Füllkrugs turbulente Werder-Woche Gemotzt, geflogen, getroffen

Für Niclas Füllkrug war es eine turbulente Woche: Nach einer Auseinandersetzung mit Clemens Fritz wurde er kurzzeitig freigestellt, in Sandhausen traf er nun zum späten und umjubelten Ausgleich.
24.10.2021, 19:05
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Von Daniel Cottäus

Der Ball hatte kaum die Torlinie überquert, da wirkte es so, als wollte Niclas Füllkrug das ganze Ausmaß seiner Erleichterung in purer Geschwindigkeit ausdrücken. Nachdem der Stürmer des SV Werder Bremen mit seinem ersten Saisontor in der Nachspielzeit das 2:2 beim SV Sandhausen erzielt und seiner Mannschaft damit einen Punkt gerettet hatte, setzte er explosionsartig zum Sprint an. Sein Ziel: Die Trainerbank, wo er auch Chefcoach Markus Anfang jubelnd in die Arme fiel – und damit endgültig für die große Pointe nach einer mehr als turbulenten Werder-Woche sorgte, in der er selbst unfreiwillig im Mittelpunkt gestanden hatte. „Man hat gesehen, welche Last von ihm abgefallen ist“, sagte Anfang nach der Partie. Nun, so die Hoffnung des Trainers, könnte der Knoten bei Füllkrug geplatzt sein: „So ein Tor kann viel bewirken.“

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Werder hat es in Sandhausen zunächst einmal vor einer Blamage bewahrt, die eine Auswärtsniederlage ohne Zweifel bedeutet hätte. Für Füllkrug dürfte der Treffer aber deutlich größeren Wert haben, als den einen Punkt, den er in der Tabelle bringt. In zehn Pflichtspieleinsätzen war der Stürmer zuvor trotz zum Teil bester Chancen ohne Erfolgserlebnis geblieben, hatte deshalb seinen Stammplatz verloren und sich öffentlich als „Verlierer“ bezeichnet, was wiederum für große Spannungen innerhalb des Vereins gesorgt hatte. Spannungen, die sich schließlich nach der 0:3-Niederlage in Darmstadt entluden. Nach verbalen Entgleisungen gegenüber dem Leiter Profifußball Clemens Fritz war Füllkrug in der vergangenen Woche für drei Tage vom Trainingsbetrieb suspendiert worden. Nun hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet.

„Ich habe mich für ihn und die Mannschaft riesig gefreut“, sagte Anfang, der Füllkrug nach dem Darmstadt-Spiel noch öffentlich kritisiert hatte, in Sandhausen aber zum wiederholten Male die Bedeutung des Angreifers hervorhob: „Ich habe immer gesagt, dass er wichtig für die Mannschaft ist.“ Dass das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer angespannt sein soll, hat Anfang stets von sich gewiesen. Füllkrugs Jubellauf inklusive Trainer-Umarmung dürfte ihm also gefallen haben, auch wenn er die Sache nicht unnötig mit Bedeutung aufladen wollte. „Dass er nach dem Tor zur Bank gekommen ist und wir alle zusammen gejubelt haben, ist für mich nichts Außergewöhnliches. Für mich ist das ganz normal, weil wir alle zusammenstehen und gemeinsam da durchgehen.“ Nach dem Spiel habe Füllkrug sogar diese zwei Worte zu ihm gesagt, berichtete Anfang: „Danke, Coach!“

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Viel hat übrigens nicht gefehlt, und Füllkrug wäre in Sandhausen noch zum Matchwinner geworden. Kurz nach seinem 2:2 scheiterte er noch einmal am Pfosten. „Ich hätte mich natürlich noch mehr gefreut, wenn er den auch noch gemacht hätte“, sagte Anfang, was nach einem insgesamt enttäuschenden Bremer Auftritt aber womöglich zu viel des Guten gewesen wäre. So blieb dem Trainer immerhin der Hinweis, „dass wir mit dem Ausgleich eine gute Reaktion gezeigt haben“. Ein Satz, der auf Werder im Allgemeinen bezogen war, aber mindestens genauso gut auf Füllkrug im Speziellen zutraf.

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