Leistungs-Check So schlagen sich Werder Bremens Leihspieler

Insgesamt sieben Talente hat Werder Bremen in der Saison 2022/23 an andere Vereine verliehen. Bei wem läuft es, bei wem nicht? Eine Übersicht.
25.11.2022, 19:13
Lesedauer: 6 Min
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Von Marius Winkelmann

Ein Spätzünder, ein Reinfall, zwei Pechvögel und ein wechselhaftes Trio: Insgesamt sieben Talente hat Bundesliga-Aufsteiger Werder Bremen in der Saison 2022/23 an andere Vereine verliehen. Zur Winterpause schaut unsere Deichstube genau hin: Welche Leihspieler befinden sich in Top-Form, bei wem hakt es noch?

Nick Woltemade (SV Elversberg):

Eigentlich kommt die Winterpause für Nick Woltemade zur absoluten Unzeit. Denn gerade hat sich die Leihgabe des SV Werder Bremen bei der Sportvereinigung Elversberg einen Stammplatz in der 3. Liga erarbeitet, nachdem es zuvor als Einwechselspieler eher durchwachsen gelaufen war. Gegen Dortmund II, Bayreuth und Freiburg II kam der 20-Jährige zuletzt dreimal in Folge von Beginn an zum Zug und machte seine Sache hervorragend. Der Offensivmann hatte mit dem 1:0-Siegtreffer gegen Bayreuth sowie einem Tor und einem Assist beim 3:0 gegen die Breisgauer einen erheblichen Anteil an den jüngsten Erfolgen des Drittliga-Spitzenreiters. Es waren seine ersten beiden Profitore überhaupt. Nicht nur deshalb scheint Woltemade nun richtig angekommen zu sein im Saarland. Ein weiterer Beleg für Woltemades aufsteigende Formkurve ist, dass der gebürtige Bremer inzwischen wieder zum festen Kern der deutschen U20-Nationalmannschaft zählt, für die er im November gegen Tschechien, Norwegen und Portugal zum Einsatz kam und dabei einen Treffer erzielte. Sollte Woltemade nach der Winterpause mit dem außergewöhnlich gut performenden Drittliga-Aufsteiger aus Elversberg, der bereits acht Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Saarbrücken hat, weiter auf der Erfolgswelle reiten, dürfte das auch seine zuletzt ziemlich aussichtslose Perspektive in Bremen wieder verbessern.

Justin Njinmah (BVB II):

Nach dem ansprechenden ersten Jahr läuft es für Justin Njinmah beim BVB II in der zweiten Spielzeit – gemessen an den Leistungsdaten – eher schleppend. Zwei Tore und eine Vorlage stehen auf der Habenseite des pfeilschnellen Stürmers. Eigentlich ein bisschen zu wenig für die gestiegenen Ansprüche des 22-Jährigen. Dennoch hatte die Saison auch einiges zu bieten für die Leihgabe des SV Werder Bremen: So durfte Njinmah Mitte September sein Bundesliga-Debüt für die Schwarz-Gelben gegen RB Leipzig feiern (0:3). „Ein einmaliges Erlebnis“ für den Deutsch-Nigerianer. Und obwohl die Reserve von Borussia Dortmund inzwischen spielfrei hat, ist für Njinmah noch längst nicht an Urlaub zu denken. Der gebürtige Hamburger ist nämlich mit den BVB-Profis auf Asien-Tour in Singapur und Malaysia – und erhält dort als einer von mehreren jungen Spielern „eine Bühne, um sich zu präsentieren“, wie es BVB-Chefcoach Edin Terzic formulierte. Beim SV Werder hatte Njinmah erst im Januar einen Profivertrag unterschrieben, ehe ihn umgehend der BVB bis Sommer 2023 auslieh. Die Dortmunder besitzen dem Vernehmen nach eine Kaufoption für Njinmah, die im siebenstelligen Bereich liegen soll.

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Yannik Engelhardt (SC Freiburg II):

Es hat lange gedauert, aber jetzt ist er wieder topfit: Seit Sommer war Yannik Engelhardt nach einer Knöchel-Operation verletzt ausgefallen, Mitte Oktober feierte der defensive Mittelfeldspieler schließlich sein langersehntes Comeback beim 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim. Seitdem ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken: In den darauffolgenden fünf Drittliga-Partien verpasste der 21-Jährige keine einzige Minute. Anfang Dezember war er zudem als Torschütze beim 1:1 gegen Dynamo Dresden erfolgreich. Engelhardt steht bereits seit 2015 bei Werder unter Vertrag und spielte schon in der vergangenen Saison auf Leihbasis beim SC Freiburg II. Im Sommer 2023 endet die Leihe des ehemaligen deutschen U20-Nationalspielers. Ob er eine Zukunft in Bremen hat, scheint noch nicht final geklärt.

