für Darmstadt 98. In diesen 99 Spielen haben seine Teams insgesamt 210 Tore erzielt. Anfangs Mannschaften treffen also 2,1 Mal pro Partie. Insgesamt 350 Tore sind in diesen 99 Spielen gefallen. Im Schnitt klingelt es also 3,5 Mal in jedem Spiel, in dem Anfang als Coach an der Seitenlinie steht!

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Bei Werders Trainersuche war die offensive Grundidee Anfangs ein Argument für den Trainer gewesen. Sportchef Frank Baumann betonte aber: „Es geht nicht nur darum, das Spiel mit Ball zu vermitteln. Um offensiv spielen zu können, musst du auch den Ball gewinnen. Deswegen kann man Markus’ Arbeit nicht nur auf die Offensive begrenzen.“ Der neue Coach habe auch sehr klare Vorstellungen davon, „wie wir gegen den Ball arbeiten“.

Seine Trainerkarriere startete der gebürtige Kölner einst beim SC Kapellen-Erft in der Niederrhein-Liga, die er prompt zum Aufstieg in die Oberliga führte. Von 2013 bis 2016 arbeitete Anfang dann erfolgreich im Nachwuchsbereich von Bayer Leverkusen. Höhepunkt war der Gewinn der Deutschen U17-Meisterschaft mit der Werkself 2015 – Anfang formte dabei hoffnungsvolle Talente wie Nationalspieler Kai Havertz, der mit dem FC Chelsea gerade die Champions League gewonnen hat. 2016 dann der Sprung an die Kieler Förde zum Drittligisten Holstein Kiel, der sich für alle Beteiligten als goldrichtig erweisen sollte. Mit spektakulärem Offensivfußball stieg Kiel im ersten Jahr sensationell in die Zweite Liga auf und schaffte 2018 beinahe den direkten Durchmarsch in die Bundesliga. Der Aufsteiger schoss in Liga zwei bemerkenswerte 71 Tore. Der aufregende Störchen-Fußball – Anfang favorisierte ein 4-1-4-1 System mit schnellen Außenspielern, spielstarken Innenverteidigern wie Rafael Czichos und kreativen Box-to-Box-Spielern im Mittelfeld – sorgte deutschlandweit für Aufsehen.

Beim 1. FC Köln trug Anfangs offensive Spielidee ebenfalls Früchte. Der erfrischende Spielstil mit klaren Abläufen und einem flachen Spielaufbau durch die Mitte bescherte dem FC schnell die Tabellenführung in Liga zwei. Trotz der Unruhe im und um den Verein war es Anfang gelungen, seine auf einem hohem Ballbesitzanteil basierende Spielphilosophie zu implementieren. Der neue Werder-Coach will mit vielen kurzen Pässen im Offensiv-Drittel seine Gegner aufmischen. Im Angriffsdrittel sollen seine Spieler viel rochieren und variabel agieren. Im Fokus stehen ganz klar spielerische Lösungsansätze, auch beim Aufbau aus der Abwehr heraus. Das sieht meist spektakulär aus, ist häufig aber auch riskant. 

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Das sieht meist spektakulär aus, ist häufig aber auch riskant. In der Defensive ist das 4-1-4-1-System anfällig, weil in der Offensive ein hohes Risiko eingegangen wird. In Köln musste Anfang nach einer Serie von vier sieglosen Spielen daher von seinem Lieblingssystem abweichen und auf eine stabilere 3-5-2-Formation umstellen. Das gelang. Trotz der erfolgreichen Veränderung war Anfangs Zeit in Köln nach nicht einmal einem Jahr im April 2019 trotz Tabellenführung schon wieder beendet. Angeblich hatte er es sich mit Teilen der Mannschaft verscherzt. Sportchef Armin Veh, zu dem das Verhältnis sehr angespannt gewesen sein soll, entließ den Trainer, obwohl die Kölner drei Spieltage vor Schluss mit sechs Punkten Vorsprung auf Rang vier voll auf Aufstiegskurs lagen.

Nach einjähriger Pause, die Anfang dazu nutzte, um sich fortzubilden und sich vor Ort die Arbeit bei anderen Vereinen anzusehen, legte ab dem vergangenen Jahr auch in Darmstadt mit deutlich weniger Möglichkeiten eine beachtliche Saison hin. Am Ende – dank eines starken Schlussspurts mit 26 Punkten aus den letzten elf Spielen – landeten die Hessen auf Rang sieben. Insgesamt wurde die Rückserie mit 33 Zählern zur besten der Vereinsgeschichte. Darmstadts 63 Treffer bedeuteten zudem Platz vier im Zweitliga-Vergleich. Die Werder-Fans dürfen mit Trainer Anfang also vor allem auf eines hoffen: die Rückkehr des mitreißenden Bremer Offensivfußballs. „Wir müssen Lösungen mit Ball haben, es muss eine klare Handschrift zu erkennen sein, was das Offensivspiel betrifft“, hielt Baumann fest nachdem er in Anfang den in seinen Augen besten Mann für diesen Job unter Vertrag genommen hatte.      

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