Kyu-hyun Park (Dynamo Dresden):

Nach verheißungsvollem Start mit zwei Einsätzen über 90 Minuten im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart (0:1) und in der Liga gegen 1860 München (3:4) ging es für die Werder-Leihgabe bei den Sachsen stetig bergab. Zunächst stoppte den 21-Jährigen kurzzeitig eine Leistenzerrung. Als der Linksverteidiger dann wieder fit war, setzte es mit Park in der Startelf zwei Niederlagen innerhalb einer Woche gegen Viktoria Köln (1:2) und Elversberg (2:3). Die Folge: Parks Stammplatz war futsch und hieß anschließend zweieinhalb Monate lang Ersatzbank. Zwischen dem 6. und 15. Spieltag setzte Dynamo-Trainer Markus Anfang den Bremer kein einziges Mal mehr ein. Erst Anfang November durfte der frischgebackene südkoreanische U23-Nationalspieler (Debüt Ende September gegen Usbekistan) endlich mal wieder ran – und wurde gegen Wehen Wiesbaden prompt zur Pause wieder ausgewechselt. Noch schlimmer kam es dann im nächsten Spiel gegen den FSV Zwickau am 12. November, als sich Park nach einem rüden Foulspiel vor der Trainerbank am Knie verletzte. Für Aufsehen hatte vor allem SGD-Coach Anfang gesorgt, der seinen sich vor Schmerzen am Boden krümmenden Schützling gestenreich zum Weiterspielen aufforderte. Park probierte es, humpelte noch kurz übers Feld, musste aber das Handtuch werfen. Die bittere Diagnose: Bänderverletzung im linken Knie. Immerhin strampelte er zehn Tage später mit bandagiertem Knie schon wieder fleißig auf dem Ergometer. Bei den Werder-Profis dürfte Park im Sommer dennoch keine Perspektive haben.

Oscar Schönfelder (Jahn Regensburg):

Für Oscar Schönfelder sollte die einjährige Leihe zum SSV Jahn Regensburg so etwas wie ein Neuanfang werden. Doch viel schlechter hätte dieser Neustart nicht beginnen können. Nur wenige Wochen nach seiner Ankunft bei den Bayern riss sich der Linksfuß im Training des Zweitligisten das vordere Kreuzband und zog sich obendrein eine Muskelverletzung zu. Seit Monaten befindet sich der 21-jährige Offensivspieler, der im Sommer selbst um eine einjährige Leihe gebeten hatte, um mehr Spielpraxis zu erhalten, in Süddeutschland in der Reha. Schönfelders Comeback ist für Anfang 2023 anvisiert. Der gebürtige Berliner war 2020 von der U19 des FSV Mainz 05 nach Bremen gewechselt und hat bisher jeweils elf Einsätze für die Werder-Profis und die U23 absolviert. Jetzt schuftet Schönfelder für sein Comeback und dürfte hoffen, dass der zweite Neustart in Regensburg einen ganz anderen Verlauf nimmt.

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Abdenego Nankishi (Heracles Almelo):

Beim SV Werder Bremen sind sie von Abed Nankishis Qualitäten „absolut überzeugt“, wie Clemens Fritz als Leiter Profifußball kürzlich nach der Vertragsverlängerung des Flügelstürmers betonte. Das gilt auch beim niederländischen Zweitligisten Heracles Almelo, für den das 20-jährige Offensivtalent seit Sommer leihweise aufläuft und wo ihm Cheftrainer John Lammers „großes Vertrauen entgegenbringt“, wie Nankishi in einem Vereinsinterview Anfang Oktober mehrfach erklärte. Dennoch läuft der erste Tapetenwechsel für den gebürtigen Bremerhavener, gemessen an dessen Einsatzzeiten, bislang ziemlich unglücklich. Denn: In lediglich fünf von möglichen 14 Partien stand Nankishi auf dem Platz. Nur einmal schaffte er es in die Startelf. Grund dafür sind allerdings nicht etwa schwache Leistungen, sondern vielmehr wiederkehrende Verletzungsprobleme, die ihm auch schon in Bremen zu schaffen machten. Gleich neun Spiele verpasste Nankishi dadurch.

Immerhin stellte Nankishi in seinen wenigen Einsätzen eindrucksvoll seine Torjäger-Qualitäten unter Beweis: Beim 2:1-Auswärtssieg des Eredivisie-Absteigers gegen den FC Den Bosch erzielte die Leihgabe den Siegtreffer. Zuvor hatte er bereits im Duell mit Helmond Sport (2:0) als Joker geknipst. Seitdem stand der Bremer beim aktuellen Tabellenführer in der „Keuken Kampioen Divisie“ allerdings nur noch in einem von möglichen sieben Spielen auf dem Rasen – und das auch nur für fünf Minuten. Damit die Leihe im Sommer als Erfolg bewertet werden kann, muss Nankishi also irgendwie seine Verletzungssorgen in den Griff bekommen.

Johan Mina (CS Emelec):

Bereits die Ausleihe in der vergangenen Saison zum portugiesischen Erstligisten Estoril Praia stand unter keinem guten Stern. Dort kam der Ecuadorianer ausschließlich in der U23 zum Zug – und das ziemlich selten. Mina bestritt nur zehn von möglichen 28 Pflichtspielen. Wer geglaubt hat, dass nun alles besser werden würde, der hat sich gewaltig getäuscht. Denn die Ausleihe zu seinem Ausbildungsclub CS Emelec in die erste ecuadorianische Liga ist für den 20-Jährigen zu einem absoluten Reinfall mutiert. Bisher hat Mina noch kein einziges Spiel in seiner Heimat absolviert. Laut ecuadorianischen Medien soll das Leihgeschäft deshalb bereits nach Saisonschluss, Ende November, vorzeitig aufgelöst werden, da beide Seiten unzufrieden seien. Ursprünglich sollte die Leihe eigentlich bis zum Sommer 2023 laufen. Denn eigentlich halten sie beim SV Werder Bremen große Stücke auf den starken Techniker, der 2020 an die Weser gewechselt war. Eine fehlende Spielerlaubnis als Nicht-EU-Ausländer sowie wenige soziale Kontakte hatten ihm jedoch den sportlichen Alltag bei Werders U23 erschwert. Streng genommen hat Mina in den vergangenen vier Jahren so gut wie keine Spielpraxis erhalten. Jetzt muss Mina möglichst schnell einen Ausweg aus der sportlichen Krise finde – völlig egal, wo.

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